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Nils Hommel macht mit seiner „Lichtsirene“ auf die Situation der Kultur aufmerksam

Kunst leuchtet in dunklen Zeiten

Herford (WB). Sein „Kunsthaus“ an der Mindener Straße sorgte im vergangenen Jahr für reichlich Furore. Jetzt meldet sich Nils Hommel mit einer großen Installation zurück. Zu sehen ist seine „Lichtsirene“ auf einem Flachdach an der Goebenstraße.

Hartmut Horstmann

Die „Lichtsirene“ auf einem Dach an der Berliner Friedrichstraße: Jetzt ist die Installation des Künstlers Nils Hommel in Herford zu sehen. Der Einzelhändler Wolfgang Ueckermann hat das Flachdach eines Gebäudes an der Goebenstraße zur Verfügung gestellt. Foto: Nils Hommel

Sirene als Symbol der Bedrohlichkeit

Was in Berlin gut funktioniert hat, soll auch den Herfordern nicht vorenthalten werden. Auf diese Formel lässt sich die Aktion bringen, die an der Berliner Friedrichstraße ihren Anfang nahm. Die etwa vier Meter hohe Arbeit aus Stahl und Aluminium war auf einem Dach unweit vom Checkpoint Charlie installiert worden.

Das LED-Licht im Innern lässt die Konstruktion erleuchten – als Inspirationsquelle nennt Nils Hommel die alten Feuerwehrsirenen, die früher auf Dächern von Häusern angebracht waren.

Ging der Alarm los, dann mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke für denjenigen, der in der Nähe wohnte. Der 39-Jährige erinnert sich daran, wie er als Kind zu diesen Sirenen auf den Gebäuden hochgeschaut hat. Die damalige Angst, dass ein Alarm ausgelöst werden könnte, schwingt bei ihm noch heute mit – und so ist daraus ein Symbol der Bedrohlichkeit entstanden.

Der Wind pustet hindurch

Und hiermit ist der Herforder bei seiner Situation als Künstler in Coronazeiten angelangt. Hommel versteht die ohne Lautstärke auskommende Lichtsirene als „stillen Alarm“, der auf die aktuellen Probleme der Kultur hinweise. Dabei betrachtet er seine Arbeit vor allem als ein Licht der Hoffnung. Weht ein mehr oder weniger scharfer Wind, bewegen sich Drahtaufbau samt Beleuchtung.

Doch gerade die Fragilität sorgt auch dafür, dass die Arbeit allen Stürmen trotzt. Der Wind pustet hindurch – die Kunst erweist sich als widerstandsfähig.

Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Projektes in Herford hat der Verein Kulturbeutel. Vorsitzender Roger Oldemeier nahm Kontakt zum Einzelhändler Wolfgang Ueckermann auf, der das Flachdach eines Gebäudes an der Goebenstraße zur Verfügung stellte. Die Zusammenarbeit mit Herrn Ueckermann sei ungewöhnlich unkompliziert, schwärmt Hommel.

Weitere Standorte sind in Planung

In den Abendstunden wird die von der Hansabrücke aus gut zu sehende Installation erleuchtet. Wegen ihrer Konturen fühlen sich manche Betrachter an einen Pilzkopf erinnert – ein Licht-Eindruck, der bei seiner ersten Station in Berlin offenbar auf großes Interesse gestoßen ist. So sei geplant, die Arbeit ein zweites Mal in der Hauptstadt zu zeigen, sagt der Künstler. Auch ein Standort in Bielefeld sei vorgesehen.

Auf dem Ueckermann-Dach wird die Lichtsirene mindestens zwei Wochen bleiben – als Zeichen, dass es auch in Herford mit der Kultur weitergehen soll und wird. Als Künstler kennt Hommel die mit Corona verbundenen Einschnitte aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr hatte er der Öffentlichkeit das von ihm umgestaltete Haus seiner Großeltern an der Mindener Straße vorgestellt.

Das begehbare Kunstwerk verschaffte ihm viel Aufmerksamkeit – bis Corona die Möglichkeit von Gästeführungen ausschloss beziehungsweise einschränkte. „Die ganze Arbeit ist abgestoppt“, sagt der Künstler. Einige Fotoarbeiten sind seitdem entstanden – und die Lichtsirene als leuchtendes Zeichen kulturellen Überlebens.

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