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Gericht verurteilt 31-Jährige aus Herford zu Geldstrafe – fristlose Kündigung

Post-Mitarbeiterin stiehlt Musicalkarten

Herford (WB). Job weg, Beziehung kaputt – und am Donnerstag verhängte das Gericht noch eine Geldstrafe: Eine Ex-Post-Mitarbeiterin muss für ihren Fehler teuer bezahlen. Sie hatte im Briefzentrum Herford zwei Musicalkarten aus einem Umschlag gestohlen. Ihr Mann hatte sie im Internet verkauft. Erlös: 100 Euro.

Moritz Winde

Zwei Karten für das Musical »Bodyguard« in Köln hat eine ehemalige Post-Mitarbeiterin aus einem Umschlag gestohlen. Ihr Mann verkaufte diese dann im Internet. Das Ehepaar wurde am Donnerstag zu Geldstrafen verurteilt. Foto: Moritz Winde

Sozialhilfe statt fester Lohn

Mit hängenden Schultern und betretenen Mienen saß das inzwischen getrennt lebende Paar auf der Anklagebank. Vorbei sind die glücklichen, unbeschwerten Zeiten einer jungen, gut situierten Familie mit zwei Kindern. »Es ist alles zusammengebrochen, was auf einem festen Fundament stand«, sagte Verteidiger Achim Depenbrock.

Statt 1500 Euro Nettolohn bezieht die 31-Jährige heute Sozialhilfe. »Eine Weiterbeschäftigung ist in solchen Fällen kategorisch ausgeschlossen«, sagt Rainer Ernzer aus der Pressestelle der Deutschen Post in Düsseldorf.

Doch was hatte die Frau zum Verstoß gegen das Briefgeheimnis und zum Diebstahl getrieben? Trotz mehrfacher Nachfrage von Richterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk konnte oder wollte sie nicht erklären, weshalb sie sich zu der verhängnisvollen Tat hatte hinreißen lassen.

Ehepaar gesteht Vorwürfe

Zumindest räumte sie am Donnerstag die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft voll umfänglich ein. Leugnen hätte ohnehin wenig Sinn gehabt angesichts der lückenlosen Beweiskette. Selbst Anwalt Depenbrock stellte fest: »Die Tatausführung war stümperhaft. Der Polizei wird es selten so leicht gemacht.«

Die Angeklagte hatte die Tickets für das Musical »Bodyguard« in Köln während ihrer

Schicht am 6. Juni vergangenen Jahres aus einem Umschlag stibitzt, diesen wieder zugeklebt und zurück in den Umlauf gebracht. Ein folgenschwerer Fehler. Als nämlich der eigentliche Empfänger – ein Mann aus Monheim am Rhein – statt der ersehnten Karten ins Leere griff, erstattete er Anzeige.

Die Polizei ging der Sache auf den Grund. Bei der Aufführung am 11. Juni brauchten die Ermittler lediglich die Besucher auf den Plätzen 48 und 49 in Reihe 15, Parkett rechts, zu fragen, woher sie die Karten hatten. Die Spur führte nach Herford zum angeklagten Ehepaar. Denn der Mann hatte die Karten bei Ebay-Kleinanzeigen verkauft – und zwar unter seinem richtigen Namen. Da er wusste, dass die Tickets von seiner Frau illegal beschafft worden waren, wurde er wegen Hehlerei zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt. Seine Frau muss 600 Euro zahlen. Beide waren nicht vorbestraft.

Ein einmaliges Vergehen?

Drei Jahre hatte die Angeklagte im Post-Verteilzentrum an der Bielefelder Straße gearbeitet – bis zu jenem Sommerabend 2016, an dem sie lange Finger bekam. War es ein einmaliges Vergehen? Oder hatte sie bereits vorher fremde Briefe geöffnet? Nachweisen konnten ihr die Strafverfolgungsbehörden zumindest nur diese eine Tat. »Woher wussten Sie, dass in dem neutralen Umschlag Musicalkarten steckten?«, fragte Richterin Tanja Schwöppe-Funk – und bekam keine Antwort. Sie betonte, dass die Angeklagte als Postmitarbeiterin eine besondere Verantwortung und Sorgfaltspflicht gehabt habe: »Die Menschen haben Ihnen wertvolle Dinge anvertraut.«

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