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Gericht verhängt Bewährungsstrafe gegen 24-Jährigen – ominöse Tatumstände

Mann wegen Pferdediebstahls verurteilt

Herford (WB). Die Aufregung in der Reiterszene war groß, nachdem im März vergangenen Jahres zunächst drei Pferde von einem Hof in Hiddenhausen verschwunden waren und wenig später aus einem Stall in Herford-Falkendiek zwei Tiere gestohlen worden sind. Für den letztgenannten Fall musste sich jetzt ein 24-jähriger Mann vor dem Amtsgericht Herford verantworten.

Ralf Meistes

Wallach Kalle wurde im April vergangenen Jahres aus einem Stall in Falkendiek gestohlen und tauchte einige Tage später auf einem Hof in Polen wieder auf.

Während der Angeklagte die Tat bestritt, verurteilte das Gericht den 24-Jährigen aufgrund der Indizienlage und von Zeugenaussagen zu einer Freiheitsstraße von acht Monaten zur Bewährung. Denn neben dem Diebstahl der Pferde war er zugleich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt, so dass sich das Strafmaß aus beiden Taten ergab.

Reiterszene gut vernetzt

In der Nacht vom 12. auf den 13. April 2019 waren die beiden Reitpferde „Kalle“ und „Sammy“ aus dem Laufstall am Bredenhof in Falkendiek verschwunden. Die gut vernetzte Reiterszene tauschte sich darauf hin in den sozialen Medien wie Facebook miteinander aus und irgendwann tauchte der Name einer Familie in Hiddenhausen auf. Die Umstände, die zu der Adresse führten, klangen ominös. Noch rätselhafter war, was sich dann abgespielt hat.

Die Besitzerin eines der gestohlenen Pferde hatte sich mit einer Frau aus Hiddenhausen getroffen. Diese entpuppte sich als Mutter des 24-Jährigen. Die Zeugin gab an, dass die Hiddenhauserin zunächst nicht wirklich mit der Sprache herausrücken wollte, was mit den Tieren geschehen sei. Als sie dann eine Belohnung von 1000 Euro angeboten habe, sei ihr mitgeteilt worden, dass sich die Pferde in Polen aufhalten. Dort befindet sich der großelterliche Hof des 24-Jährigen. Der Angeklagte hat auch seinen Erstwohnsitz in Polen.

Kein Kaufvertrag

Zugleich war über ein polnische Kleinanzeigenportal auch die polnische Polizei auf die beiden vermissten Pferde aus Deutschland aufmerksam geworden. Die Mutter des Angeklagten gab vor Gericht an, ihr Sohn habe ihr erzählt, dass er die Tiere gekauft und dann zunächst in einem von ihm gemieteten Stall in Hüllhorst untergebracht habe. Einen Kaufvertrag hierüber gab es nicht. Der 24-Jährige soll ab und zu mit Pferden gehandelt haben. Auch konnte der junge Mann nicht sagen, wann er von wem die Tiere erworben hat.

Die Mutter gab weiter an, sie habe die beiden Pferde dann von ihrem Sohn für 600 Euro gekauft und sie anschließend nach Polen zum großelterlichen Hof transportiert. Der eigentliche Wert der beiden Pferde war mit 3000 Euro angegeben worden.

Der Vorsitzende Richter erklärte, der 24-Jährige habe widersprüchlich Aussagen gemacht. Er habe erklärt, dass er selbst Geschädigter gewesen sei, weil sich herausgestellt hätte, dass die Pferde, die er gekauft haben will, zuvor gestohlen worden waren. Allerdings hat er 600 Euro von seiner Mutter erhalten, die er nicht zurückzahlen musste.

1500 Euro an den Kinderschutzbund

Neben dem Pferdediebstahl musste sich der Angeklagte auch noch wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten. Da er in diesem Zusammenhang bereits häufiger auffällig geworden ist, reiche diesmal eine Geldstrafe nicht aus, hatte der Vorsitzende Richter erklärt. So kam gesamthaft die Freiheitsstrafe von acht Monaten zur Bewährung zustande. Außerdem muss er 1500 Euro an den örtlichen Kinderschutzbund zahlen und die Prozesskosten tragen.

Der Verteidiger des 24-Jährigen hatte zwar in der Sitzung erklärt, sein Mandant verfüge über einen polnischen Führerschein, so dass die Aussage, er sei ohne Fahrerlaubnis gefahren, nicht zutreffend sei. Der Richter verwies allerdings in der Sitzung auf die Aussage eines Polizeibeamten aus Kirchlengern. Dieser hatte dem 24-Jährigen, nachdem er ihn auf der Straße angehalten hatte, zunächst die Gelegenheit gegeben, einige Tage später die Fahrerlaubnis vorzulegen. Als der Angeklagte dies nicht tat, hatte er bei der polnischen Polizei nachgefragt und die Auskunft erhalten, das keine gültige Fahrerlaubnis vorliege.

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