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Schulministerin informiert sich über konfessionell-kooperativen Religionsunterricht

»Profil wird geschärft, nicht verwässert«

Herford (WB). Wer evangelisch ist, dessen Religionsunterricht muss anders aussehen als bei katholischen Schülerinnen und Schülern. So wurde lange Zeit gedacht. Dass es auch anders geht, davon konnte sich NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bei einem Besuch an der Gesamtschule Friedenstal überzeugen.

Ralf Meistes

Schüler der Klasse 9 der Gesamtschule Friedenstal sprachen mit Ministerin Yvonne Gebauer über die Arbeit von Caritas und Diakonie. Foto: Ralf Meistes

Seit dem Schuljahr 2018/19 können Schulen in NRW für den evangelischen und katholischen Religionsunterricht eine konfessionelle Kooperation mit gemeinsamen Lerngruppen einführen. An der Gesamtschule Friedenstal wird dies praktiziert. Das bedeutet, katholische und evangelische Religionslehrer unterrichten wechselseitig die Klassen.

Vielzahl an Religionen

»Wir machen jetzt nicht alles anders. Aber die Zusammenarbeit erfordert, dass wir uns noch mehr mit der Religion des anderen beschäftigen. Natürlich werden da Gemeinsamkeiten deutlich. Zugleich wird aber die eigene Position in diesen Gesprächen noch einmal geschärft und nicht verwässert«, sagte Christoph Glins. Er ist katholisch und einer der sechs Religionslehrer an der Gesamtschule Friedenstal.

Ralf Strate, evangelischer Religionslehrer, ergänzt: »Wir haben eine Vielzahl an Religionen an dieser Schule. Das bedeutet, wir unterrichten seit Jahren religiös-kooperierend. Jetzt ist das Ganze aber offiziell und wir haben die Chance, das Thema systematischer anzugehen.«

Von 813 Schüler sind 291 Christen

Von den derzeit 813 Schülerinnen und Schülern an der Herforder Gesamtschule gehören 291 einer christlichen Konfession an. »522 Schüler haben eine andere oder gar keine Konfession«, sagte der kommissarische Schulleiter Bernd Höner, der selbst evangelische Religion unterrichtet.

Diese Vielfalt wurde Ministerin Gebauer auch durch die Präsentation einiger Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen gespiegelt. Da ging es um die Frage der Barmherzigkeit. Die Schüler, zum Teil katholisch, zum Teil evangelisch, aber auch Orthodoxe, Muslime und Konfessionslose, klärten darüber auf, auf welchen Ebenen der katholische Caritasverband und der evangelische Diakonieverband Menschen helfen.

Antrag von 200 Schulen

Natürlich wurden bei der Aufzählung auch Unterschiede deutlich. »Am Ende verfolgen beide aber dasselbe Ziel, nämlich Menschen zu helfen. Da spielt Religion dann keine Rolle«, sagte Delin Kamo. Die 15-Jährige besucht ebenfalls die 9. Klasse und ist Muslima.

Auf Nachfrage erklärte Petra Hakenberg, Dezernentin bei der Bezirksregierung Detmold, dass es an anderen Schulen auch Religionslehrer gibt, die sich diese Form des Unterrichts noch nicht vorstellen können. Von den 1800 Schulen im Erzbistum Paderborn hätten immerhin 200 Schulen bereits den Antrag gestellt, um ebenfalls den konfessionell-kooperativen Unterricht anbieten zu können, berichtete Schulrat Roland Gottwald. »Und das in nur acht Monaten, seitdem das Verfahren läuft.«

Eine Botschaft, die die gebürtige Kölnerin Yvonne Gebauer mit in ihre Heimat nimmt. Denn das Erzbistum Köln hat die Kooperationsvereinbarung nicht unterzeichnet.

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