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Martin Werner saniert seit 2017 das ehemalige Haus des Handwerks

Mit roter Farbe zurück in den Barock

Herford (WB). 2017 hat Martin Werner das marode Haus des Handwerks in der Elisabethstraße 3 übernommen. Mit der Sanierung des Fachwerkensembles hat sich der Ex-Banker einer Herkulesaufgabe verschrieben – mit vielen Unbekannten. Doch erste positive Ergebnisse sind bereits sichtbar.

Peter Schelberg

Martin Werner möchte im ehemaligen Haus des Handwerks so genannte Kreuzstockfenster einbauen. Ein Exemplar der Barockfenster hat er aus dem sächsischen Pirna mit nach Herford gebracht und zur Veranschaulichung eingesetzt. Foto: Peter Schelberg

Auffälligste Veränderung: Die weiße Farbe der Gefache ist einem leuchtenden Rot gewichen, das nach Ansicht Werners die Barockzeit versinnbildlicht, in der das Haus entstanden ist. Entdeckt hat er die Farbe im Putz des Altbestandes, den er vorsichtig freigelegt hatte. »Sie ist damals auf den feuchten Putz aufgetragen worden«, berichtet er: »Möglicherweise haben die Erbauer Ochsenblut dafür benutzt oder Erdpigmente.«

Fugen auf dem Putz aufgemalt

Nach dieser Erkenntnis hat Werner die Gefache neu verputzt und in Barock-Rot gestrichen. Mit aufgemalten Fugen seien beim Bau des Hauses Klinker nachempfunden worden: »Das war billiger, als echte Klinker zu verwenden.«

Viele Holzbalken waren abgängig

Nach und nach hat der Do-it-yourself-Mann seit 2017 abgängige Holzbalken in der Front und an der Straßenseite des Hauptgebäudes ersetzt. Feuchtigkeit und Hausbock hatten die Träger zermürbt. »Im Eingangsbereich des Anwaltsbüros konnten wir ein Drittel der Balken retten, der Rest war nicht mehr zu gebrauchen.« Eine Hauptursache für die Schäden sieht Werner darin, dass »Dachrinnen jahrelang kaputt waren« und fehlgeleitetes Regenwasser Außenwände durchfeuchtet habe.

Laub verstopft die Dachrinnen

Sorgen bereitet ihm deshalb die Eiche im Hof: »Das Laub verstopft immer wieder die Dachrinnen.« Deshalb will er den Baum fällen – doch das habe die Stadt mit Verweis auf die Baumschutzsatzung untersagt. Rasch reagieren musste der Hobby-Sanierer, als aus der Außenwand der zum Ensemble gehörenden früheren Scheune verrottete Gefachteile auf die Straße zu fallen drohten.

Seminarräume für die VHS eingerichtet

Bei laufendem Betrieb hat der 66-Jährige die Räume instandgesetzt, von denen allein die VHS sieben für Seminare belegt. Neu sind Toilettenanlage und Mitarbeiterküche. Als weitere Mieter nutzen ein Rechtsanwalt und eine Psychologin Büroräume im Haus.

Zeitsprung mit Kreuzstockfenstern

Im Obergeschoss des Hauptgebäudes hat Martin Werner an der Front ein Fenster entfernt, bislang verschlossene Öffnungen will er rekonstruieren. Und auch bei den Fenstern einen Zeitsprung zurück in die Vergangenheit machen: »Weil wir das ganze Haus sanieren, kann man auf die ursprüngliche Form des Barock zurückgehen. Und zu einem Barockgebäude gehören auch Barockfenster.« Die vorhandenen Fenster will er deshalb durch so genannte Kreuzstockfenster ersetzen.

Die städtische Denkmalpflegerin sei mit den Änderungen einverstanden. Dagegen wolle der Landschaftsverband die Kreuzstockfenster bislang nicht, ebenso wie »aufgemalte« Klinker. Von der Zustimmung der LWL-Denkmalpflege hängt ab, ob öffentliche Zuschüsse gewährt werden. Auf eine Entscheidung aus Münster warte er seit längerem, sagt Werner. Doch egal, wie sie ausfällt – für ihn steht fest: »Ich mache weiter.«

Fachwerkensemble mit langer Geschichte

Nach neueren wissenschaftlichen Untersuchungen ist davon auszugehen, dass Prinzessin Hedwig Louise Landgräfin von Hessen-Homburg ab 1702 das bis heute erhaltene Gebäude Elisabethstraße 3 errichten ließ. Die in Kassel geborene Prinzessin war 1702 zur Dechantin und damit Vertreterin der Äbtissin des Stiftes gewählt worden. Allerdings trat sie wieder aus dem Stift aus und heiratete 1718 Adam Friedrich Graf von Schlieben. Das neben dem Kurienhaus stehende Wirtschaftsgebäude dürfte um 1743 errichtet worden sein.

Gerichtssitz und landwirtschaftliche Lehranstalt

Nach der Auflösung des Stifts durch das französische Kaiserreich übernahm der Magistrat der Stadt Herford 1811 das Anwesen, das später zunächst als Gerichtssitz und seit 1868 als landwirtschaftliche Lehranstalt genutzt wurde. Seit 1898 im Besitz der Münsterkirchengemeinde, wurde das Haus Mitte der 1950-er Jahre an die Kreishandwerkerschaft veräußert.

Ein Architekt hatte die Sanierungskosten zuletzt auf mindestens 1,3 Millionen Euro geschätzt. Die Kreishandwerkerschaft beschloss daraufhin, sich von dem Objekt zu trennen. 2016 wurde es für 250.000 Euro angeboten.

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