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Erstmalige Aktion zum »Welttag gegen Armut« – Zahl der Bedürftigen in Herford steigt

Mittagstisch kommt in die Markthalle

Herford (WB). »Die Markthalle ist für alle da«, sagt Tanja Feg von der Pro Herford. Deshalb wird Herfords neues Prunkstück am Donnerstag auch zur Anlaufstelle für Bedürftige: Von 11 bis 14 Uhr wird der Herforder Mittagstisch in der dortigen Showküche seine Mahlzeiten ausgeben.

Bernd Bexte

Die Mittagstisch-Aktiven laden für Donnerstag in die Markthalle ein (von links): Birgit Nolte-Kristen, Ludger Dwertmann-Soth, Barbara Firidin, Doris Gerlach (Sozialberatung), Bodo Ries und Antonietta Galasso (Pro Herford). Foto: Bexte

Anlass ist der von der UNO ausgerufene »Welttag zur Bekämpfung großer Armut«. Suppenküchen und Tagestreffpunkte an vielen Orten beteiligen sich mit Aktionen. »Für Herford ist es das erste Mal«, sagt Pfarrer Bodo Ries vom Vorstand des Vereins Herforder Mittagstisch. Die Marktbeschicker helfen mit Lebensmittelspenden, so dass Eintopf, Butterkuchen und ein Getränk kostenlos angeboten werden können. »Geldspenden sind natürlich willkommen.« Üblicherweise kostet ein Essen beim Mittagstisch an der Hermannstraße einen Euro.

Netzwerktreffen in Herford

Darauf seien immer mehr Menschen angewiesen. »Als ich vor vier Jahren beim Mittagstisch begonnen habe, kamen täglich 20 bis 25 Menschen, jetzt sind es fast immer 50 bis 60. Und mehr geht auch nicht«, sagt Birgit Nolte-Kristen vom Trägerverein. Der hat mit elf weiteren Einrichtungen in NRW ein »Netzwerk der Gastfreundschaft« geknüpft. »Wir wollen bedürftigen Menschen eine Heimat auf Zeit bieten«, erläutert Ries. Aus der Region machen der Bielefelder Tisch und die Suppenküche Gütersloh mit.

Im kommenden Jahr findet das Netzwerktreffen mit allen Beteiligten in Herford statt. Am morgigen Donnerstag ist auch die Sozialberatung der Diakoniestiftung vor Ort, um mit den Marktbesuchern ins Gespräch zu kommen. »Das größte Problem ist die Wohnungsnot«, erläutert Doris Gerlach von der Sozialberatung. Und Pfarrer Ries erzählt von einem Mann, der jüngst aufgrund einer Trennung, Krankheit und dadurch bedingter Arbeitslosigkeit aus einer eigentlich sicheren bürgerlichen Existenz geschleudert worden sei. »Viele kommen dann nicht mehr allein auf die Füße.«

111 Wohnungslose

Gerlach weiß von aktuell 111 Wohnungslosen in Herford. Die Zahlen schwankten jedoch: »Im Juli waren es 80.« Die Tendenz sei jedoch eindeutig: »Es werden mehr.« Deshalb verbindet der Mittagstisch den Tag gegen Armut mit konkreten Forderungen. »Es müsste mehr günstigen Wohnraum geben.« Das städtische Obdach an der Werrestraße sei »eine Katastrophe«, meint Ries. Auch das bereits 2004 begonnene Projekt »Stadt ohne Obdach« habe am grundlegenden Problem nichts ändern können.

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