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Nach HK-Artikel: Unternehmer Heiner Wemhöner ermöglicht jungem Gehörlosen eine Ausbildung

„Jeder hat eine Chance verdient“

Herford (WB). Die Geschichte habe ihn sehr berührt, sagt Heiner Wemhöner und deutet auf den Zeitungsausschnitt. Das HERFORDER KREISBLATT hatte am 2. Oktober über die lange und vergebliche Ausbildungsplatzsuche des Gehörlosen David Bartlog berichtet. Nun gibt es ein Happy-End.

Moritz Winde

Rundgang mit dem Chef: Heiner Wemhöner zeigt David Bartlog die riesigen Werkshallen. Hier werden Maschinen für den Weltmarkt gebaut. Foto: Moritz Winde

Der international erfolgreiche Unternehmer war so bewegt von dem Schicksal des jungen Herforders, dass er unbedingt habe helfen wollen. „Jeder verdient doch eine Chance“, findet der 70-Jährige. Gemeinsam mit Personalchefin Bianca Kochsiek und Ausbildungsleiter Ulrich Köster entschied Heiner Wemhöner, den 20-Jährigen ins Boot zu holen. Vor einer Woche startete der Gehörlose seine Ausbildung zum technischen Produktdesigner.

Die Freude bei David Bartlog ist riesig. „Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Besser könnte es nicht laufen“, schwärmt er. Vorbei sind die frustrierenden Jahre, in denen sich Absage an Absage reihte. Mehr als 30 Bewerbungen hatte David Bartlog geschrieben – und immer wurde er enttäuscht.

„Will mich niemand, weil ich behindert bin?“

Die Frage, die ihn quälte: „Will mich niemand, weil ich behindert bin?“ Der Zeitungsbericht habe dann alles verändert. „Ich habe Angebote von mehreren Firmen bekommen. Diese Anerkennung tut richtig gut. Wie sich das anfühlt, gebraucht zu werden, hatte ich fast schon vergessen.“

Bei Wemhöner, eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer im Maschinen- und Anlagenbau, sind etwa zehn Prozent der 320 Mitarbeiter am Standort Herford Auszubildende in acht unterschiedlichen Berufen.

„Die Azubis sind bei uns von Anfang an ein selbstständiges Teammitglied und übernehmen eigenverantwortlich Aufgaben. Sie erhalten eine umfassende, fundierte und zukunftsorientierte Ausbildung auf höchstem Niveau“, sagt der Firmenchef – und schiebt hinterher, dass dies nicht uneigennützig sei. „Wir profitieren ja letztlich davon. Wer junge Leute nicht ausbildet, darf sich nicht über den Fachkräftemangel beschweren.“

Heiner Wemhöner stellt klar, die Schaffung von Ausbildungsplätzen sei zudem ein solidarischer Prozess und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch in Zeiten von Corona sollten Unternehmer zu dieser Verantwortung stehen. Der 70-Jährige kritisiert in diesem Zusammenhang die Politik. „Jahrelang wurde uns doch eingeredet, wer kein Abitur habe, der tauge nichts. Es kann aber doch nicht nur Akademiker geben. Wir brauchen auch Menschen, die mit ihren Händen arbeiten. Ich halte es für falsch, die Hauptschulen zu schließen.“

„Er wird seinen Weg machen. Da bin ich sicher!“

Die Behinderung des neuen Azubis spielt übrigens gar keine Rolle. „Ich habe ihn als freundlichen und kompetenten jungen Mann kennengelernt, der seinen Weg machen wird. Da bin ich mir sicher“, sagt Heiner Wemhöner, der mehrere Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps beschäftigt.

David Bartlog selbst freut sich, endlich eine Lehrstelle zu haben – „und dann noch bei einem solch renommierten Unternehmen. Dafür vielen lieben Dank!“

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