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Restauratoren aus Münster zerlegen für die Sanierung den Steinbau in seine Einzelteile

Hier wird ein Brunnen zum Puzzle

Herford (WB). Im Zuge der Umgestaltung des Neuen Marktes wird auch der Neustädter Brunnen versetzt. Restauratoren aus Münster sind deshalb derzeit dabei, das steinerne Monument in ein großes Puzzle zu zerlegen.

Jan Gruhn

Robert (35, rechts) und Ludger Wennemer (66) verpassen jedem Bauteil einen eigenen Code. Anhand von Dutzenden Fotos entsteht so eine Bauanleitung für den Wiederaufbau. Foto: Jan Gruhn

Von allen Seiten hat Robert Wennemer (35) den Brunnen fotografiert. Jedes noch so kleine Detail wird festgehalten. »Wir müssen jedes Einzelteil später wieder an seinen exakten Platz bringen«, erklärt der Münsteraner. Zusammen mit seinem Vater Ludger Wennemer (66) und Mitarbeiter Felix Tielke (19) will der studierte Restaurator den Brunnen in den kommenden Tagen behutsam auseinandernehmen. Die Teile werden anschließend aufgearbeitet und eingelagert – bis der Umbau des Neuen Marktes abgeschlossen ist. Dann will das Team den Brunnen einige Meter versetzt wieder aufstellen.

Nicht die ersten Restauratoren

Bereits vor 419 Jahren wurde der heutige Blickfang des Platzes erbaut, später wurde er mehrfach versetzt. Zudem sei der Brunnen im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert worden, erklärt Wennemer. Sein Urteil: »Zum Teil hat man damals keinen guten Job gemacht.« Die Folge: An einige Stellen weist das Material Schäden auf, hier und da sind Oberflächen aufgeplatzt. Doch Wennemer betont: »Wir versuchen in erster Linie, den jetzigen Zustand zu konservieren.«

Das heißt konkret: Die Herforder müssten keine Angst haben, dass die zeitbedingten Narben einfach überspachtelt werden. »Der Brunnen ist mehr als nur ein Kunstwerk, dass 1599 entstanden ist«, erläutert der Steinmetz. Jede Vertiefung und jede Veränderung an der Substanz seien ein Zeugnis der Zeit. »Und das wollen wir erhalten.«

Brunnen ist kein Billy-Regal

Die große Herausforderung bei einem Brunnen wie diesem sei, dass es nicht zwei Teile gebe, die gleich seien, erklärt der Restaurator. »Ich könnte zum Beispiel nicht einfach die Säulen austauschen.« Das würde das ganz Konstrukt sofort instabil machen. Ein weiteres Detail, dass Laien mit bloßem Auge nicht erkennen: Der Ring am Kopf des Bauwerkes ist kein Kreis, sondern ein Oval. »Wir machen öfter solche komplizierten Geschichten«, sagt Wennemer. Aber so ein Brunnen sei auch für ihn neu.

Entsprechend genau müsse auch das System sein, mit dem das Trio die Einzelteile erfasst. »Jeder Stein bekommt sozusagen einen eigenen Code«, erläutert Wennemer Junior das Verfahren. Aus Dutzenden Fotos wird anschließend ein zweidimensionales Abbild des Objekts zusammengesetzt. So ähnlich wie bei einer Weltkarte im Atlas, vergleichen die Fachleute. Diese Unterlagen dienen dann später als Bauanleitung. »Aber so ein Kunstwerk ist eben kein Billy-Regal«, sagt Wennemer und schmunzelt.

Umbau 400.000 Euro teurer

Zuletzt war öffentlich geworden, dass die Gestaltung des Neuen Marktes 400.000 Euro teurer wird als ursprünglich geplant. Das war das Ergebnis der Ausschreibungen. Über die Mehrkosten wird der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 5. Juli, informiert. Die Verschönerung des Platzes ist Bestandteil des Masterplans Innenstadt.

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