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Nach Großrazzia steht Herforder (32) vor Gericht – Zum Prozessauftakt verliest Verteidigung Gegenerklärung

Kiloweise mit Kokain gehandelt?

Herford (WB). Hat er kiloweise mit Kokain, Marihuana und Amphetaminen gehandelt oder fußt die Anklage auf der falschen Auslegung von Chatverläufen? Vor der Großen Strafkammer am Landgericht Bielefeld hat am Dienstag der Prozess gegen einen 32 Jahren alten Herforder begonnen.

Bernd Bexte

Lockhauser Straße, 28. November 2019: Bei der groß angelegten Razzia wurde auch hier ein Haus durchsucht.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist er der Haupttäter in einem umfangreichen Ermittlungskomplex zum Drogenhandel in der Region. Bis zum 4. November sind zehn weitere Termine angesetzt.

Wie berichtet, hatten Spezialeinsatzkräfte der Polizei am Morgen des 28. November vergangenen Jahres gut ein Dutzend Häuser und Wohnungen in den Kreisen Herford und Lippe gestürmt . Drei Männer wurden nach der Razzia wegen des Verdachts des Drogenhandels mit nicht geringen Mengen in Untersuchungshaft geschickt. Der Mann aus Herford sitzt seit neun Monaten in der JVA Detmold ein.

Marihuanaplantage im Kaiser-Center

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Spross einer kurdischen Familie vor, seit vielen Jahren unter wechselnder Beteiligung diverser Geschäftspartner einen schwunghaften Handel mit Marihuana, Kokain und Amphetaminen im Kilogrammbereich betrieben zu haben. Damit habe er seinen Lebensunterhalt – er soll ebenfalls Drogen konsumiert haben – und diverse Immobilien finanzieren wollen, heißt es in der Anklageschrift.

Zwischen dem 30. Juli 2018 und dem Tag der Razzia soll er in Bünde, Löhne und Herford bei 18 Gelegenheiten teilweise mit gesondert verfolgten Mittätern insgesamt 10,25 Kilo Kokain, mehr als 30 Kilo Marihuana und 1,5 Kilo Amphetamine verkauft haben.

Darüber hinaus soll er mit Komplizen im Löhner Kaiser-Center eine Marihuanaplantage betrieben und dort ein knappes Kilogramm Marihuana geerntet und Setzlinge und Samen für eine Ernte von 1,5 bis zu 2 Tonnen vorrätig gehalten haben. Im April 2019 hatte die Polizei das Sport- und Freizeitzentrum gestürmt und dort eine professionelle Drogenplantage entdeckt – mit angeblich mehr als 1000 Pflanztöpfen auf dem Dachboden und im Keller.

Chatverläufe ausgewertet

Zum Prozessauftakt äußerte sich der Herforder nicht zu den Vorwürfen. Stattdessen verlasen seine Anwälte Frank Zindler (Berlin) und Daniel Scheibner (Hamburg) eine 15-seitige Gegenerklärung, in der sie die nach ihrer Auffassung erheblichen Schwachstellen der Anklage auflisteten. So handele es sich nach Ansicht der Verteidigung bei den angeklagten Drogenmengen um reine Schätzungen und Hochrechnungen aufgrund der Auslegung ausgewerteter Chatverläufe. Tatsächlich seien lediglich Kleinstmengen sichergestellt worden.

In dem Gesamtkomplex sind weitere Verfahren anhängig . Unter anderem hatte das Landgericht Bielefeld Ende Juni einen 33 Jahre alten Bünder zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wegen des Handels mit Betäubungsmitteln und der Beihilfe zum bandenmäßigen Handel verurteilt.

Er wurde auch wegen der Drogenplantage im Löhner Kaisercenter verurteilt. Der Bünder, der aus der ehemaligen Sowjetunion stammt und selbst drogenabhängig war, hatte durch einen Gelegenheitsjob in einer Shisha-Bar im Kaisercenter Zugang zu Nebenräumen. So sorgte er dafür, dass dort Hanfpflanzen angebaut werden konnten. Das Urteil gegen ihn ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Eine Revision steht noch aus.

Der Prozess gegen den Herforder wird am Donnerstag fortgesetzt (9 Uhr).

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