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Vier ehemalige Briten-Häuser an der Ulmenstraße in Herford werden zu kleinen Kraftwerken

Neuer Mantel für Energiefresser

Herford (WB)

Die WWS beteiligt sich an einem Modellprojekt: „Energiesprong“ heißt das von der Deutschen Energie-Agentur initiierte Projekt, mit dem jetzt die Häuser Ulmenstraße 1 bis 7 in Herford renoviert werden. Im Sommer werden die Elemente millimetergenau an die Fassaden der vier ehemaligen Briten-Häuser angebracht.

Ralf Meistes

Diese Nachkriegsbauten in der Ulmenstraße werden in einem Pilot-Projekt energetisch saniert. Foto: Moritz Winde

Etwa ein Drittel der klimaschädlichen CO2-Emissionen entstehen durch den Energieverbrauch beim Wohnen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WWS will dagegen etwas tun und klimafreundlicher werden – indem sie sich an einem Modellprojekt beteiligt.

„Energiesprong“ heißt das von der Deutschen Energie-Agentur initiierte Projekt, mit dem jetzt die Häuser Ulmenstraße 1 bis 7 renoviert werden. Im Sommer werden die Elemente millimetergenau an die Fassaden der vier ehemaligen Briten-Häuser angebracht. Im Zentrum des Verfahrens steht eine Solarwabe, die nach dem Prinzip einer Bienenwabe das Haus im Winter warm und im Sommer kühl hält.

Zuvor werden die Gebäude mit ihren 24 Wohnungen mit einem 3D-Laser gescannt und die Elemente „maßgeschneidert“ vorgefertigt – inklusive Fenstern, Türen, Dämmung und Außenfassade.

So entstehen aus vier ehemaligen Energiefressern so genannte Net-Zero-Standardhäuser, weil durch die auf dem Dach installierten Photovoltaik-Anlagen über ein Jahr gerechnet mehr Strom erzeugt wird, als die Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser an Strom und die Mieter mit ihren Haushaltsgeräten verbrauchen.

3,3 Millionen Euro kostet das Modellprojekt nach niederländischem Vorbild. Im Nachbarland sind nach diesem Prinzip bereits 5000 Gebäude saniert worden. Die Sanierungskosten belaufen sich für die 24 Wohnungen auf immerhin 1700 Euro je Quadratmeter. Allerdings erhält die Stadt eine Förderung in Höhe von 1,3 Millionen Euro, so dass man dann bei einem Eigenanteil von etwa 1.000 Euro pro Quadratmeter an Sanierungskosten landet. Der Energiebedarf für die vier Gebäude sinkt dafür um 89 Prozent.

CDU-Fraktionschef Thomas Helmerking lobte das Projekt, machte allerdings zugleich deutlich, dass unter den aktuellen Konditionen die anderen WWS-Häuser nicht saniert werden könnten.Schließlich verfügt die WWS über Hunderte von Wohnungen in Gebäuden, die energetisch saniert werden müssten, damit die Stadt Herford ihre Klimaziele erreicht. Sollte das Modellprojekt dazu führen, dass das Verfahren immer mehr standardisiert wird und damit die Modernisierungskosten gedrückt werden könnten, dann wird das Verfahren natürlich auch für andere WWS-Häuser interessant.

Kritische Nachfragen gab es zur Kaltmiete, die im Zuge der Sanierung von derzeit sechs auf dann neun Euro pro Quadratmeter steigen wird. Derzeit sind in den 24 Wohnungen Studierende der Fachhochschule für Finanzen (HSF) untergebracht sind.

„Wir müssen aber auch über die Zeit nachdenken, wenn die Studentinnen und Studenten dort nicht mehr sind. Das ist heute ein Quartier mit etlichen sozial gefördert Wohnungen, die vom Amt getragen werden. Wir wollen, dass das auch dann noch für diese Wohnungen gilt, wenn die HSF die Gebäude nicht mehr benötigt“, sagte Inez Déjà (Die Linke).

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