Herforder Spenden-Aktion für mehr Nähe und Gemeinschaft gestartet

Im Johannes-Haus sollen Wünsche wahr werden

Herford (WB)

Wenn Monika Kuddes von ihrer Schwester erzählt, kullern Tränen: Seit mehr als zwei Jahren hat sie ihre Gisela nicht mehr gesehen. „Sie fehlt mir so sehr“, sagt die 77-Jährige, die im Johannes-Haus zu Hause ist. Doch es gibt Hoffnung auf ein baldiges Treffen.

Moritz Winde

Nach einer schweren Zeit mit Krebserkrankung und Corona-Einschränkungen ist die Zuversicht zurück: Monika Kuddes (77) – inzwischen geimpft – wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Wiedersehen mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Gisela. Foto: Moritz Winde

Normalerweise ist Monika Kuddes ein lebensfroher Mensch, der sich nicht so schnell entmutigen lässt. Doch die Schicksalsschläge, die die ehemalige Vertriebs-Mitarbeiterin einer Tageszeitung zuletzt wegstecken musste, würden auch den größten Optimisten aus der Bahn werfen.

2019 diagnostizieren die Ärzte einen bösartigen Tumor in ihrem Rücken. Wenig später die nächste Hiobsbotschaft: Brustkrebs. Es folgen Chemo- und Strahlentherapie. Die aggressiven Medikamente bekämpfen zwar die Karzinome erfolgreich, verschlechtern aber gleichzeitig ihren Allgemeinzustand, vor allem ihre Mobilität. Monika Kuddes ist seitdem an den Rollstuhl gefesselt, benötigt Sauerstoff.

Wer finanziert die Würstchen? Wer stellt sich an den Grill? Die Initiatoren hoffen auf Menschen, die Zeit und/oder Geld schenken. Foto: Moritz Winde

Als wäre die Belastung durch die Erkrankung nicht schon belastend genug, bricht währenddessen auch noch Corona aus. Alte, Schwache und Kranke leiden besonders unter der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen. Nicht nur die Angst vor einer Ansteckung – im Johannes-Werk infizierten sich 23 Frauen und Männer – sei allgegenwärtig gewesen.

Auch die Einsamkeit habe Spuren hinterlassen: „Es war ganz schlimm“, sagt die 77-Jährige, die sich nichts sehnlichster wünscht als ein Treffen mit ihrer Schwester. „Gisela wohnt in Osnabrück und ist genau wie ich nicht mobil. Ich bräuchte ein Rollstuhl-Taxi, das mich dorthin fährt.“ Das Problem: Die Rentnerin sagt, sie sei Sozialhilfeempfängerin, könne sich eine solche Reise ins benachbarte Niedersachsen nicht leisten.

Damit das Wiedersehen trotzdem klappt, hat das evangelische Johannes-Werk – zu der diakonischen Einrichtung mit Hauptsitz in Bielefeld gehört auch das Johannes-Haus am Herforder Wall – das Spenden-Projekt „Augenblick“ ins Leben gerufen. Es soll soziale Nähe auch über die eigenen Angebote hinaus fördern.

Bewohner können ihre ganz persönlichen Wünsche nach Gemeinschaft auf Karten schreiben. Diese „Augenblicke“ werden an Luftballons befestigt und rund um das Altenheim sichtbar und zum Mitnehmen aufgehängt – in der Hoffnung, dass sich Menschen finden, die diese Wünsche erfüllen.

Edda Bekemeier mit den Wunsch-Luftballons der Johannes-Haus-Bewohner. Sie hängen am Geländer vor dem Alten- und Pflegeheim. Foto: Moritz Winde

Spontan die Kinder besuchen, ein Tagesausflug mit Freunden oder eine Grill-Party: Was alltäglich und simpel klingt, kann im Alter zu einer echten Herausforderung werden. „Wir erleben, dass Bewohner oft kaum noch enge Kontakte haben – etwa weil Angehörige weit weg wohnen oder soziale Kontakte vor Ort älter und damit immobiler werden. Ein Problem, das durch Corona noch stärker zu Tage getreten ist. Aber soziale Nähe ist ein menschliches Grundbedürfnis, das unser seelisches Wohlbefinden fördert“, sagt Einrichtungsleiterin Edda Bekemeier.

Pastor Dr. Ingo Habenicht, Vorsitzender der Geschäftsführung des Johanneswerks, hofft, dass sich zahlreiche Helfer finden. Solche, die bereit sind, ehrenamtlich tätig zu werden und Zeit zu verschenken. Und solche, die als Geldgeber zur Finanzierung neuer, sozialer Angebote beitragen. „Um gemeinsam dafür einzutreten, Bewohner in Alten- und Pflegeheimen, aber auch Menschen, die ambulant zu Hause gepflegt werden, mehr soziale Nähe und Gemeinschaft zu ermöglichen.“

Für Monika Kuddes würde mit der Erfüllung ihres Wunsches ein Traum in Erfüllung gehen. „Ich telefoniere zwar jeden Tag mit meiner Schwester, aber ich möchte Gisela auch endlich mal wieder in den Arm nehmen können.“

Spendenkonto bei der Sparkasse Herford: DE 4549 4501 2000 0050 518

„Musik ist mein Leben“, sagt Christa Franzeck, passionierte Klavier- und Akkordeonspielerin. Die 91-Jährige würde gerne mal wieder eine Aufführung im Theater sehen – natürlich mit viel Musik. Foto: Moritz Winde
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