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Nicolas Tscheche muss seit Mitte Dezember sein Geschäft in Herford geschlossen halten

Lockdown aus Sicht eines Schuhhändlers

Herford (WB)

Seit Mitte Dezember hat das Schuhgeschäft Tscheche in der Bäckerstraße coronabedingt geschlossen. Was das für das Unternehmen bedeutet, hat Inhaber Nicolas Tscheche jetzt in einer Stellungnahme deutlich gemacht.

Ralf Meistes

Nicolas Tscheche vom gleichnamigen Schuhhaus in der Bäckerstraße meint, dass vor allem Unternehmer und Selbstständige in der Corona-Krise sehr alleine gelassen werden. Foto: Moritz Winde

„Um unsere Situation möglichst plastisch darzustellen, konstruieren wir ein Beispiel“, schreibt Tscheche. Und weiter: „Wir nehmen ein Unternehmen des innerstädtischen Einzelhandels mit einem Jahresumsatz von einer Million Euro an, sowie einem seit Jahren konstanten Onlinegeschäft von fünf Prozent dieses Umsatzes, also 50.000 Euro.“ Aufgrund behördlicher Anordnung ist dieses Geschäft seit dem 16. Dezember geschlossen.

Die perspektivische Wiedereröffnung wurde Mitte bis Ende Januar in Aussicht gestellt. Mittlerweile schreibe man Februar, eine Wiedereröffnung vor Mitte März scheint irrational. „Das Unternehmen wurde also für einen Zeitraum von mindestens 25 Prozent des Jahres geschlossen. Unbeachtet von saisonalen Umsatzschwankungen beträgt der Umsatzausfall also 237.500 Euro“, rechnet der Inhaber des Schuhhauses vor. Der Onlineumsatz kletterte in diesem Zeitraum von 5 Prozent auf 100 Prozent des Gesamtumsatzes.

Allerdings werde nicht wie bisher konsumiert, da nicht jeder Kunde des Unternehmens online kaufen möchte. Zudem lasse sich das Sortiment aufgrund von zwei Hauptfaktoren nicht komplett online darstellen: Die Hardware, die notwendig wäre, die unternehmenstypischen Artikel online zu stellen, kostet laut Tscheche einen mittleren fünfstelligen Betrag. Die Software, die ebenfalls dafür notwendig wäre, sei nur bedingt verfügbar und koste einen ähnlichen Betrag. In Zeiten enger Liquidität und mit relativ wenig Aussicht auf eine Rendite am Jahresende sei eine Investition in dieser Größenordnung nur schwer darstellbar.

Aus diesem Grund betrage der Onlineumsatz zwar 100 Prozent vom Ganzen, allerdings mache dieser nur etwa 10.000 Euro im Monat (vor Retouren) aus. „Dass das nicht zum dauerhaften Überleben des Unternehmens reicht, ist wohl nachvollziehbar“, schreibt Tscheche. Hinzu kämen die üblichen Kosten für die Onlineplattformbetreiber, die Retouren, die Versanddienstleister und die Verpackung. Faktisch verliere das Unternehmen bei dieser Situation pro erzieltem Euro Umsatz 30 bis 50 Cent.

„Dieses Beispiel soll die Situation einmal verdeutlichen“, so Tscheche. Natürlich stehe für sein Unternehmen der Schutz der Mitmenschen „und auch unser eigener Schutz“ an erster Stelle. Auf ein Weitermachen wie vor der Pandemie könne niemand hoffen, und vielleicht sei dies auch gar nicht möglich.

Allerdings werden momentan vor allem Unternehmer und Selbstständige sehr alleine gelassen. Sie werden daran gehindert, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten und fallen in der Regel aus dem sozialen Vorsorgeraster. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, nicht erst mit einem Zeithorizont von 6 bis 12 Monaten.“

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