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Ackerbautag in Herford: Nicht nur öffentliche Diskussion macht Landwirten zu schaffen

Hitze, Dürre, Schädlinge

Herford (WB). „2019 war ein Jahr der Schädlinge“, sagt Dirk Höke, Pflanzenbauberater der Landwirtschaftlichen Kreisstelle. Erdflöhe, Kohltriebrüssler, Kartoffelkäfer, Blattläuse, Getreidehähnchen oder Maiszünsler hätten den Ackerbau massiv erschwert. Doch wie damit umgehen, wenn Verbraucher „die Landwirtschaft“ wegen Schädlingsbekämpfung und Insektenschwund immer lautstärker an den Pranger stellen und die Politik zeitgleich neue Einschränkungen, Auflagen und Vorgaben macht?

Bernd Bexte

Trockenheit und Hitze machten den Landwirten im vergangenen Jahr zu schaffen. Das begünstigt die Ausbreitung von Rostkrankheiten an den Pflanzen. Foto: dpa

„Der mediale Umgang mit uns Landwirten gibt uns öfters zu denken“, sieht Kreislandwirt Wilhelm Brüggemeier die Diskussion kritisch. Deshalb war am Mittwoch beim Ackerbautag auch Zeit, neben fachlichen Themen die aktuelle Debatte zu analysieren. Denn an der Basis brodelt es.

„Protest positiv“

Etwa 500 Landwirte waren auf Einladung der Landwirtschaftlichen Kreisstelle in den Stadtpark-Schützenhof gekommen. An sie wandte sich Brüggemeier mit der Hoffnung, dass der Protest der Bewegung „Land schafft Verbindung“, der auch in der Region immer stärker aufhorchen lasse, mehr positive Aufmerksamkeit für die Anliegen der Landwirte erzeugen könne. „Ich freue mich darüber, was da passiert. Vielleicht führt das ja zu einem Überdenken in der Politik, damit wir in das im September vorgestellte Agrarpaket noch unsere Handschrift reinbekommen.“ Der Druck müsse jetzt aufrecht erhalten werden. „Die Politik kann nicht mehr über uns hinwegsehen. Und die Gesellschaft muss verstehen, was wir machen.“

Denn die Arbeit der Ackerbauern fand zuletzt unter erheblich erschwerten Bedingungen statt: „Mit 1814 Sonnenstunden waren es 2019 noch einmal fast 100 mehr als im Hitzejahr 2018“, erläuterte Pflanzenbauberater Höke. Nur einige kühlere Perioden und etwas Regen sorgten zwischenzeitlich für Entspannung. Dennoch sei 2019 entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ein Jahr massivsten Schädlingsbefalls gewesen. Das habe mit der Trockenheit zu „sehr geringen Erträgen und schlechten Qualitäten“ geführt, etwa bei Weizen, Roggen und Triticale, aber auch bei Kartoffeln, Raps und Mais.

Mehr Pilzkrankheiten

Krankheiten, die durch feuchte Witterungsphasen begünstigt würden, gebe es seltener. „Dafür kommen heute Rostkrankheiten bei sonniger Witterung stärker vor“, erläuterte Hermann Hanhart, Referent für Pflanzenkrankheiten bei der Landwirtschaftskammer NRW. Die Pilze könnten bei einem frühen Befall zu einer Halbierung des Ertrages führen. In solchen Jahren müsse intensiver mit zwei Fungizidausbringungen dagegen vorgegangen werden. Er wies auf ein weiteres Problem hin: Da immer weniger pilztötende Wirkstoffe eingesetzt werden dürften, bildeten sich schneller Resistenzen. „Und das schränkt wiederum die Wirksamkeit ein.“

Zu Beginn des Ackerbautages stellte sich der neue Dienststellenleiter der Landwirtschaftlichen Kreisstellen Herford-Bielefeld und Minden-Lübbecke vor. Till Pagels hatte Mitte Juli vergangenen Jahres Werner Weingarz abgelöst, der in den Ruhestand ging. Der 29 Jahre alte Pagels war zuvor Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Bremen. Er stammt aus Schaumburg. „Von daher ist mir die Gegend hier vertraut.“

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