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Nach Vorstoß der Linken: »Die Knolle« bewirtet AfD nicht mehr – Mitarbeiter werden beschimpft

In der politischen Zwickmühle

Herford(HK). Mitarbeiter der »Knolle« werden bedroht, beleidigt und beschimpft. Hintergrund ist ein Streit zwischen Politikern der Parteien »Die Linke« und »Alternative für Deutschland« (AfD), der darin gipfelte, dass sich die AfD-Mitglieder ein anderes Stammtisch-Lokal suchen mussten.

Moritz Winde

Serviceleiterin Birgit Rabold und Betriebschef Michael Wendlinger hoffen, dass schnell Normalität einkehrt. Sie fühlen sich »wie in einer Zwickmühle«. Foto: Moritz Winde

Zuvor hatten die Linken ein Bewirtungsverbot gefordert. Jetzt hagelt es heftige Kritik: »Kommunisten-Schweine« – solche und ähnliche Beleidigungen müssen sich die Kellnerinnen nach eigenen Angaben am Telefon anhören – Absender unbekannt.

Auch E-Mails mit warnenden Inhalten seien schon im digitalen Posteingang aufgetaucht. Sogar Mafia-Vergleiche habe es gegeben.

Betriebsleiter versteht die Welt nicht mehr

Michael Wendlinger ist Betriebsleiter und Küchenchef des Kartoffelhauses im Rathauskeller, das seit jeher als Treffpunkt für Politiker jeder Couleur gilt. Er versteht die Welt nicht mehr. »Wir sind ungewollt zwischen die Fronten geraten. Dabei sind wir völlig unpolitisch und wollen nur unsere Arbeit machen. Wir sind Dienstleister. Grundsätzlich wird bei uns jeder Gast bedient – egal, welche Meinung er vertritt. Vorausgesetzt natürlich, sie ist legal.«

Der Streit sei entbrannt, nachdem die Partei »Die Linke« und andere Gruppen in einem offenen Brief auf ein Bewirtungsverbot der AfD in allen Herforder Lokalen gepocht hatten. Darin heißt es wörtlich: »Mit diesem Brief möchten wir zeigen, dass wir nicht damit einverstanden sind, der AfD Räume im Kreis Herford zu bieten. Wir fordern von Ihnen (»Die Knolle«, Anm. der Redaktion) und allen anderen Wirten, alle zukünftigen Anfragen der AfD abzulehnen.«

Mitarbeiter werden beschimpft

Dies hat die »Knolle« Ende vergangener Woche dann auch getan – sehr zum Ärger der AfD. Drei Monate hatte die AfD regelmäßig ihren Stammtisch in der »Knolle« abgehalten. Michael Wendlinger: »Die Service-Mitarbeiterin, die die Anfrage von der AfD seinerzeit entgegen genommen hat, wusste noch nicht einmal, dass es sich um eine Partei handelt.«

Der Betriebsleiter sagt, sie seien nicht erpressbar, aber: »Wir wussten nicht, was wir machen sollten. In dieser Situation ist nichts richtig. Das ist wie in einer Zwickmühle – ohne Ausweg.« Dem 47-Jährigen geht es vor allem darum, seine 35 Mitarbeiter zu schützen. Er habe kein Verständnis für die Verbal-Attacken. »Es kann nicht sein, dass eine junge Kollegin weinend vor mir steht, weil sie am Telefon fertig gemacht wurde.«

Umsätze gehen nach Aktion zurück

Es sind nicht nur die persönlichen Angriffe: Die Debatte, sagt Wendlinger, sei extrem geschäftsschädigend. »Der Umsatz ist um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Ganze Gruppen ziehen ihre Reservierungen zurück oder kommen einfach gar nicht.«

Sollte sich die Lage nicht beruhigen, könnte es sein, dass die »Knolle« sämtliche Parteien ausschließt. Michael Wendlinger: »Das wäre aber das allerletzte Mittel.«

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