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Als Bürgermeister müsste Richard Adriaans alle Ortsteile gleich pflegen

Jenseits von Stedefreund

Herford (HK). Sobald Richard Adriaans (67) auf dem Stuhl des Bürgermeisters im Herforder Rathaus Platz nimmt, muss er sich um alle Stadtteile gleichermaßen kümmern. Er darf seinen Wohnort nicht einseitig bevorzugen, für den er mit dem Verein „Die StedeFreunde“ gegen ein neues Wohngebiet im Jammertal kämpft.

Stephan Rechlin

Richard Adriaans, Vorsitzender des Vereins „Die StedeFreunde“, möchte neuer Bürgermeister von Herford werden. Die ökologischen Prinzipien, die in Stedefreund gegen eine Neubausiedlung sprechen, würden in ganz Herford gelten. Foto: Stephan Rechlin

Doch damit hätte Richard Adriaans kein Problem. Sein politischer Einsatz für Stedefreund ist aus den Erkenntnissen zur Klimakrise heraus motiviert. Maßgeblich habe ihn ein Vortrag von Prof. Henning Austmann beeinflusst, der zwei Zukunftsszenarien entwirft: Entweder führen Katastrophen zu einer Abkehr vom immer weiter vorangetriebenen Wachstum oder aber ein selbst gestalteter und kontrollierter Wechsel. Adriaans möchte lieber selbst gestalten und kontrollieren, das sei er schon seinen drei Kindern und acht Enkeln schuldig. „Weitermachen, aber anders,” laute darum sein Wahlmotto. Und das gelte sowohl für Stedefreund als auch für ganz Herford.

Falsche Wohnverteilung

Aus dieser Philosphie heraus möchte Adriaans die Herforder Herausforderungen anpacken. Zum Beispiel die Wohnungsnot, die in Wirklichkeit nur eine falsche Wohnraumverteilung sei. Mit ihm als Bürgermeister würde eine Börse nach Hiddenhausener Vorbild eingerichtet: Jung kauft Alt. Das spare Rohstoffe und Energie für unnötige Neubauten.

Linienbusse würden wie andernorts auch mit Fahrrad-Anhängern ausgestattet. Bauingenieur Adriaans nehme seine Außentermine so weit es eben möglich sei, gerne mit Bus und Bahn wahr. Sein Spezialgebiet sind Flachdächer – bei deren ökologischem Potential wird Adriaans zum schwärmenden Propheten. Wäre er mit diesem Sendungsbewusstsein nicht besser bei den Grünen aufgehoben statt in der Liste 2004, für die er als Bürgermeister kandidiert. Adriaans schüttelt den Kopf: „Die Grünen haben sich im kommunalpolitischen Grabenkampf verloren. Sie stürzen sich auf Nebensächlichkeiten und verlieren die großen ökologischen Herausforderungen aus dem Auge.“ Außerdem sei sein ehemaliger Schulfreund, Liste 2004-Gründer Heinz-Günther Scheffer, ein ziemlich überzeugender Gesprächspartner.

Kein Gebäudeabriss

Zu den großen ökologischen Herausforderungen zählt Adriaans Materialerhalt. Völlig ausgeschlossen sei für ihn deshalb der vorgeschlagene Abriss der Sparkassen-Zentrale auf der Freiheit und der Neubau eines Parkhauses an dessen Stelle: „In dem noch gar nicht so alten Gebäude stecken doch jede Menge Energie und erhaltenswerte Bausubstanz. Mit einem Parkhaus für Autos würden wir außerdem ein völlig falsches verkehrspolitisches Signal setzen.“

Ebenso ausgeschlossen sei für ihn deshalb der Abriss von Schützenhalle und Theater samt Neubau eines OWL-Forums. Obwohl er großer Fan des Marta sei, lehne er solch eine Verschwendung von Material und eingesetzter Energie ab.

Adriaans predigt nicht nur, er lebt auch nach seinen Prinzipien. In Stedefreund bewohnt er ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus, das er nach ökologischen Zielvorgaben rundum saniert hat.

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