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Andrea Milz besucht E-Sport-Event im Jugendzentrum »Die9« - mit Video

Hier zockt eine Staatssekretärin an der Konsole

Herford (WB). Der gute alte Kickertisch findet am Mittwoch wenig Beachtung. Stattdessen starren alle Anwesenden im AWO-Jugendzentrum »Die9« auf die Leinwand. Dort spurtet ein digitales Abbild von Fußball-Nationalspieler Julian Draxler übers Spielfeld.

Jan Gruhn

Ben David Frommann (19, vorne) zeigt Staatssekretärin Andrea Milz, welche Knöpfe sie drücken muss. Dirk Frommann (links) und weitere »Die9«-Gäste verfolgen das Geschehen auf der Leinwand. Foto: Jan Gruhn

 Ist Fußballzocken auf der Konsole Sport? Eine Frage, auf die weder Jugendzentrums-Chef Dirk Frommann noch Staatssekretärin Andrea Milz (CDU) eine Antwort haben. »Das ist aber auch unerheblich«, sagt Frommann. Denn die sogenannten E-Sports seien bereits ein großer Teil jugendlicher Freizeitkultur. »Und da wollen wir die Jugendlichen abholen.«

Ziel ist regelmäßiges Training

Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft lädt »Die9« in Zusammenarbeit mit der Turngemeinde Herford (TGH) an jedem Spieltag der deutschen Mannschaft zu einem Fifa-18-Turnier auf der Konsole ein. »Unser Ziel ist es, im Anschluss an diese Events genug Teilnehmer für einen regelmäßigen Trainingsbetrieb zu haben«, erklärt TGH-Sportmanager Frederick Humcke das Konzept.

Besonders im asiatischen Raum ist E-Sport mittlerweile ein Millionengeschäft. Doch hierzulande scheiden sich noch die Geister, wie Andrea Milz weiß. Als die NRW-Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt von diesem Herforder Projekt erfahren hat, kündigte sie gleich ihren Besuch an. »Ich musste mir das einfach persönlich anschauen«, flötet sie im rheinischen Dialekt. Bei dieser Gelegenheit schaute sie auch gleich beim Kreissportbund vorbei.

»Der organisierte Sport hält sich noch zurück«, sagte sie im Gespräch mit Vertretern der AWO, der TGH und der Stadt. Entsprechend wenige Fördertöpfe seien dem E-Sport deshalb derzeit zugänglich. »Aber es sollten doch nicht Leute aus unserer Generation entscheiden, was Sport ist.«

E-Sport zieht Leistungsträger an

Sportsoziologe Professor Heiko Meier (Universität Paderborn), der das Ganze wissenschaftlich begleitet, erläutert: »E-Sport zieht die Leistungsträger an.« Entsprechend dürften etablierte Vereine nicht verpassen, diese Sparte für sich zu nutzen. »Wenn man über den deutschen Tellerrand schaut: In Schweden oder Asien sind die Strukturen ähnlich wie bei uns im regulären Sport.«

Bei der TGH gibt es erste Ansätze, sagt Sportmanager Humcke. Dort gebe es mit der »TG Play« bereits eine Abteilung, in der es um wettbewerbsförmige Gesellschaftsspiele ginge – insbesondere um komplexe Tabletop-Spielsysteme. 40 Mitglieder sind regelmäßig dabei, sogar internationale Meisterschaften werden in Herford organisiert. Dort könnte auch der E-Sport-Ligabetrieb angesiedelt werden, rechnen sich die Verantwortlichen aus.

»Projekte wie dieses«, so formuliert es Staatssekretärin Andrea Milz, »können als gute Beispiele dienen, wenn sie funktionieren.« Die Christdemokratin dürfte sich schon häufiger mit der Frage »Sport oder Nicht-Sport« beschäftigt haben: Sie spielt Schach.

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