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Eingriffe dauern oft nur Minuten – Grauer Star am häufigsten

OP-Jubiläum: Augenarzt Krallmann erreicht die 75.000

Herford (WB). Nach nicht einmal 360 Sekunden ist alles vorbei: Augenarzt Ralf Krallmann (52) hat soeben einen Grauen Star geheilt und damit eine Patientin vor der Erblindung gerettet. Es war seine 75.000. Operation in seiner Augenklinik an der Hansastraße.

Moritz Winde

Konzentration im OP-Saal: Schon einen Tag nach dem unblutigen Eingriff können die Patienten in der Regel wieder richtig sehen. Die Chancen einer Heilung des Grauen Stars stehen sehr gut. Foto: Moritz Winde

Wenige Momente zuvor: Olga Herbst liegt auf dem OP-Tisch und wird von einem Anästhesisten für die Fünf-Minuten-Narkose vorbereitet. »Ich habe mächtig Panik«, gesteht sie. Doch die 71-Jährie kommt nicht um den Eingriff herum, wenn sie wieder glasklar sehen möchte.

Vor allem beim Autofahren sei sie stark beeinträchtigt. »Es kann so nicht weitergehen.

Wenn mir im Dunkeln jemand mit Scheinwerfern und dann noch bei Regen entgegenkommt, bin ich wie im Blindflug unterwegs.« Kein Wunder. Denn bei der Frau aus Lippinghausen ist der Graue Star derart fortgeschritten, dass sie nur noch 20 Prozent Sehkraft besitzt. »Aus fünf Meter Entfernung kann sie nur noch eine Zahl in der Größe eines Din-A4-Blattes erkennen«, erklärt Ralf Krallmann.

Schuld ist ihre eingetrübte Augenlinse. Ein besonderes Kennzeichen für den Grauen Star ist bei einem fortgeschrittenen Stadium eine gräuliche Färbung hinter der Pupille. Daher stammt auch der Name. Schützen kann man sich davor nicht. »Irgendwann trifft es im Alter jeden«, sagt der Augenchirurg, dem in seiner seit 2004 bestehenden Praxis drei OP-Säle zur Verfügung stehen.

7 000 Eingriffe nimmt der langjährige Oberarzt der Düsseldorfer Uniklinik in Herford pro Jahr vor, 800.000 sind es deutschlandweit. Damit zählt der Graue Star zu den häufigsten Augenkrankheiten.

Auch Olga Herbst ist betroffen. Inzwischen wirkt die Kurzzeit-Betäubung. Mit einem Mini-Skalpell schneidet der Mediziner ein gerade einmal 1,8 Millimeter kleines Loch ins linke Auge. Durch das Hochleistungs-Mikroskop erscheinen Pupille, Adern und Blutkörperchen bis zu 42 Mal größer. Durch die winzige Öffnung manövriert er die zwölf Millimeter große Kunstlinse. Damit sie hindurchpasst, ist sie zunächst gefaltet. Erst an ihrem korrekten Platz wird die Linse geöffnet.

21,5 Dioptrien verhelfen der Rentnerin zu neuer Lebensqualität. »Die Menschen sind

voller Dankbarkeit, wenn sie wieder sehen können – und das schon einen Tag nach der OP«, sagt der 52-Jährige.

Olga Herbst war Ralf Krallmanns Operation Nummer 75.000. Woher er das weiß? »Alles wird im Computer registriert«, sagt der gebürtige Engeraner und überreicht seiner Jubiläums-Patientin einen Blumenstrauß. Dann geht’s zurück in den OP. »Die 100.000 mache ich locker noch voll.«

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