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Staatsanwalt wirft jungen Männern Gefangenenmeuterei und Sachbeschädigung vor

JVA-Ausreißer angeklagt

Herford (WB). Der Fall sorgte im Februar für Aufsehen: Zwei Insassen der JVA Herford hatten sich an Bettlaken über die Außenmauer des Gefängnisses abgeseilt. Das Duo konnte allerdings wenig später gefasst werden. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld Anklage erhoben.

Peter Schelberg

Im Februar waren zwei Insassen an Bettlaken über die Gefängnismauer geklettert. Foto: Moritz Winde

Den beiden jungen Männern wird Sachbeschädigung und Gefangenenmeuterei vorgeworfen. Beide wurden nach ihrem filmreifen Ausbruchsversuch inzwischen in andere Gefängnisse in Nordrhein-Westfalen verlegt. In Herford waren der 22-jährige Bielefelder und der 19 Jahre alte Mitinsasse seinerzeit wegen schweren Raubes inhaftiert – der Ältere seit Ende 2010, der Jüngere seit Mitte 2012. Ursprünglich sollten sie 2016 entlassen werden.

Die Angeklagten hatten am 24. Februar morgens in der Elektrowerkstatt der JVA gearbeitet und nutzten einen Moment der Unaufmerksamkeit der Aufsicht führenden Justizbeamten aus: Laut Anklage brachen sie das Fenster eines Abstellraums auf, dann sprangen sie durch die Öffnung in den Innenhof.

Zusammengeknotete Bettlaken

Mit zusammengeknoteten Bettlaken und anderen Stoffteilen gelang es ihnen, sich auf die fast sechs Meter hohe Außenmauer der JVA zu hangeln. Von dort aus seilten sie sich auf die Straße ab. Pech für die kreativen Ausreißer: »Sie wurden bereits eineinhalb Stunden später im Herforder Stadtgebiet wieder von der Polizei aufgegriffen«, berichtet Staatsanwalt Christoph Mackel, Pressedezernent der Staatsanwaltschaft Bielefeld.

Die Strafverfahren gegen die beiden Männer laufen getrennt: Der 22-Jährige aus Bielefeld muss sich demnächst vor dem Schöffengericht in Herford verantworten, sein 19-jährigen Komplize wird in Wuppertal angeklagt. Vom Ausgang der Verhandlungen hängt ab, ob die beiden Männer über die Freiheitsstrafe wegen schweren Raubes hinaus inhaftiert bleiben.

Sicherheitskonzept überarbeitet

Friedrich Waldmann, Leiter der JVA Herford, sagte gestern: »Wir haben die Hintergründe der Flucht zum Anlass genommen, unser Sicherheitskonzept zu überarbeiten.« Dabei sei auch festgestellt worden, dass Fenster nicht richtig eingebaut worden waren. Mögliche Schwachstellen seien nach dem Vorfall überprüft und beseitigt worden. »Eine solche Flucht hätten wir bis zu diesem Tag nicht für möglich gehalten«, räumte Waldmann ein: »Leider sind wir eines anderen belehrt worden.«

Neben den technischen Unzulänglichkeiten hätten Mitarbeiter nicht so aufgepasst, wie dies wünschenswert gewesen wäre: »Das haben wir dienstrechtlich aufgearbeitet.« Waldmann hat gegen vier JVA-Bedienstete Disziplinarverfahren eingeleitet, die bis auf eines abgeschlossen seien. In der Justizvollzugsanstalt Herford (236 Mitarbeiter) verbüßen zurzeit 255 Insassen eine Freiheitsstrafe.

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