Altro Mondo ignoriert Beschwerden – Herforder Anwalt vertritt Bewohner

Immer Ärger mit dem Vermieter

Herford (WB). Defekte Fahrstühle, vermüllte Innenhöfe, verstopfte Rohre, ausgefallene Heizungen, horrende Nebenkostenabrechnungen: Seit drei Jahren schlägt sich Klaus Oehler mit dem Problemvermieter Altro Mondo herum. 50 Fälle liegen derzeit auf dem Schreibtisch des Juristen.

Moritz Winde

Weil der Aufzug in Haus Nummer 46 der »Lindwurm«-Wohnblocks an der Berliner Straße in Herford mehr als drei Monate nicht funktionierte, mussten die Einkäufe zu Fuß in die Wohnungen getragen werden. Die Mieter der Sozialbauten berichten immer wieder von Mängeln, die nicht zeitnah behoben werden. Foto: Moritz Winde

Der Rechtsanwalt arbeitet seit 25 Jahren für den Herforder Mieterverein und versucht die Interessen seiner Mitglieder durchzusetzen. »Eine solch systematische Abzocke wie bei Altro Mondo habe ich noch nicht erlebt. Das hat eine besondere Qualität. Traurig, dass auf dem Rücken der Schwachen Profit gemacht wird«, bedauert der 49-Jährige.

Die Wohnungsbaugesellschaft aus Ronnenberg bei Hannover »übernimmt Verantwortung für Wohnanlagen und Mehrfamilienhäuser in den Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz« – so steht es auf der Unternehmensseite im Internet. Wobei »Verantwortung« offenbar ein sehr dehnbarer Begriff ist.

Im Kreis Herford ist Altro Mondo für Sozialbauten in Spenge an der Arndtstraße und in Herford an der Berliner Straße (»Lindwurm«) zuständig. Bis vor Kurzem gehörten der Gesellschaft auch die Wohnblocks am Vlothoer Weserblick.

Fäkalien in der Badewanne

Die Liste der Mieter-Beschwerden ist lang. Klaus Oehler sagt, es gehe häufig um hohe Nachzahlungsforderungen – zum Teil bis zu 1500 Euro mehr als kalkuliert: »Diese explodierenden Rechnungen sind nicht nachvollziehbar. Es werden Positionen aufgeführt wie Müllmanagement oder Treppenhausreinigung, obwohl diese Arbeiten wohl gar nicht durchgeführt wurden. Wenn ich Belege anfordere, erhalte ich keine Antwort. Es bleibt bei bösen Briefen meinerseits. Das ist frustrierend.«

Der Rechtsanwalt empfiehlt seinen Mandanten, auf keinen Fall zu bezahlen. Auch die Bitte dieser Zeitung um Stellungnahme blieb von Altro Mondo ohne Reaktion.

Hohe Geldforderungen sind das Eine, mangelnde Instandhaltung der Immobilien das Andere: »Die Häuser werden vernachlässigt und die Mieter im Stich gelassen«, moniert Klaus Oehler.

»Lindwurm«-Mieter Torsten Wilke sagt: »Mehr als drei Monate war der Aufzug kaputt. Zigmal haben wir uns beschwert. Erst letzte Woche wurde der Fahrstuhl repariert.«

Zuletzt hatten die Stadtwerke Herford damit gedroht, im ganzen Block das Wasser abzustellen. Erst kurz vor Ende der Frist beglich Altro Mondo die ausstehenden Beträge.

Klaus Oehler berichtet von einem krassen Fall aus Spenge: »In einer Badewanne standen monatelang Fäkalien, weil das Abwasserrohr verstopft war. Niemand hat sich darum gekümmert.«

Was können Mieter tun, wenn der Vermieter seinen Pflichten nicht nachkommt? »15 Prozent Miete kürzen«, rät der Anwalt. Eine Klage sei ein mühsamer und mit finanziellem Aufwand verbundener Weg. Wem es wirklich zu bunt wird, dem bleibt nur der Auszug.

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