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Herforder Friseurmeisterin hat bisher nur 440 Euro erhalten – bundesweite Aktion soll dramatische Lage verdeutlichen

Langes Warten auf die Corona-Hilfen

Herford (WB)

Beim Blick aufs Geschäftskonto wird Heike Piniek ganz schwindelig. Hohe Ausgaben – keine Einnahmen: Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann. Die Friseurmeisterin sagt: „Wenn nicht schnell etwas passiert, dann gehen wir pleite.“

Moritz Winde

„Ich bin eine Kämpferin“, sagt Heike Piniek. Die Friseurmeisterin beteiligt sich an der bundesweiten Aktion „Licht an“. Foto: Moritz Winde

Die Stimmung im „House of Hair & Beauty“ ist genauso mies wie das Wetter. In einem der ältesten Salons Herfords – das Geschäft an der Berliner Straße besteht seit 52 Jahren – herrscht gähnende Leere. Dort, wo sonst geplaudert, gelacht und natürlich frisiert wird, macht sich eine unwirkliche Stille breit. Diese wird nur ab und an vom Läuten des Telefons unterbrochen. Meist sind es Leute, die nach einem Termin fragen.

„Die Kunden denken weiter an uns. Das tut sehr gut“, sagt Heike Piniek. Um so mehr zerreiße es ihr das Herz, seit Mitte Dezember sämtliche Anfragen ablehnen zu müssen. Von denen gibt es eine ganze Menge. Mittlerweile füllt die Namensliste vier DIN-A4-Seiten. Es seien sicher zwischen 50 und 60 Kunden, sagt die 54-Jährige.

Heike Piniek gehört sozusagen zum Inventar. Seit 29 Jahren arbeitet sie im „House of Hair & Beauty“, seit 2010 ist sie Geschäftsführerin. Na klar habe es immer mal wieder Höhen und Tiefen gegeben. So dicht vor dem Abgrund wie in der Corona-Pandemie habe das Geschäft mit seinen neun Angestellten (eine Auszubildende) aber noch nie gestanden.

„Ich habe Angst, dass wir es finanziell nicht schaffen werden.“ Der Bundesverband befürchtet eine Insolvenzwelle, bis zu 30 Prozent der etwa 80.000 Betriebe in Deutschland könnten auf der Strecke bleiben.

Um auf die dramatische Situation aufmerksam zu machen, beteiligt sich der Friseur- und Kosmetiksalon in der Innenstadt an der bundesweiten Aktion „Licht an“. Vom 31. Januar auf den 1. Februar wollen die Friseurläden statt der sonst üblichen Notlämpchen ihr Inneres hell beleuchten. Die Botschaft dieses Notrufs: „Wir kämpfen um unsere Existenz und wollen arbeiten.“

Heike Piniek sagt zwar, sie sei eine Kämpferin. Doch was nützt der größte Kampfeswille, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen? Von den versprochenen staatlichen Überbrückungshilfen – sie sollten schnell und unbürokratisch fließen – ist an der Berliner Straße noch nicht viel angekommen. „Ich habe bisher 440 Euro erhalten“, sagt die 54-Jährige.

Leasing-Raten, Miete, Steuern – all diese monatlichen Abgaben liefen ja weiter. Mittlerweile sei ein Loch in Höhe von 10.000 Euro entstanden. „Wenn das Monate so weitergeht, sind unsere Handwerker buchstäblich verdurstet“, hatte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands, bereits Anfang des Jahres gesagt.

Wann wird die Expertin für Haarverlängerungen und Zweithaare endlich wieder ihren Traumberuf ausüben dürfen? Heike Piniek zuckt resignierend mit den Schultern. „Ich hoffe auf den Februar“, sagt sie. Allein der Glaube fehltihr.

Das House of Hair & Beauty“ an der Berliner Straße hat nach eigenen Angaben bisher kaum staatliche Hilfen erhalten. Foto: Moritz Winde
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