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Was wird aus dem Gebäude? Wie mit Corona umgehen? Leiter Guido Kostmann tritt kein leichtes Amt an

Musikschule vor Herausforderungen

Herford (WB)

Möglichst schnell zum Präsenzunterricht zurückkehren, dazu digitale Angebote als Ergänzung aufbauen: Auf diese Formel bringt Guido Kostmann die aus seiner Sicht dringlichsten Schritte für die Herforder Musikschule.Anfang Januar hat der 56-Jährige seine Stelle als neuer Musikschulleiter angetreten. Bis Ende Februar ist sein Vorgänger Thomas Steingrube noch dabei, sodass die Gelegenheit eines gleitenden Übergangs besteht. Da macht es Sinn, den Abschied des Alten mit der Vorstellung des Neuen zu verbinden – schließlich geht es bei der Musikschule auch um Kontinuität. Gleichwohl ist die Einrichtung immer auch ein Gegenstand von Haushaltskonsolidierungen.

Hartmut Horstmann

Thomas Steingrube (rechts) und sein Nachfolger Guido Kostmann vor der Musikschule: Im Jahr 2024 endet der Mietvertrag für das Gebäude. Foto: Hartmut Horstmann

Da wäre zum Beispiel das Gebäude, welches 2004 bezogen wurde und mit dem der Mietvertrag 2024 endet. Auch das Haus stehe wegen der Konsolidierung zur Disposition, sagt Steingrube. Von daher gebe es eine große Unsicherheit, ob die Musikschule in dem Gebäude bleibe oder wechseln müsse.

Guido Kostmann weiß um diese Situation und findet lobende Worte für die Räumlichkeiten an der Goebenstraße. Diese seien für eine Musikschule sehr gut geeignet. Nichtsdestotrotz kündigt er an, das Verfahren ergebnisoffen zu begleiten. Wenn ein anderes Gebäude gesucht werden soll, dann sieht sich der neue Leiter in der Rolle eines Gestalters, „der formuliert, was eine Musikschule benötigt“.

Das Thomas Steingrube das Thema zum Abschied anschneidet, kommt nicht von ungefähr. Im Jahr 1986 begann er an der Musikschule als Klavierlehrer, seit 2011 leitet er die Einrichtung. Spardiskussionen gehören für ihn quasi zur Begleitmusik. Hierzu zähle auch das Gefühl von Existenzangst im Kollegium. In Richtung Politik sagt Steingrube daher: „Dieser Geist ist nicht fruchtbar.“

Es sei die Absicht, Lehrerstellen einzusparen, fügt er hinzu – und macht deutlich, dass er dies im Zusammenhang mit einer Initiative des Landes für kontraproduktiv hält. So gibt es ein neues Förderprogramm für die Erhöhung des Anteils Fest-Angestellter. Aber diese Förderung könne nur in Anspruch genommen werden, wenn keine Stellen gestrichen würden. Angesichts der Konsolidierungsüberlegungen sieht Steingrube die Gefahr, dass die Musikschule keine Landes-Förderung erhält.

Das Umdenken seitens des Landes hat laut Guido Kostmann viel mit den neuen Aufgaben der Musikschulen zu tun. Um die Kosten zu drücken, habe man einst den Anteil der Honorarkräfte hochgefahren. Doch irgendwann sei der Nachwuchs ausgeblieben. Und weil die Musikschulen zunehmend als Kooperationspartner anderer Bildungseinrichtungen agieren, ist die neue Anforderung laut Kostmann „mit Fest-Angestellten besser zu bewerkstelligen“.

An der Musik- und Kunstschule Bielefeld war der 56-Jährige für die Kooperation mit allen Schulformen zuständig. In puncto Verzahnung sei die Herforder Musikschule sehr weit, sagt er. „Wir übernehmen immer mehr Aufgaben in der Bildungslandschaft“, betont Steingrube – und nennt als Beispiel die musikalische Bildung in Kitas und Grundschulen. Als Kerngeschäft betrachten der der alte und der neue Leiter aber immer noch den Unterricht in der Musikschule. Die Präsenz in den Grundschulen erweise sich als Vorteil: „Die Schüler kommen dann später zu uns.“

Guido Kostmann hört sich die Gedanken und Befürchtungen seines Vorgängers interessiert an. Er gehe positiv an die Sache heran, betont er. Vom Musikschul-Wettbewerb der Volksbanken weiß er, dass in Herford sehr gute Arbeit geleistet wird. Was das Inhaltliche angeht, so will er Wert auf den richtigen Mix – zum Beispiel zwischen den Instrumentengruppen – legen. Das Angebot müsse breit gefächert sein.

Die Kooperation mit anderen Schulformen will Kostmann – so wie er es von seiner vorherigen Stelle kannte – forcieren. Die Musikvermittlung sieht er als wichtiges gesellschaftliches Anliegen und kein „Nice to have“.

Doch zur Zeit macht Corona allen Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Daher sieht der neue Leiter es als eine Aufgabe der Zukunft an, digitale Bausteine zu entwickeln. Das brauche allerdings Zeit und Geld: „Mit einem normalen Videokonferenzprogramm lässt sich kein Musikschulunterricht anbieten.“ Eine Förderung erwartet er unter anderem von der Hettich-Stiftung.

Gleichzeitig steht für ihn fest, dass der Präsenzunterricht auch zukünftig an erster Stelle bleibt. Doch werde die Digitalisierung unabhängig von Corona voranschreiten. Es mache Sinn, diesen digitalen Unterricht aus dem Gebäude heraus anzubieten: „Der Standort an der Goebenstraße bietet gute Voraussetzungen.“

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