1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Insolvenz bei „Kleine Fluchten“

  8. >

Herforder Reisebüro in der Radewig wird Opfer der Corona-Krise

Insolvenz bei „Kleine Fluchten“

Herford (WB/rec). Dem Reisekonzern TUI hilft der Staat mit Milliardenkrediten, den „Kleinen Fluchten“ in der Radewig hilft niemand. Dirk Husemann (57), Geschäftsführer des Reisebüros, hat jetzt Insolvenz angemeldet. Es ist das erste gewerbliche Corona-Opfer in der Datenbank des Amtsgerichtes.

Die Tür zum Reisebüro in der Radewiger Straße ist geschlossen. „Kleine Fluchten“ hat Insolvenz angemeldet. Foto:

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Bero-Alexander Lau aus Bielefeld wird in den kommenden Tagen prüfen, ob noch genug Masse vorhanden ist, um zurückgeforderte Provisionen und angezahlte Reisen zurück zu erstatten, soweit Ansprüche bestehen. Das Reisebüro ist geschlossen; am Telefon informiert eine freundliche Stimme über die zuletzt geänderten Öffnungszeiten und weist darauf hin, dass keine Nachricht hinterlassen werden kann.

Nur wenige Gutscheine

Dirk Husemann hätte auch erst einmal weiter arbeiten können, die gesetzliche Pflicht zur Insolvenzanmeldung ist noch bis September ausgesetzt. Ob es schon vor der Corona-Krise wirtschaftliche Probleme gab, konnte der Insolvenzverwalter am Montag nicht mitteilen – er war nicht in seiner Kanzlei erreichbar. Mit großem Spaß war die Arbeit seit Mitte März ohnehin nicht mehr verbunden. Inhaber von Reisebüros waren größtenteils damit beschäftigt, gebuchte Reisen zu stornieren und bereits überwiesene Provisionen zurückzuzahlen.

Daran änderte die Aufhebung der Reisewarnungen für 31 europäische Staaten am 15. Juni kaum etwas. Denn die Kunden wollten den Mitteilungen der Verbraucherzentrale Bielefeld-Herford zufolge ihre Reisen gar nicht mehr antreten und statt dessen ihr Geld zurück haben. Nur wenige ließen sich auf die von der Bundesregierung vorgeschlagene Gutschein-Lösung ein. Die aktuelle Reisewarnung für Spanien samt Mallorca bedeutet abermals einen Rückschlag für die Reisebüros. Außer der Soforthilfe gab es für sie bisher keinen Cent zusätzliche Hilfe. Der Deutsche Reiseverband geht davon aus, dass 60 Prozent der Reisebüros in Deutschland akut von einer Insolvenz bedroht sind.

Startseite