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Notunterkunft an der Werrestraße ist auch in der Nacht zu öffnen

Obdachlose finden ein warmes Bett

Herford (WB)

Vier Ziffern führen in die Wärme. Wer in Herford derzeit kein warmes Zimmer hat, muss einen vierstelligen Code kennen, der die Tür zur Notunterkunft an der Werrestraße 117 öffnet. Die Polizei kennt den Code, der täglich wechselt. Und Mitarbeiter der Diakonischen Stiftung, die diese Notunterkunft betreibt.

Stephan Rechlin

Die Kälte wird lebensgefährlich. Temperaturen von minus 17 Grad Celsius durchdringen auch gut gepolsterte Schlafsäcke. Foto: dpa

Der tägliche Wechsel der vier Ziffern soll Missbrauch vorbeugen, damit aus einer vorübergehenden Not- keine Dauerunterkunft wird. Sämtliche vier Betten sind nach Auskunft von Einrichtungsleiterin Bettina Schelkle derzeit belegt. Weil Temperaturen von bis zu minus 17 Grad Celsius in der Nacht lebensgefährlich sind, hätten Polizei, Stadt und Stiftung die bekannten Übernachtungsorte unter Brücken oder in Fußgängerunterführungen kontrolliert: „Wir haben niemanden gefunden, der gegenwärtig noch draußen übernachtet. Gegen diese Kälte würde auch kein noch so dick gepolsterter Thermoschlafsack helfen.“

Allerdings gebe es einen der Stiftung bekannten Mann und eine Frau, die Übernachtungen in der Notunterkunft ablehnten, von denen aber niemand wisse, wo sie sich derzeit aufhielten: „Um die beiden machen wir uns ernsthafte Sorgen.“ Wegen der Witterungsverhältnisse können sie seit Sonntag nicht einmal mit Lebensmitteln versorgt werden. Die Herforder Tafel teilt mit: „Aufgrund der aktuellen Wetterlage konnten die Fahrer am Montag und Dienstag keine Lebensmittel abholen.“ Am Dienstag fiel die Ausgabe in Herford aus, am Mittwoch werden in Enger und Spenge keine Ausgaben stattfinden.

Genau 962 Obdachlose zählt der Integrierte Wohnungsnotfall-Bericht des nordrhein-westfälischen Sozialministeriums für den Kreis Herford auf, der damit auf dem Niveau der Stadt Bielefeld (977) liegt, aber deutlich unter dem des Kreises Gütersloh (1180) bleibt. Auf diese im ostwestfälischen Vergleich hohe Zahl kommt der Kreis erst seit 2018. In jenem Jahr hat sich die Zahl der Obdachlosen von 423 (2017) auf 934 mehr als verdoppelt. Schelkle vermutet, dass seinerzeit erstmals wohnungslose Flüchtlinge in die Statistik einbezogen wurden.

Außer dem Code gibt es keine Hürden, um im Winter in Herford ein warmes Bett zu finden. Auch betrunkene Menschen, die sich in Not befinden, werden erst einmal versorgt: „Erst kommt das Bett und dann die Beratung“, sagt Bettina Schelkle, die auch die Beratungsstelle für Wohnungslose der Diakonischen Stiftung leitet. In dieser Beratungsstelle suchten immer mehr Herforder Hilfe, die ihre Mieten oder Nebenkosten nicht mehr zahlen könnten, dringend eine andere Wohnung bräuchten, aber in Herford nichts finden würden.

Obdachlose Frauen würden zunächst in einer anderen, separaten Wohnung in Herford unterkommen. Wenn sich herausstellen sollte, dass sie längerfristig untergebracht werden müssen, würde ihnen ein Zimmer in der Obdachlosenunterkunft an der Werrestraße zugewiesen.

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