Chef des Elsbach Restaurants gibt 55 warme Mahlzeiten kostenlos aus – Aktion geht weiter

Marc Höhne kocht für Bedürftige

Herford (WB). Er kommt jeden Vormittag ins Restaurant und schmeißt den Herd an. So ganz soll Corona seinen Alltag nicht bestimmen. Seit ein paar Tagen kocht Marc Höhne, Inhaber des Elsbach Restaurants, nicht nur für seine Stammkunden Menüs zum Abholen, sondern auch für Bedürftige. „Ich habe überlegt, was ich für die Menschen tun kann. Eins ist klar: Ich kann nur kochen! Also mache ich weiter“, sagt der 46-Jährige.

Kathrin Weege

Im Elsbach Restaurant bleibt die Küche auch in Corona-Zeiten nicht kalt. Inhaber Marc Höhne kocht weiter – jetzt für Bedürftige. Foto: Kathrin Weege

55 Portionen gehen an Menschen, die aktuell Hilfe benötigen. Oft sind es Ältere. Dieses Mal gibt es leckeren Eintopf aus Kartoffeln und Möhren – dazu Kassler und Kohlwurst. Dafür müssen die Empfänger keinen Cent zahlen, Höhne gibt das Essen auf eigene Kosten aus.

Er rührt den dampfenden Eintopf noch einmal um, dann kommt er mit Kassler und Wurst in eine kleine Plastikverpackung. Adrian Möller von der Petri-Gemeinde steht schon bereit und nimmt die Portionen entgegen, um sie in den großen Transportbehälter zu stellen. Unterstützung erhält Marc Höhne von seinen Mitarbeitern, die auch in diesen Zeiten quasi ehrenamtlich mit anpacken.

Essen wird Bedürftigen gebracht

Als die Restaurants schließen mussten, musste Höhne das erst mal einen Tag sacken lassen. Dann kam ihm die Idee zur Hilfsaktion und er kontaktierte Adrian Möller, Presbyter bei der Petri-Gemeinde. „Ich weiß ja selber nicht, wer wirklich gut Unterstützung gebrauchen kann”, meint Höhne. Möller hat seine Kontakte spielen lassen, Listen mit wirklich Bedürftigen wurden zusammengestellt.

Schnell haben sich auch Ehrenamtliche – unter anderem von der Corona-Hilfe Herford/Hiddenhausen – und Sozialarbieter gefunden, die das Essen zu den Bürgern fahren. Im Boot sind die Caritas, die Diakoniestiftung und der Herforder Mittagstisch, der sein Angebot wegen der möglichen Infektionsgefahr einstellen musste.

Für die Diakoniestiftung kommt dieses Mal Klaus Lobe (Stadtteilzentrum Böckmanns Laden) und nimmt den Eintopf in einer kleinen Kühlbox mit. „Die Box taugt auch zum Warmhalten”, sagt er und muss lachen. Zehn Portionen packt Lobe ein. „Wir schauen, wer das Essen gut gebrauchen kann. Das sind oft Ältere. Ich habe festgestellt, dass die, bei denen man denkt, die brauchen besondere Hilfe, oft so gut organisiert sind, dass es fast nicht nötig ist. Aber den Eintopf kann man auch gut am nächsten Tag essen, falls man doch schon versorgt ist“, meint Lobe. Natürlich halte man beim Ausliefern die Vorschriften ein, stelle das Essen nur an der Haustür ab. „Manchmal spricht man über ein offenes Fenster oder den Balkon. Das ist wichtig für viele Menschen“, weiß er.

Zeit, um ins Gespräch zu kommen

Zahlreiche Herforder haben sich in der Zeit vor Corona ihr Mittagessen im Elsbach Restaurant gegönnt oder es dort abgeholt. Letzteres ist weiterhin möglich. Bei bis zu 200 Gästen täglich im Normalbetrieb fehlte Höhne sonst die Zeit für Gespräche. Das ist nun anders. „Ein Mann kommt quasi jeden Tag und holt Essen für seine alleinlebende Mutter, erzählte er mir. Er hat sich sehr gefreut, dass ich weiter koche und dass er ihr eine warme Mahlzeit bringen kann“, erzählt Höhne.

Die Hilfsaktion wird weitergehen. Der Koch kann sich sogar vorstellen, noch mehr Essen für Bedürftige – bis zu 150 – zu kochen und verteilen zu lassen.

Daumen hoch für den Eintopf vom Koch: Adrian Möller von der Petri-Gemeinde packt mit an und fährt das Essen auch aus. Foto: Weege
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