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Prozess: Ehepaar aus Herford soll Mann eingesperrt und versucht haben, Geld zu erpressen

Mit Golfschläger verprügelt?

Herford (WB). Sie sollen ihren Bekannten stundenlang eingesperrt, mit einer Pistole, ja sogar mit Pfeil und Bogen bedroht und mit einem Golfschläger massiv verletzt haben, um von ihm Geld zu bekommen: Ein Paar aus Herford muss sich nächste Woche wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Detmold verantworten.

Bernd Bexte

Der Fall wird vor dem Landgericht Detmold verhandelt. Foto: Thissen/dpa

Die Geschichte mutet bizarr an, zumal es eigentlich nur um eine verschwundene Angelausrüstung gehen soll. „Die hat mein Mandant mal vor längerer Zeit verliehen, sie aber nie von dem Bad Salzufler zurückbekommen. Der hat sie also offensichtlich geklaut“, sagt Rechtsanwalt Tobias Diedrich (Bad Oeynhausen), der den Herforder vertritt.

Die Eheleute – beide sind 32 Jahre alt – sollen das spätere Opfer, eben jenen 43 Jahre alten Mann aus Bad Salzuflen, Anfang Oktober zufällig auf der Straße getroffen haben. Sie hätten ihn auf die Angelausrüstung angesprochen. Dann sei man gemeinsam im Auto des Ehepaares zu einem Mann gefahren, der zumindest Teile der Anglerutensilien zwischenzeitlich verkauft haben soll. Den Hehler hätten sie aber nicht angetroffen.

Angeblich mit Pfeil und Bogen bedroht

Alle Drei seien dann zur Wohnung des Paares – es hat zwei gemeinsame Kinder – gefahren. Dort erwartete das Opfer laut Anklage ein Martyrium: Der Mann sei zwei bis drei Stunden eingesperrt worden. Unter Vorhalt eines Schreckschuss-Revolvers habe ihn der Angeklagte unter anderem in die Rippen, auf den Kehlkopf und ins Gesicht geschlagen.

Auch mit einem Golfschläger soll er auf ihn eingedroschen haben – gegen die Schienbeine und auf die Nase sowie mit dem Griff des Revolvers auf den Kopf. Mit einem Turnierbogen soll der Herforder auch auf dessen Beine gezielt haben. „Hierbei habe er den Geschädigten aufgefordert, ihm monatlich 200 Euro auf sein Konto zu überweisen“, heißt es nach Angaben des Landgerichts. Der Angeklagte habe gedroht, wenn der 43-Jährige dies nicht tue oder jemandem von dem Vorfall berichte, werde er ihn oder dessen Mutter „wegmachen“. Der Bedrohte soll der Forderung jedoch nicht nachgekommen sein. Die Frau haben ihren Mann unterstützt: Sie saß am Steuer, als das Trio zur Wohnung fuhr. Bei den gewalttätigen Übergriffen sei sie anwesend gewesen und habe diese gebilligt.

Verteidigung bestreitet Vorwürfe

Die Verteidigung streitet die Vorwürfe weitgehend ab. „Ja es gab eine körperliche Auseinandersetzung, aber es war nicht so, wie in der Anklage dargestellt“, sagt Anwalt Diedrich. Das Opfer sei im Streit auf einen Badewannenrand gefallen und habe sich dabei mehrere Rippen gebrochen, ergänzt sein Kollege Torsten Giesecke (Bielefeld), der die Herforderin vertritt. Es sei wenig glaubhaft, dass der Mann stundenlang in dem Haus eingesperrt worden sei. Die Angeklagten hätten ihn später sogar noch weggebracht. Der Bad Salzufler habe mit erheblichen Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Da das mutmaßliche Opfer aus dem Kreis Lippe kommt und der Vorwurf der versuchten schweren räuberischen Erpressung eine Straferwartung von fünf Jahren rechtfertigt, findet der Prozess vor dem Landgericht Detmold statt. Die Verhandlung vor der 1. Strafkammer beginnt am kommenden Dienstag, 28. Januar, um 9 Uhr.

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