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Neu geplantes Wohnquartier eröffnet Chancen für einen interessanten Treffpunkt

Pump-Track für Elverdissen?

Herford (WB). Jugendjahre in Elverdissen können hart sein. Hängt man gerade mit ein paar Kumpels auf dem Grundschulhof ab, kommen da prompt zwei Typen von einem Sicherheitsdienst und fordern einen auf, zu verschwinden. Höflich natürlich. Aber wohin verschwinden?

Stephan Rechlin

Anja Huß vom Verein Unser Elverdissen schlägt einen Pump-Track unterhalb des Anna-Siemsen-Kollegs vor. Ihr geht es um einen Treffpunkt, bei dem Jugendliche zuvor keine Eintrittserklärung unterzeichnen müssen.

Über diesen Vorfall berichtete ein Teilnehmer bei der jüngsten Bürgerversammlung zum Aufbau einer Mehrgenerationen-Wohnsiedlung auf dem Areal des Anna-Siemsen-Berufskollegs (ehemalige Hauptschule). Eine weitere Anwohnerin korrigierte: Der Sicherheitsdienst gehe nur gegen Jugendliche vor, die sich nicht zu benehmen wüssten: „Wir hatten eine Zeitlang enorme Probleme mit nächtlicher Ruhestörung in Elverdissen. Daraufhin haben wir uns Hilfe geholt.“

Engagierte Bürgerschaft

Unter den 65 Teilnehmern der Versammlung war kein einziger Jugendlicher, der dazu etwas sagen konnte. Anja Huß vom Verein „Unser Elverdissen“ griff das Dilemma auf: „Jetzt reden wir hier den ganzen Abend nur wieder über Wohnungen und Verkehr. Also darüber, wie man in Elverdissen noch besser schlafen kann und wie man noch besser von hier wegkommt. Wir verlieren kein Wort darüber, was einen wohl bewegen könnte, hier zu bleiben und hier zu leben.“

Für Herfords Jugenddezernentin Birgit Froese-Kindermann erledigt sich diese Aufgabe so gut wie von allein: „Elverdissen hat eine äußerst engagierte Bürgerschaft mit sehr aktiven Vereinen. Ich denke, dass sie maßgeblich zur Aktivierung des neuen Quartiers beitragen werden.“

Mehr Freiräume schaffen

Zu diesen Vereinen zählen unter anderem der TV Elverdissen, der CVJM Elverdissen und die Jugendfeuerwehr. Auf der freien Scholle in Bielefeld, dem Vorbild für die Pläne in Elverdissen, hat die Einbindung Jugendlicher in die Mehrgenerationen-Siedlung bisher nicht funktioniert, wie Referent Thomas Möller einräumte. Und auch in der Versammlung in Elverdissen wurden Zweifel geäußert, ob Jugendliche große Lust verspüren, den Jugendtreff neben dem Nähkurs im Mehrgenerationen-Café aufzusuchen.

Anja Huß sei es mit ihrem Einwand ja auch mehr um die freie, organisationsungebundene Jugendszene in Elverdissen gegangen: „Musik hören. Chillen. Gemeinsam Zeit verbringen, ohne wieder einem Stundenplan zu folgen oder sich zu regelmäßiger Teilnahme zu verpflichten.“ Sie hält zum Beispiel einen Pump-Track für eine gute Idee, das ist ein Rundkurs mit Wellen, Steilkurven und Sprüngen, auf dem sowohl mit Fahrrädern als auch mit Skateboards, Longboards, Inlineskates und Scootern gefahren werden kann.

Huß: „Auf der Freifläche unterhalb des Siemsen-Kollegs wäre dafür jede Menge Platz. Ein Pump-Track verträgt sich auch mit einer Wohnsiedlung, weil er längst nicht so laut wie eine Betonpipe für Skateboards ist.“

Kommentar

Jugenddezernentin Birgit Froese-Kindermann setzt auf Bürger und Vereine, die sich um Jugendliche in Elverdissen kümmern sollen. Mehr bleibt ihr angesichts eines seit Jahrzehnten stagnierenden oder nur leicht angehobenen Jugendförderbudgets nicht übrig. Das Geld – im Kinder- und Jugendförderplan 2016 bis 2020 sind 429.000 Euro ausgewiesen – wird vor allem an die freien Träger der Jugendhilfe überwiesen und in Projekte zur Teilhabe, Bildung und Integration von Jugendlichen gesteckt, wobei die Einbindung von Kindern und Jugendlichen aus Migrationshaushalten eine hohe Priorität genießt. In Elverdissen leben 7,6 Prozent aller Zehn- bis 18-Jährigen in Herford und 6,3 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen. Beim Jugendquotienten, dem Anteil aller junger Menschen an den Bürgern mittleren Alters, liegt Elverdissen hinter Herringhausen und der Nordstadt. Der Stadtteil zwischen Herford und Bielefeld genießt also nicht den höchsten Stellenwert bei der Verteilung von Fördermitteln. Wenn in den kommenden fünf Jahren sowieso ein paar Millionen Euro in den Neubau einer neuen Siedlung investiert werden, sollten Eltern und Großeltern der jungen Generation jetzt gut aufpassen. Denn sie kennen die richtigen Adressen, an die Anträge zu stellen sind. Stephan Rechlin

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