1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. „Keine schweren Nebenwirkungen“

  8. >

Mit welchen Risiken ist die Corona-Impfung verbunden? Internist Marco Kauling nimmt Stellung

„Keine schweren Nebenwirkungen“

Herford

Die Mobilen Impfteams rücken wahrscheinlich schon nach Weihnachten aus, um ältere Menschen und Pflegekräfte vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen. Angesichts der näher rückenden Spritze wachsen jedoch Zweifel, ob der Impfstoff sicher und verträglich ist. Marco Kauling, Notarzt und Mitglied der Krisenstäbe im Klinikum Herford und im Kreishaus, nimmt im Interview mit Stephan Rechlin zu den Einwänden Stellung.

wn

In den bisherigen Zulassungsstudien zu Covid-19-Impfungen sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen dokumentiert. Notarzt Marco Kauling empfiehlt dringend, sich impfen zu lassen. Foto: Julian Stratenschulte

Welches Risiko gehe ich mit der Impfung gegen das Corona-Virus ein?

Marco Kauling, Internist in der Zentralen Notaufnahme des Kreisklinikums. Foto: Monika Bax

Marco Kauling: Ein Risiko, dass Sie mit jeder Impfung eingehen. Die berühmte inhärente Sicherheit, also der Ausschluss jedes möglichen Risikos schon an der Quelle, gibt es nicht. In den bisherigen Zulassungsstudien sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen dokumentiert. Als Impfreaktionen sind typische Anzeichen wie Müdigkeit, Fieber, Abgeschlagenheit oder Schmerzen an der Einstichstelle beschrieben. Nur durch eine Impfung haben wir die Möglichkeit, einen schweren Erkrankungsverlauf zu verhindern und andererseits die Pandemie wirksam einzudämmen. Die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung sind deutlich geringer als das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19.

Können Sie diese Erfahrungswerte einfach so auf den Corona-Impfstoff übertragen? Ein mRNA-Impfstoff, also eine Nukleinsäure, ist doch noch nie als Impfstoff eingesetzt worden.

Kauling: Das stimmt. Doch ich gehe fest davon aus, dass die Zulassungsbehörden, dass das Paul-Ehrlich- und das Robert-Koch-Institut den Impfstoff auch aus diesem Grund besonders intensiv und gründlich geprüft haben. Sonst würden wir jetzt nicht darüber sprechen können.

Bei anderen Impfstoffen zieht sich eine Zulassung über Jahre hin. Diesmal gelingt es innerhalb weniger Monate. Weckt das nicht Ihre Skepsis?

Kauling: Bei anderen, herkömmlichen Impfstoffen herrschte ja auch kein solcher Zeitdruck. Schauen Sie sich die täglichen Sterberaten an. Wir haben bisher keine wirksame Therapie, um schwer am Virus erkrankte Menschen zu schützen. Mich erinnert das an die Entwicklung und Zulassung des Ebola-Impfstoffes, um ein Massensterben auf dem afrikanischen Kontinent zu verhindern. Die einzelnen Entwicklungsschritte wurden nicht nacheinander, sondern parallel durchgeführt, um schneller zu einem Ergebnis zu kommen, um Menschen zu retten. So ist es diesmal auch.

Nicht nur im Internet, auch unter Mitarbeitern im Gesundheitswesen kursiert die Furcht vor Nebenwirkungen, von Autoimmunreaktionen bis hin zur Beeinflussung genetischen Materials…

Kauling: Der Vorteil eines mRNA-Impfstoffes ist, dass in relativ kurzer Zeit eine große Anzahl an Impfdosen hergestellt werden können. Autoimmunreaktionen wie gerötete Stellen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen oder leichtes Fieber nach der Impfung können immer mal auftreten. Anders als in den siebziger und achtziger Jahren aber können wir diesmal innerhalb weniger Stunden oder Minuten alarmiert werden, falls irgendwo auf der Welt gravierende Nebenwirkungen auftreten. Sollte es in den USA oder England zu größeren Komplikationen kommen, würden wir umgehend informiert.

Der Impfstoff soll bei minus 70 Grad angeliefert und anschließend weiter gekühlt werden. Steht in einer ehemaligen Küchenfabrik in Enger die dafür erforderliche Technik überhaupt zur Verfügung?

Kauling: Die logistischen Fragen zu Transport und Kühlung sind durch das Land geklärt. Die Krankenhäuser werden direkt mit einem Impfstoff beliefert. Wir erhalten den Impfstoff bei einer Transport- und Lagertemperatur von zwei bis acht Grad und müssen ihn innerhalb von fünf Tagen verbrauchen. Bevor der Impfstoff appliziert werden kann, wird er mit einer Kochsalzlösung vermischt und muss dann innerhalb von sechs Stunden verabreicht werden.

Abschlussfrage mit einem tiefen Blick in die Augen: Würden Sie Ihrer Frau und Ihren Kindern empfehlen, sich gegen das Corona-Virus impfen zu lassen?

Kauling: Meine Frau und ich werden uns in jedem Fall impfen lassen. Wer die schweren Verläufe der Krankheit gesehen hat, muss nicht lange darüber nachdenken.

Startseite
ANZEIGE