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Grüne Jugend will bei Kommunalwahl 2020 mitmischen

»Nicht meckern, sondern machen«

Herford (WB). Marie Wesselmann ist 16 – und politisch engagiert. Bei der Grünen Jugend. Erst vor wenigen Wochen hat sich die Gruppe gegründet. Bei der nächsten Kommunalwahl 2020 will sie ordentlich mitmischen.

Bärbel Hillebrenner

Marie Wesselmann und Marvin Reschinsky gehören mit zu den Gründern der Jungen Grünen. Sie wollen bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr Themen in Herford voranbringen, die besonders die jungen Menschen interessieren – und selbst politisch handeln. Foto: Bärbel Hillebrenner

Interesse an aktuellen politischen Themen

In Maries Alter feiern die Jugendlichen lieber Partys, gehen in die Disco, treffen sich zum Quatschen. »Das mache ich ja auch«, sagt Marie, »aber ich interessiere mich eben auch für aktuelle politische Themen.«

Was in ihrem Alter durchaus selten ist. »In meiner Jahrgangsstufe am Königin-Mathilde-Gymnasium sind wir vier Freundinnen, die bei den Grünen was bewegen wollen.« Innerhalb ihres Freundeskreises aber sei das Interesse eher gering, über Klimaschutz, Umweltthemen oder das Gesundheitssystem werde nicht diskutiert. »In der Schule wird man auch nicht angehalten, in eine Partei einzutreten.«

»Vieles gefällt mir nicht«

Da werde Politik ganz allgemein unterrichtet und ansonsten der Lehrplan abgearbeitet. Und auch in ihrem Elternhaus ereifere man sich am Küchentisch nicht politisch.

Die 16-Jährige aber sagt: »Vieles gefällt mir nicht – zum Beispiel, dass beim Klimaschutz viel zu wenig getan wird. Ich und meine Generation müssen doch später die Folgen ausbaden.« Marie will nicht nur meckern, sondern auch handeln: »Bei den Fridays-for-Future-Demonstrationen bin ich immer dabei.«

Initiativen lösen sich auch wieder auf

Zu den engagierten Grünen gehört auch Marvin Reschinsky. Er ist 26 und wohnt nach der Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann in Hannover wieder in Herford. Als er seinen Heimatort vor einigen Jahren verließ, sagt er, habe es im Kreis schon eine Grüne-Jugendgruppe gegeben. »Aber viele junge Leute gehen nach der Schule zum Studium, verlassen ihre Heimat. Dann lösen sich viele Initiativen wieder auf.« Doch in den letzten Monaten hätten sich bei der »Mutterpartei« in Herford viele Jüngere gemeldet, die sich politisch bei den Grünen engagieren wollten.

Also habe es ein erstes Treffen gegeben – und der Zulauf sei groß gewesen. Mitte Juli dann erfolgte die offizielle Gründung mit 30 Mitgliedern, die Sprecher sind Marvin Reschinsky und Lisa Marie Bednarz aus Enger; wie üblich bei den Grünen gibt es eine Doppelspitze aus Mann und Frau. Für die Mitarbeit in der Jugendgruppe, erklärt der 26-Jährige, dürfe man nicht älter als 28 sein, man brauche auch nicht unbedingt Mitglied der Partei zu werden. Er selbst trat im Frühjahr dieses Jahres ein.

Verzicht auf Plastik und häufiger das Fahrrad nehmen

Bei der Kommunalwahl nächstes Jahr wollen sich die grünen Jugendlichen mit eigenen Themen einbringen: Umweltschutz, Digitalisierung, aber selbst das Thema Rente beschäftigt die Jugendlichen. »Ich muss früh genug anfangen, vorzusorgen. Und die Rente muss ja auch für die nächsten Generationen gesichert sein«, sagt Marie Wesselmann.

Der Klimaschutz müsse viel intensiver vorangetrieben werden. Marie und Marvin verzichten komplett auf Plastik, fahren Rad oder Bahn.

Fliegen und Klimaschutz – wie passt das zusammen?

»Jeden Morgen geht’s von Herford nach Düsseldorf und abends wieder zurück«, berichtet Marvin. Er arbeitet als Gewerkschaftssekretär für den Luftverkehr bei Verdi. Passt das für ihn als Grüner denn zusammen: fliegen und Klimaschutz? Marvin: »Ohne den Luftverkehr läuft natürlich nichts. Aber Flugreisen nach Mallorca für einen Euro? Das muss nicht sein!«

Solche Billigangebote lösten eine ganze Negativ-Kette aus: billige Arbeitskräfte, folglich Unterbesetzung an den Flughäfen, zu hoher Luftverkehr, zu viel Kerosinausstoß. »An vielen Stellschrauben muss gedreht werden. Und eine Co2-Steuer muss kommen.«

Für Umwelt- und Klimaschutz würden Marie und Marvin öfter den Bus nehmen – doch hier im Kreis Herford sei das ÖPNV-Angebot für junge Leute unattraktiv, die ländlichen Regionen zeitlich zu kurz angebunden. Auch das Radwegenetz müsse ausgedehnt werden. »Auf der Enger- oder Mindener Straße gibt's gar keinen Radweg. Das geht doch nicht!«, schimpfen die beiden Grünen.

»Treffpunkte für Jugendliche fehlen«

Und Treffpunkte für die Jugend? Fehlanzeige! Mit den Grünen soll sich das ändern – dafür wollen Marie, Marvin und die Anderen aus der Jugendgruppe kämpfen. Marvin Reschinsky: »Ich möchte auf jeden Fall für die Kommunalwahl kandidieren. So wie die Partei jetzt im Aufschwung ist, bekommen wir sicher mehr Ratsmandate als die jetzigen fünf.«

Kommentar

Wenn man persönlich betroffen ist, wird politisches Interesse geweckt. Bei Jugendlichen sind das Themen aus Schule (Änderung der Abi-Regeln zum Beispiel) oder Freizeit (wenn kein Bus zur Disco fährt). Wer darüber hinaus etwas bewegen möchte, gilt schon als Vorbild. Dabei sind junge Leute die Zukunft, und diese wollen sie natürlich mitgestalten. Neben Schule oder Studium, neben Ausbildung oder Job. Egal, welcher Partei man nahe steht, die Jugend macht sich Gedanken, aber auch Sorgen. Nicht tatenlos abwarten, sondern selbst Veränderungen anschieben, verdient Anerkennung und Unterstützung. Bärbel Hillebrenner

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