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Herforder Shanty-Rockern fehlt noch ein Chorleiter

Kliffkieker arbeiten an Comeback

Herford (WB).Es wäre das Comeback des Jahres: Die Kliffkieker wollen zurück auf die Bühne. »Ja, es gibt konkrete Überlegungen. Wir wollen wiederkommen«, bestätigt Kevin Kelly entsprechende Informationen dieser Zeitung.

Moritz Winde

Die Kliffkieker – hier bei einem ihrer letzten Auftritte. Foto: Thomas Meyer

Der gebürtige Brite spielt beim Wiederaufbau des Shanty-Rockchores eine entscheidende Rolle. Bei der Hauptversammlung – die Sitzung ist für Anfang des Jahres anberaumt – könnte der 71-Jährige zum ersten Vorsitzenden gewählt werden. »Ich wäre dazu bereit«, sagt er.

Die Kliffkieker hatten sich Anfang September aufgelöst – nach mehr als 20 Jahren, in denen sie sich eine große Fanschar aufgebaut hatten. Der Grund: »Wir haben in den vergangenen Monaten in mehreren Sitzungen mehrfach versucht, einen neuen Vorstand zusammenzustellen. Das hat aber nicht funktioniert. Und wenn man einen Verein hat, aber keinen Vorstand, dann bleibt einem leider nichts anderes übrig, als den Verein aufzulösen«, hatte damals der stellvertretende Vorsitzende Peter Zutter gesagt.

Schon 25 feste Zusagen

Nun zeichnet sich ein Turnaround ab: »Wir haben in den vergangenen Wochen oft zusammengesessen. Es gibt so viele Ideen. Das Interesse bei etlichen Mitgliedern ist da, den Chor wiederzubeleben. Schon jetzt habe ich 25 feste Zusagen«, sagt Kevin Kelly, der seit 2003 an Bord ist. Die Kliffkieker waren im Dezember 1997 von 14 Mitgliedern gegründet worden, die sich vom Shanty-Chor der Marinekameradschaft Herford getrennt hatten.

Es gibt allerdings ein Problem, das dem Rücktritt vom Rücktritt derzeit im Wege steht: Noch fehlt den Seebären ein musikalischer Leiter, um wieder in See stechen zu können. Zuletzt hatte Dirk Martin den Chor geleitet, der bei seinen Konzerten stets von der Sailor-Band unterstützt wurde.

Kevin Kelly ist aber optimistisch, auch dieses fehlende Puzzleteil zu finden. Auf der Suche sei man sehr aktiv und kreativ. Zudem fehlten noch einige Stimmen – so zum Beispiel 1. Tenor und 2. Bass.

Mehr »Altmodisches mit Pep«

Neue Sänger sollen unter anderem durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit gefunden werden. »Wir wollen auch gezielt in die Schulen reingehen. Klar ist, dass wir dringend frisches Blut brauchen«, betont der 71-Jährige. In der Kliffkieker-Hochzeit vor zwei Jahren sei der Chor 45-Mann stark gewesen. Durch Tod und Krankheit habe man allerdings viele Kameraden verloren. Denkbar sei deshalb auch eine Kooperation mit einer anderen Singgemeinschaft.

Und noch eine Veränderung steht an: Zwar soll der rockige Weg weiter verfolgt werden, doch ins Programm sollen auch wieder stärker traditionelle, leicht arrangierte Lieder aufgenommen werden – »Altmodisches mit Pep«, nennt es Kevin Kelly.

Wann werden die neuen Kliffkieker zum ersten Mal auftreten? »Das ist noch nicht ganz klar. Vielleicht aber sogar vor Weihnachten«, kündigt der designierte Vorsitzende an. Das wäre für die Fans wohl das größte Geschenk.

Kommentar von Moritz Winde

Vor gut einem Monat schien alles vorbei zu sein. Die mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte der Kliffkieker sollte tatsächlich zu Ende sein.

Die Nachricht hatte bei der großen Fanschar für Trauer und Entsetzen gesorgt. Die Shanty-Rocker hatten es geschafft, mit Seemannsliedern neue Hörerkreise zu gewinnen. Ihre Konzerte im Theater waren (fast) immer ausverkauft – in der Weihnachtszeit sogar zweimal hintereinander. Das ist eine große Leistung.

Was immer auch zur Auflösung des Chores geführt haben mag: Jetzt ist es Zeit, neue Ufer anzusteuern. Mit Kevin Kelly hätte der Verein einen erfahrenen Kapitän, dem zuzutrauen ist, den Kahn wieder fit zu machen. Herford ohne die Kliffkieker – das ist wie Bratwurst ohne Senf.

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