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40-jähriges Bestehen des Grünen-Kreisverbandes mit Fraktionschef Anton Hofreiter

Proteste vor der Feierstunde

Herford (WB). „Sie haben auf kommunaler Ebene, wo die Demokratie am stärksten erfahrbar ist, viel geleistet“, lobte Anton Hofreiter das 40-jährige Engagement des Grünen-Kreisverbandes Herford. Zuvor bekam es der mit der Bahn angereiste Chef der Grünen Bundestagsfraktion mit einer Protestaktion heimischer Landwirte zu tun.

Karl-Hendrik Tittel

Austausch auf Augenhöhe: Der Chef der Grünen-Bundestagsfraktion Anton Hofreiter (von links), daneben Britta Haßelmann aus Bielefeld, parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, im Gespräch mit den Landwirten Jan-Wilhelm Wetehof und Julius Install vor dem Bahnhof. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Die sieben mit Spruchtafeln geschmückten Traktoren vor dem Herforder Bahnhofsgebäude dienten vorrangig als Kulisse. „Wir hätten auch 100 Traktoren auffahren lassen können, aber wir wollen nicht stören, sondern suchen den sachlichen Dialog“, sagte der Herforder Landwirt Jan-Wilhelm Wetehof. „Wir wollen nicht länger von der Politik als Sündenbock für Dinge angeprangert werden, für die wir nichts können“, ergänzte der Engeraner Jungbauer Julius Install. Sie sind die Hauptorganisatoren der Protestaktion, gemeinsam mit rund 50 Kollegen aus der Region konfrontierten sie Anton Hofreiter öffentlich mit ihrer Sicht der Dinge.

150 Betriebsbesuche

Ob ihm bewusst sei, wie sehr die Landwirte unter Druck stünden, fragte Wetehof. Nach mehr als 150 Betriebsbesuchen sei ihm das sehr wohl bewusst, so Hofreiter, und sprach unter anderem die Milchkrise an. Man habe aber eine politische und keine marktwirtschaftliche Krise, entgegnete Wetehof und fragte den Spitzenpolitiker nach konkreten Lösungsvorschlägen. „Ein Ziel zu formulieren hilft Ihnen nichts, die Bundesregierung setzt vieles nicht um.“

Das reichte den Landwirten als Antwort nicht. Ob er denn wolle, dass die Bevölkerung das Vertrauen in die Landwirtschaft verliere. „Es ist unbestritten, dass die Arten sterben, und die großen Mengen an Dünger und Insektiziden gehören zu den Ursachen“, positionierte sich der studierte Biologe deutlich.

Rund 180 Gäste im Elsbachhaus

„Also lassen wir unsere Ernte von Schadinsekten vernichten?“, hakte Landwirt Burkhard Berg nach. „Biolandwirte liefern auch gute Erträge“, entgegnete Hofreiter. Der 15-minütige Austausch blieb sachlich, wurde gegen Ende aber zunehmend emotionaler. Es blieben gemischte Gefühle und das vage Versprechen seitens der Grünen, das Gespräch zu vertagen.

Im Elsbachhaus dann das Kontrastprogramm: Rund 180 Gäste, Vertreter der Grünen aus der Bundes- und Landespolitik, den heimischen Orts- sowie benachbarten Kreisverbänden, anderer Parteien und des öffentlichen Lebens, nahmen an der Feier zum 40-jährigen Bestehen des Herforder Grünen-Kreisverbandes teil. Dessen Sprecher Angelika Fleischer und Sascha Steffen moderierten den offiziellen Teil, ließen die 40 Jahre Revue passieren, zählten Erfolge auf und blickten mit viel Optimismus auf die kommenden Jahre.

Herausforderungen der Zukunft

„Obwohl die Herausforderungen der Zukunft gigantisch erscheinen, heißt das nicht, dass wir sie nicht in den Griff bekommen“, sprach Anton Hofreiter. Es sei wichtig, für Demokratie und Rechtstaatlichkeit zu kämpfen. „Vielen Dank, dass ihr euch seit 40 Jahren auf der kommunalpolitischen Ebene engagiert.“

Monika Düker schlug in die gleiche Kerbe: „In der Kommunalpolitik kann man was reißen“, sagte die Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion und deutete auf die anwesenden Mitglieder der 2019 gegründeten Herforder Grünen Jugend. Daher sei die Stichwahl auch so wichtig. „Wir brauchen eine starke demokratische Legitimation für politische Ämter.“ Landrat Jürgen Müller strebt als gemeinsamer rot-grüner Kandidat bei der Kommunalwahl im Herbst eine weitere Amtszeit an.

„Wir müssen dafür sorgen, dass sich keine Gruppierung in unserer Gesellschaft vergessen fühlt“, betonte er. Für den Klimaschutz hätte man im Kreis bereits viel bewegt. „Wir wollen den ÖPNV ausbauen, werden das 1-Euro-Ticket realisieren und ein attraktives Radwegeangebot schaffen.“

40 Jahre Grüne: Angela Schmalhorst, Landrat Jürgen Müller, Angelika Fleischer, Britta Haßelmann (MdB aus Bielefeld), Sascha Steffen, Monika Düker (Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion), Herbert Even, Anton Hofreiter (Chef der Grünen-Bundestagsfraktion) und Landtagsabgeordnete Wibke Brems (von links). Foto: Tittel
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