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Erstmals graben Archäologen Reste einer Bastion der Stadtbefestigung aus – mit Video

Mit diesem Bollwerk zeigte Herford Stärke

Herford (WB). Einst war es eine gewaltige Geschützstellung. Die knapp zehn Meter freigelegten Mauerwerks sind leicht gekrümmt. Bis sich der Halbkreis schließt, müssen es viele Meter mehr gewesen sein. Erstmals haben Archäologen Reste einer Bastion der alten Stadtbefestigung ausgegraben.

Bernd Bexte

Stadtarchivar Christoph Laue (links) und Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen, sind begeistert vom guten Zustand der Bastionsreste. Sie ist auch auf einer Stadtansicht von 1686 zu sehen. Foto: Bexte

Wie berichtet, war ein solcher Fund erwartet worden. Im Zuge der Neugestaltung des Bereichs rund um den Wilhelmsplatz hatten Archäologen die dort vermuteten Reste einer Bastion am Lübbertorwall freigelegt. Von dem Bollwerk wurden mit Geschützen Angreifer beschossen und vor allem das nahe Stadttor (Lübbertor) verteidigt. »Herford war in der frühen Neuzeit eine wirtschaftlich starke, wehrhafte Reichsstadt. Das wurde auch mit der Stadtbefestigung nach außen gezeigt«, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen.

Ab 1529 hatte Herford die Stadtbefestigung verstärkt. Die mittelalterliche Stadtmauer, die hinter den jetzt am Wall stehenden Villen Richtung Innenstadt lag, wurde um einen aufgeschütteten Erdwall erweitert. Darin wurde die steinerne Bastion integriert. Insgesamt zwölf gab es davon in Herford, die größte am späteren Standort des Pöppelmann-Hauses. Sie waren nötig geworden, weil die Stadtmauern wegen der Erfindung der Kanonen keinen ausreichenden Schutz mehr boten.

Höhe der Bastion ist unbekannt

»Die freigelegte Mauer ist 1,10 breit«, erläutert Grabungsleiter Dr. Bernhard Sicherl von der Fachfirma Archäologie am Hellweg (Münster). Wie hoch sie war, ist unbekannt. Im Umfeld gruben er und seine Mitarbeiter auch Keramikscherben aus, die zu dem schriftlich überlieferten Bau der Anlage im 16. Jahrhundert passen. Am Lübbertor entstand damals auch ein neues Wehr, das die Werre aufstaute. Der breitere Wasserlauf bot so zusätzlichen Schutz.

Ende des 18. Jahrhunderts abgetragen

»Die in die Werre hineinreichende Geschützstellung ist auf historischen Karten gut sichtbar«, sagt Stadtarchivar Christoph Laue. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Stadtbefestigung aber samt Bastionen abgerissen. Mauern und Bollwerke boten gegen Kanonen mit immer größerer Reichweite keinen Schutz mehr. »Die Stadt verkaufte die Steine als Baumaterial. In so manchem alten Haus Herfords sind sie noch vorhanden«, erklärt Laue. Für die Archäologen ist die Ausgrabung der Bastion bedeutsam. »Wir haben erstmals die Möglichkeit, einzelne Teile im Gelände genau einzumessen und als Bodendenkmal zu erfassen«, erläutert Spiong. Man habe auch Informationen über das Baumaterial sowie den Aufwand des Baus gewonnen.

Nur kurze Zeit zu sehen

Wer sich die Reste der Geschützstellung anschauen möchte, muss sich beeilen. Wohl nur noch an diesem Wochenende sind die Ausgrabungen am Lübbertorwall, kurz vor dem Wilhelmsplatz, zu sehen. »In der nächsten Woche werden sie wieder zugeschüttet«, sagt Sven Spiong von der LWL-Archäologie. Eine dauerhafte Sichtbarmachung sei zu aufwendig.

»Der Mörtel in dem Mauerwerk ist extrem weich. Frostsprengungen würden in wenigen Jahren hier viel kaputt machen.« So bleiben die Bastionsreste ein Bodendenkmal, auf das möglicherweise eine Tafel hinweisen wird. Zumindest haben die Archäologen die Reste mit Kameras aufgenommen vermessen. Daraus soll ein digitales, dreidimensionales Modell entstehen, das eventuell später im Internet einzusehen ist.

In dem hiesigen Uferbereich der Werre werden – im Zuge der Neugestaltung des Bereichs rund um den Wilhelmsplatz – Sitzstufen aus Beton angelegt, die zum Verweilen einladen. Zudem wird hier über einen neuen Kanal Regenwasser in die Werre eingeleitet. Über ihn werden die angrenzenden Grundstücke entwässert.

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