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Nicht jedes Unternehmen kann die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung ohne weiteres umsetzen

Kein Homeoffice im Heizungsbau

Herford (WB).

Die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung liegt den Kammern und Betrieben noch nicht einmal vor, da arbeitet die Industrie- und Handelskammer (IHK) schon an einer Blitzumfrage zum Homeoffice. IHK-Geschäftsführer Harald Grefe sagt zum bisher erkennbaren Tenor: „Die Unternehmen gehen das Thema sehr aufgeschlossen an, stoßen aber auch an Grenzen.“

Stephan Rechlin

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Eine davon hat Andreas Wagner, Geschäftsführer von Rotpunkt-Küchen, am Montagabend in der WDR-Sendung Lokalzeit OWL erläutert. Weil es noch immer keinen ausreichenden Breitband-Anschluss in Bünde-Ahlen gebe, könne er gar nicht so viele Mitarbeiter ins Homeoffice schicken wie er gerne möchte: „Wir kranken an der unzureichenden Infrastruktur in unserer Region.“

Keine solche Schwierigkeiten hat die Vlothoer Firma Kannegiesser, die schon 2019 ihre gesamte Konferenztechnik umgestellt hat. Geschäftsführerin Tina Kannegiesser: „Dabei haben wir auch alle technischen Voraussetzungen installiert. Das hat uns in der Pandemie ungeheuer geholfen.“ Die Verwaltungsmitarbeiter wechselten sich im Homeoffice ab. Wer in seinem Einzelbüro im Unternehmen arbeite, trage eine FFP2-Maske.

Von den 618 Mitarbeitern der Volksbank Herford-Mindener Land haben bereits 80 Bankberater in der Vor-Corona-Zeit von zu Hause aus gearbeitet. Vorstandsmitglied Peter Scherf: „Wir haben in den vergangenen Monaten 200 weitere Personen in die Lage versetzt, dass sie nicht in den Räumlichkeiten einer Bankfiliale arbeiten müssen, sondern über einen mobilen Arbeitsplatz verfügen.“ Marion Vaal von der Sparkasse Herford teilt mit: „Unsere Sparkasse bietet bereits seit einigen Jahren für bestimmte Tätigkeiten die Möglichkeit von Homeoffice an - zum Beispiel um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen - und hat damit gute Erfahrungen gemacht.“ In Zeiten von Corona sei dieses Angebot deutlich ausgeweitet worden: „Rund 300 Mitarbeiter, das sind etwa 35 Prozent, haben aktuell die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.“

Beim Herforder Modeunternehmen Bugatti stehe die Gesundheit der Mitarbeiter im Mittelpunkt, doch Sprecherin Tanja Bobel zeigt ebenfalls Grenzen auf: „Unsere Mitarbeiter arbeiten schon seit Beginn der Pandemie im Homeoffice, soweit das möglich und sinnvoll ist. In den Bereichen Produktion und Distribution ist Homeoffice aber nicht anwendbar. Interne und externe Besprechungen finden wenn möglich virtuell statt. Unsere IT hat gute Voraussetzungen für das Homeoffice schaffen können.“

Über die jüngsten Vorgaben muss Thomas Brinkmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, etwas schmunzeln: „Wie soll ein Trockenbauer, wie sollen Heizungsbauer, Maler, Fliesenleger, Elektriker die Homeoffice-Auflagen umsetzen?“ Handwerksunternehmen arbeiteten vor Ort bei den Kunden und setzten dabei auch ihre Hände ein. Nicht einmal in der Ausbildung oder in den meist mit wenigen Mitarbeitern besetzten Büros sei Homeoffice ohne weiteres möglich. Brinkmann: „Die Monteure kehren mit vom Kunden unterzeichneten Reparatur- und Montageberichten und ihren Stundenzetteln zurück. Auf dieser Basis werden Einsatzpläne erstellt und Rechnungen geschrieben. Dieses Material hat niemand zu Hause.“

Was in den Haushalten oder auf größere Baustellen passiere, ob Abstände und die Maskenpflicht eingehalten werden, könne die Kreishandwerkerschaft nicht kontrollieren. Thomas Brinkmann geht jedoch davon aus, dass sich die Handwerker schon aus vitalstem Eigeninteresse daran hielten: „Seit März hat es keine nennenswerten Infektionsfälle in Handwerksfirmen gegeben. Darauf sind wir stolz.“

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