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Prozess gegen 29-Jährigen in Herford vertagt – Opfer (42) auf Rollator angewiesen

Mann fährt Freund mit Auto an

Herford (WB). War es ein tragisches Versehen oder böse Absicht? Mit einem kniffligen Fall muss sich seit Dienstag das Amtsgericht beschäftigen.

Moritz Winde

Vor dem Alanya-Grill an der Engerstraße ereignete sich im Dezember 2015 der folgenschwere Zusammenstoß. Foto: Moritz Winde

Ein 29-jähriger ist wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Herforder soll einen 42-Jährigen mit einem Auto angefahren haben – und zwar vorsätzlich. Das Problem: Keiner der Beteiligten kann oder will sich so recht erinnern.

Und als sich im Zeugenstand zur allgemeinen Verwunderung die Unfall-Verletzungen des Opfers als sehr viel schlimmer herausstellten als in der Akte dokumentiert, vertagte Richterin Alea Blöbaum die Verhandlung. Jetzt muss in diesem Fall nachermittelt werden.

Was war am 16. Dezember 2015 vor dem Alanya-Grill an der Engerstraße passiert? Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ist die Sache klar: Nachdem etwa ein halbes Dutzend Männer den ganzen Abend über im Lokal gezecht hatte, gerieten zwei von ihnen in Streit. Der Auslöser blieb gestern im Dunkeln. »Du wirst schon sehen, was gleich passiert«, soll der Angeklagte seinem Widersacher gedroht haben.

Mit quietschenden Reifen und starker Beschleunigung

Auf dem Bürgersteig fand die bis dahin verbale Auseinandersetzung gegen 0.20 Uhr ihren folgenschweren, blutigen Höhepunkt. Der 29-Jährige – er hatte zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholwert von etwa zwei Promille – soll in einen Renault Twingo gestiegen, ein Stück rückwärts gefahren und dann mit quietschenden Reifen und starker Beschleunigung auf seinen Gegner zugesteuert sein. Es kam zum Zusammenstoß. Der 42-Jährige wurde über die Motorhaube auf den Asphalt geschleudert.

Über seinen Verteidiger Dr. Carsten Ernst ließ der Angeklagte eine Erklärung abgeben – und räumte die Vorwürfe weitgehend ein. Man habe den ganzen Abend über »Quatsch mit dem Auto gemacht«, sagte der Anwalt und meinte damit waghalsige Manöver. Irgendwann sei der Alkoholpegel höher geworden und die Dummheiten größer. »Er wollte seinen Freund aber nicht anfahren, er konnte nur nicht mehr rechtzeitig bremsen. Das Ganze tut ihm sehr leid. Die beiden haben sich ausgesprochen.«

Der Geschädigte, der als Nebenkläger auftrag, gab an, sich an jenen Abend kaum erinnern zu können. Er leide jedoch noch heute unter den Folgen der Kollision und sei seitdem auf einen Rollator angewiesen. »Ich kann nicht richtig laufen und nicht richtig sitzen«, sagte der 42-Jährige. Er habe schwere Beckenbrüche sowie eine Kniefraktur erlitten. Merkwürdig: Das Mathilden-Hospital hatte damals ambulant lediglich ein paar Schürfwunden bei ihm festgestellt. Richterin Alea Blöbaum: »Wie passt das zusammen? Das ist ein komplett anderer Sachverhalt. Wir müssen die Sache aufklären!«

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