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Ein Kommentar von Hartmut Horstmann

OWL-Forum – nicht die Stunde der Schnellschüsse

Als Bürgermeister Tim Kähler die Machbarkeitsstudie zum OWL-Forum vorstellte und dabei auch die zu erwartenden Kosten nannte, lautete die positivste Nachricht: Die Kosten bewegen sich noch im zweistelligen Millionen-Bereich – immerhin das!

Hartmut Horstmann

Das Stadtheater müsste saniert werden. Die Alternative wäre ein Neubau für Aufführungen und Konzerte Foto: Hartmut Horstmann

Niemals zuvor war von 97 Millionen Euro für einen Neubau für Theater und Sinfoniekonzerte die Rede gewesen. Und so zeigten sich auch die Kommunalpolitiker mehr als überrascht.

Worum geht es? Die Machbarkeitsstudie schlägt einen Neubau für Theater und Konzerte am Güterbahnhof vor. Da die prognostizierten Kosten für die Stadt nicht zu stemmen wären, hofft der Bürgermeister, dass sich Land und Bund mit je einem Drittel beteiligen. Wenn der Rat darüber am Freitag abstimmen soll, dann unter der Voraussetzung einer solchen Förderung.

Folgt man den Berechnungen der Studie und muss die Stadt nur ein Drittel finanzieren, wäre ein Neubau kaum teurer als die Sanierung von Stadttheater und Schützenhof. Dass eine Sanierung notwendig ist, wissen die Politiker. Auch die Betriebskosten eines Neubaus und der bestehenden Gebäude liegen laut Gutachten nicht weit ausein­ander.

Die Rechnung, die für einen neuen attraktiven Kulturleuchtturm spricht, ist also verblüffend einfach. Vielleicht zu einfach, mag man einwenden. Immerhin haben die Herforder am Beispiel des Marta erlebt, dass sich Baukosten verdoppeln können. Die Politiker der einzelnen Parteien müssen jetzt ihrerseits Experten zu Rate ziehen, die die Stichhaltigkeit der Studie überprüfen – und damit auch den Aspekt der Jahrzehnte spürbaren Folgekosten.

Gesetzt den Fall, man will das Angebot von Theater und NWD erhalten, wenn nicht gar verbessern, wäre es fahrlässig, die Vorschläge der Studie kategorisch anzuzweifeln oder abzulehnen. Zu den Sofort-Kritikern zählte Heinz-Günther Scheffer (Liste 2004), der glaubt, beim Bürgermeister ein »erotisches Verhältnis zum Bauen« entdeckt zu haben. Doch dies ist nicht die Stunde der Schnellschießer und Erotik-Spezialisten.

Eine Prüfung braucht Zeit – daher wäre eine Abstimmung zu einem derart wichtigen Punkt in der nächsten Ratssitzung überhastet. Der Bürgermeister muss sich fragen lassen, warum er die Fraktionen nicht frühzeitig ins Boot geholt hat. Wenn es gilt, Fördermittel für ein regionales Leuchtturmprojekt zu bekommen, darf nicht der Eindruck entstehen, als sei das Vorhaben in der Stadt umstritten. Visionen alleine reichen nicht aus.

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