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Glaubenskrieg erreicht Deutschland – Polizei zieht Kräfte aus NRW zusammen – weitere Demonstrationen geplant

Muslimische Tschetschenen greifen Jesiden an

Herford (WB). Nach einem Überfall auf ein jesidisches Restaurant in Herford haben mehrere hundert Jesiden versucht, die tschetschenischen Täter zu stellen. Die Polizei löste Großalarm aus.

Christian Althoff und Moritz Winde

Aufgebrachte Jesiden stehen vor dem »Herforder Grillhaus«, das von einem Jesiden betrieben wird. Muslimische Tschetschenen hatten das Restaurant gestürmt und den Besitzer mit einem Messer verletzt. Foto: Moritz Winde

Weitere Demonstrationen

In OWL sind weitere Demonstrationen von Jesiden gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat geplant: für Donnerstag in Detmold (16 Uhr) und für Freitag in Herford (18 Uhr). Die Großdemo in Bielefeld findet am Samstag trotz des Heimspiels von Arminia Bielefeld wie geplant statt – Start ist allerdings nicht am Hauptbahnhof, sondern an der Radrennbahn (14 Uhr).

Gegen 16 Uhr stürmten am Mittwoch sechs muslimische Tschetschenen das jesidische Restaurant in der Nähe der Großdisco »Go-Parc«. Dort kam es, wie berichtet, zu einem Kampf mit fünf Jesiden. Einer der Tschetschenen verletzte den Wirt Ihsan Ayas (30) mit einem Messer. Gerüchte, das Opfer habe dabei fast einen Finger verloren, bestätigte die Polizei nicht. Neben dem Wirt wurden auch noch zwei weitere Menschen verletzt.

Wirt mit einem Messer verletzt

Die Polizei geht davon aus, dass der Überfall mit einem Plakat zusammenhängt, das der Gastwirt aufgehängt hatte und das zu einer Demo in Berlin aufrief. Dort wollen am Samstag Jesiden aus ganz Deutschland gegen die Terror-Truppe »Islamischer Staat im Irak und in Syrien« (ISIS) protestieren. Die Islamisten hatten vor wenigen Tagen die nordirakische Stadt Shingal eingenommen, in der viele Jesiden leben. Es soll dort zu einem Massaker an etwa 70 Menschen dieses Glaubens gekommen sein. Unter den Tschetschenen gibt es einige, die den Kampf der »ISIS«-Truppen zur Errichtung eines islamistischen Staates unterstützen.

Über Facebook und andere Dienste mobilisierten die Herforder Jesiden nach dem Überfall Glaubensbrüder in ganz Deutschland. Innerhalb von Stunden trafen geschätzt 300 bis 500 in Herford ein – viele aus Detmold und Bielefeld, aber auch aus Hannover und Oldenburg, wie ihre Autokennzeichen zeigten. Etliche von ihnen, fast ausschließlich Männer, zogen durch die Stadt, um die Täter zu finden. Die Suche nach den Tschetschenen wurde zum Teil mit Megaphonen koordiniert.

Herforder Jesiden mobilisierten 300 bis 500 Glaubensbrüder

Die Polizei zog Kräfte aus Ostwestfalen-Lippe zusammen, auch Einsatzhundertschaften aus Bochum und Dortmund wurden angefordert. Zwar kam es in der Herforder Innenstadt zu einzelnen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der beiden Religionsgruppen, doch schafften es die Polizisten, eine Eskalation der angespannten Lage zu verhindern. Es gelang ihnen auch, die Tschetschenen vor dem aufgebrachten Mob zu finden und in Gewahrsam zu nehmen.

Jesiden sind eine oft verfolgte religiöse Minderheit der Kurden, die ursprünglich vor allem in der Südosttürkei, im nördlichen Irak und im Norden Syriens lebten. Man kann nur als Jeside geboren werden. Dazu müssen beide Eltern jesidischer Abstammung sein. Die Heirat eines Jesiden mit einem Andersgläubigen bedeutet den Ausschluss aus der Gemeinschaft.

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