Bluttat in Herford: 37-Jähriger soll Partnerin erstochen haben – Auftakt zum Totschlags-Prozess

„Ich kann mich nicht erinnern“

Bielefeld/Herford...

„Wenn sie nach Hause kommt, reiße ich ihr den Kopf ab!“ Diese Handynachricht soll Eugen F. seinem Kumpel in der Nacht geschickt haben – und meinte damit seine Freundin. Ein paar Stunden später ist Lidia Spiridonova tot, verblutet auf offener Straße. Der 37-Jährige soll sie mit einem Samurai-Schwert erstochen haben – mutmaßlich aus Eifersucht.

Moritz Winde

Eugen F. wird zum Prozessauftakt von zwei Justizbeamten zur Anklagebank geführt. Wegen seiner Alkoholsucht soll er vermindert schuldfähig sein. Foto: Moritz Winde

Seit Mittwoch wird dem Herforder der Prozess vor dem Bielefelder Landgericht gemacht. Staatsanwalt Christopher York hat ihn wegen Totschlags angeklagt. Höchststrafe: 15 Jahre Haft.

Justizbeamte führen Eugen F. um Punkt 9 Uhr in Saal 2. Der Mann, der für den Tod der 42-Jährigen verantwortlich sein soll, versteckt seine Augen hinter einer Sonnenbrille mit roten Gläsern. Er trägt Blue-Jeans und eine schwarze Lederjacke.

Was ist am Mittag des 22. Januar in der Lützowstraße nahe der Werre passiert? Der Angeklagte – er macht einen gefassten Eindruck – will sich nicht erinnern können. Laut Gutachten hat der starke Alkoholiker und mit Methadon Substituierte zum Tatzeitpunkt drei Promille im Blut. Er habe flaschenweise Whiskey, gemixt mit Cola getrunken.

Nach zwei Entgiftungen wurde er jedes Mal rückfällig. „Ich weiß es nicht“, lautet seine Standard-Antwort auf entscheidende Fragen der 10. Großen Strafkammer. Allerdings könne er auch nicht ausschließen, für die Bluttat verantwortlich zu sein.

Ein wichtiges Beweismittel wird am Mittwoch im Gerichtssaal gezeigt. Es gibt keinen Zweifel, dass es sich bei diesem Samurai-Schwert – es gehört dem Angeklagten – um die Tatwaffe handelt. Foto: Moritz Winde

Klar ist, dass das Paar – es lebte seit mehr als zehn Jahren zusammen und stand unter gesetzlicher Betreuung – am Abend zuvor bei einem Nachbarn ordentlich gefeiert hatte. Sie habe dann mit einem Bekannten auf einer Luftmatratze liegend „herumgefummelt“, sagt der Gastgeber im Zeugenstand, der ebenfalls angibt, eklatante Erinnerungslücken zu haben.

Das Techtelmechtel machte Eugen F. wütend, er verließ die Grill-Party. Am anderen Tag brachte der Nachbar Lidia Spiridonova nach Hause. Dort wurden die beiden von Eugen F. an der Haustür empfangen – in Unterhose und mit einem Schwert in der Hand, Klingenlänge 75 Zentimeter. „Das habe ich mir für 150 Euro bei Amazon bestellt“, sagt der 37-Jährige, der – von Filmen inspiriert – mehrere asiatische Waffen besitzt.

Das LKA stellt später Blut des Opfers an dem Schwert fest. Hat der gebürtige Kasache – er wird von der Opferfamilie als aggressiv und gewalttätig beschrieben – zugestochen und die Hauptschlagader der 42-Jährigen getroffen? Vieles spricht für die Vorwürfe der Anklage, gesehen hat es jedoch niemand.

Reichen die Indizien für eine Verurteilung? Am 8. Juni soll das Urteil fallen.

Lidia Spiridonova wurde nur 42 Jahre alt. Ihr Freund soll sie umgebracht haben. Foto: Moritz Winde
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