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Mit Küstenseeschwalbe Oceana auf musikalischer Weltreise

„Sieben Kontinente - Eine Erde“: Kinderchöre aus Herford, Minden, Lübbecke und Hille singen Musical

Herford

Kann das klappen? Kinderchöre aus verschiedenen Orten proben monatelang getrennt für ein gemeinsames Musical? Und wie das klappt. Bei der Premiere von „Sieben Kontinente - Eine Erde“ am Freitagabend in der Herforder Petrikirche kannte der Jubel am Ende (fast) keine Grenzen.

Von Sonja Töbing

„Die Tüten aus Plastik sind dicht, nur wir manchmal nicht“ – so sehen es die Kinder des Kinderchores St. Andreas Lübbecke. Sie machen auf den Plastikmüll in den Weltmeeren aufmerksam. Foto: Sonja Töbing

Manchmal hilft ein Perspektivenwechsel, um klarer sehen zu können. „Und manchmal sind es verrückte Ideen, die uns aus der Sackgasse herausführen“, gab Heidrun Luchterhandt zu Beginn zu bedenken. Sie übernahm bei der Uraufführung des Kindermusicals die Rolle der Küstenseeschwalbe Oceana, die sich aufschwingt, um unsere Welt mit kritischem Blick aus der Vogelperspektive zu betrachten.

Jede Menge Lampenfieber

Stimmgewaltige Unterstützung erhielt die Gesangspädagogin dabei von gut 90 Kindern und Jugendlichen aus Herford, Minden, Lübbecke und Holzhausen-Nordhemmern, die monatelang in ihren Kinderchören für den großen Auftritt geprobt hatten und vor Lampenfieber brannten.

Die kleine Küstenseeschwalbe Oceana macht sich auf, die Welt aus der Vogelperspektive zu betrachten. Foto: Sonja Töbing

„Dieses Musical ist etwas Großes und Besonderes“, betonte Frauke Seele-Brandt, auf die als Gesamtleitung eine große Verantwortung zukam, der sie sich jedoch nur allzu gerne stellte. „Matthias Nagel und Doris Bläser haben mit ihrer Musik und ihren Texten ein ganz tolles Werk erschaffen“, so Seele-Brandt. Die Kooperation mit den involvierten Chören aus vier verschiedenen Städten und das puzzleähnliche Zusammenfügen aller Komponenten am Ende des Projekts habe bewiesen, dass ein so ungewöhnliches Konzept wie dieses funktioniere.

Und das tat es. Vor 200 begeisterten Eltern, Großeltern, Geschwistern und Gästen unternahmen die Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker eine Weltreise der etwas anderen Art. Die clevere Küstenseeschwalbe Oceana war dabei das Bindeglied, sie kündigte jede neue Etappe an und forderte die Mädchen und Jungen immer wieder mit unterhaltsamen Quizfragen heraus.

„Rettet den Regenwald“ und „Holt die Bagger aus dem Wald“ steht auf den Plakaten, die der Unterstufenchor des Friedrichs-Gymnasiums Herford hochhält. Die Leitung hat Gudrun Horst de Cuestas. Foto: Sonja Töbing

Von der Arktis ging es nach Nordamerika zu den Ureinwohnern, die ein besonders enges Verhältnis zur Natur haben. In Südamerika war die Abholzung des Regenwalds ein Thema, hier gab der Unterstufenchor des Friedrichs-Gymnasiums Herford unter der Leitung von Gudrun Horst de Cuestas mit starker Gestik und bunt bemalten Transparenten sein Bestes. „Nehmt die Bagger aus dem Wald“ oder „Rettet den Regenwald“ war auf den Schildern zu lesen.

Die Sängerinnen und Sänger der St.-Andreas-Gemeinde Lübbecke beschäftigten sich mit dem Leid der afrikanischen Kinder, die jeden Tag aufs Neue für ihre Familien nach Wasser suchen müssen, um das Überleben zu sichern, anstatt die Schule besuchen zu dürfen. Schauspielerische Einlagen unterstrichen die Dringlichkeit des Themas, das die Anwesenden sichtlich berührte.

Die beiden Chöre Tookulinis und Crescendo der Chorschule Christuskirche Minden haben sich musikalisch mit der Situation in Nordamerika und Australien auseinandergesetzt. Foto: Sonja Töbing

„Feuer!“ hieß es dann beim Australien-Lied, eindrucksvoll präsentiert von den Tookulinis und der Gruppe Crescendo der Chorschule Christuskirche Minden unter der Leitung von Frauke Seele-Brandt. Vor allem das Leid der unzähligen Tiere, die häufig in den Flammen umkommen, wurde beklagt. Positiv bewertet wurde hingegen der Mut vieler Australier, die alles geben, um Känguruh, Koala und Co. aus der Flammenhölle zu retten.

Einen starken Auftritt legten die Studierenden des Seminars Kinderchorleitung der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten hin. Sie machten mit ihrem Song „Jeans mit Loch“ auf die Situation vieler Kinder in Indien aufmerksam, die unter unwürdigen Bedingungen in Textilfabriken ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, um ein wenig Geld für ihre Familien zu verdienen. Dabei sind sie stets giftigen Substanzen ausgesetzt. „Warum gebt ihr Geld aus für eine Jeans mit Loch?“, heißt es anklagend am Ende des Songs.

„Warum kauft ihr Jeans mit Loch?“, fragen die Studierenden des Seminars Kinderchorleitung der Hochschule für Kirchenmusik Herford. Sie beschreiben in ihrem Song die Situation der Kinderarbeiter in Indien. Foto: Sonja Töbing

Und dann schwangen sich Oceana und alle Beteiligten zum großen, anrührenden Finale auf. „Bitte hinterlasst uns eine schöne Welt“, baten die Kinder und Jugendlichen. Und appellierten an die Erwachsenen: „Bitte nehmt uns ernst. Gebt unserer Erde was zurück, sie sorgt für uns.“

Nach 75 Minuten endete Oceanas Reise, die für all diejenigen, die keinen Platz in der Petri-Kirche gefunden hatten, live via YouTube gestreamt wurde. Das Publikum spendete tosenden Applaus für alle Beteiligten, einige kleine Gäste verlangten sogar nach einer Zugabe. „Nochmal von vorne“, hieß es da.

„Gebt unserer Erde was zurück“, fordern die Mitglieder des Unterstufenchores des Friedrichs-Gymnasiums Herford. Foto: Sonja Töbing

Über soviel Begeisterung und Zuspruch freuten sich alle Akteure sichtlich. „So ein Projekt machen wir nochmal, was meint ihr?“, fragte Frauke Seele-Brandt in die Runde und erntete ein vielstimmiges „Jaaaaaa“. Darüber freute sich auch Komponist Matthias Nagel, der in den hinteren Reihen Platz genommen hatte und die Aufführung sichtlich bewegt verfolgte.

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