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Helmfried von Lüttichau stellt am 20. Januar sein Programm „Plugged“ vor  - Kartenverlosung

Rockstar-Träume auf Herfords Theaterbühne

Herford

Auf den Pressefotos präsentiert sich Helmfried von Lüttichau mit einer E-Gitarre. Doch in dem Programm „Plugged“,  mit dem er  am 20. Januar  im Herforder Stadttheater  zu erleben ist, erzählt er die Geschichte, wie er kein Rockstar wurde. Hartmut Horstmann stellte dem früheren TV-Polizisten (Hubert und Staller) daher einige Fragen. In dem Interview geht es um Vorabendserien, Adelsnamen und Keith Richards.  

Von Hartmut Horstmann

Er hatte schon immer den Traum,  Rockmusiker zu sein: Helmfried von Lüttichau stellt am 20. Januar im Stadttheater sein Programm „Plugged“ vor.  Der Auftritt beginnt um 20 Uhr Foto: Susie Knoll

Das erste, über das man im Zusammenhang mit Ihnen stolpert, ist Ihr Name. Ist ein ungewöhnlicher Adelsname einer künstlerischen Karriere förderlich oder nicht?

Helmfried von Lüttichau: Ich denke eher nicht. Ich bin in den 1970er und -80er Jahren Schauspieler geworden und da war das Adelige eher suspekt oder uncool. Ich hatte auch selber das Gefühl, die ganze adelige Tradition und Erziehung wäre, wenn man Schauspieler werden will, eher hinderlich. Denn zum Künstlersein gehört ja doch eine gewisse Freiheit. Dieser Freiheit stand damals meiner Meinung nach das Adelige im Wege. Meine Orientierung war eher das Auftreten von Rockstars, schon immer.

Werden Sie manchmal gefragt, ob es sich um einen Künstlernamen handelt?

Von Lüttichau: Ja, das bin ich tatsächlich schon gefragt worden. Ich habe dann immer gesagt: So einen Namen kann man sich nicht ausdenken. Aber tatsächlich hatte ich kurzzeitig mal überlegt, mir etwas einfacheres als Künstlernamen zu suchen. Das hab ich dann aber doch ganz schnell wieder bleiben lassen. Sonst wäre vielleicht noch sowas Albernes rausgekommen wie „Helmo Lüttin“!

Der Mann, der Staller war: Helmfried von Lüttichau (rechts) und Christian Tramitz (Hubert) gingen als Vorabend-Polizisten auf Verbrecherjagd.  Foto: picture alliance / Ursula Düren/dpa

Einem breiteren TV-Publikum sind Sie durch die Rolle in  „Hubert und Staller“ bekannt geworden. Bei regelmäßigen Vorabendserien hat der Zuschauer oft das Gefühl, als wären die Schauspieler auch privat genau wie ihre Rolle. War das ein Grund, dort auszusteigen?

Von Lüttichau: Nein, überhaupt nicht. im Gegenteil: Das ist ja gerade das Wunderbare an so einer Rolle wie dem Staller, dass da sehr viel von der eigenen Person mit einfließen kann und dass dann die Drehbücher einem quasi auf den Leib geschrieben werden. Dadurch bekommt die Rolle etwas ganz Persönliches. Und genau das war mir immer sehr wichtig. Bloß hab ich dann nach sieben Jahren Serie gedacht - dazu wurde ich 60  - dass ich noch mal etwas anderes machen will. Wobei ich damals noch gar nicht wusste, was dieses Andere genau ist. Der Ausstieg war sozusagen ein Sprung ins kalte Wasser. Ich hab mich wieder auf die Suche begeben.

"Er ist der beste Ungeschickte“, soll Hubert-Darsteller Christian Tramitz   über Sie gesagt haben. Was meint er damit?

Von Lüttichau: Es ging damals um eine Szene, in der ich (als Polizist) in eine Scheune kam und dort über eine Leiter stolpern sollte. Ich hatte das vorher nicht wirklich geprobt, sondern habe gesagt, lasst die Kamera laufen, ich mach das jetzt und schau, was passiert. Dann bin ich ohne Plan losmarschiert und bin irgendwie gestolpert, hab mich dann in der Leiter verheddert, bin kurz hingefallen, hab mich wieder gefangen, also alles ziemlich chaotisch. Es sah sehr echt aus und ein bisschen weh getan hat’s auch. Aber es sah lustig aus. Da hat der Christian mir dann dieses Kompliment gemacht, das ich jetzt für mein Programm zitiere. Denn auch da ist meine Ungeschicklichkeit ein großes Thema.

In dem Programm, mit dem Sie nach Herford kommen, versprechen Sie eine unterhaltende Mischung aus Gedichten, Dialekten und Rockmusik. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

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Von Lüttichau: Dass ich mit großer Freude auf der Bühne all das mache, was mir Spaß macht und was mich umtreibt. Also eine One-Man-Show mit Musik und allem, was dazu gehört. Der rote Faden ist die Geschichte, wie ich kein Rockstar wurde. Obwohl ich das  natürlich gern geworden wäre. Ich glaube, mit diesem Wunsch bin ich nicht allein. Aber das Leben geht dann doch oft ganz andere Wege. Eben auch Irrwege, mit Hindernissen, an denen man manchmal ziemlich scheitern, aber vielleicht auch wachsen kann. Davon erzähle ich. Und schlüpfe dabei auch in die unterschiedlichsten Rollen. Vielleicht auch in die des Rockstars…

Schreiben Sie Texte und Musik selbst?

Von Lüttichau: Ja. Das war mir von Anfang an das wichtigste und das ist auch das große Geschenk, dass ich jetzt mit etwas wirklich eigenem auf die Bühne gehen kann. Gut, die Rocksongs - und auch das eine oder andere Gedicht - sind natürlich nicht von mir, aber die Interpretation dann schon. Da hat mir auch niemand reingeredet. Ich wollte auch bewusst keinen Regisseur, der mir dann wieder ein Stück Freiheit genommen hätte, wenngleich ich natürlich Freunde nach Ihrer Meinung gefragt habe und die Kritik, die es natürlich auch gab, versucht habe, umzusetzen. Das mache ich auch weiterhin. So entwickelt sich das ganze ständig weiter und bleibt lebendig.

Als Inspirationsquellen nennen Sie Karl Valentin, Robert Gernhardt und Keith Richards. Dass die Messlatte hoch liegt, wissen Sie. Ist das Ansporn, Selbstironie oder Lust am Scheitern?

Von Lüttichau: Alles dreis. Oder wie sagt man das? Also, alle drei Begriffe treffen zu. Das ist ja gerade die Freiheit, die ich habe, dass ich das Scheitern direkt zum Thema mache. Und wenn tatsächlich etwas daneben geht, weiß niemand genau, ob das geplant war oder nicht. Man denkt immer, das gehört zum Stück. Weil ich versuche, mich immer am Risiko entlang zu bewegen. So in etwa, wie eben bei dem Stolpern über die Leiter beim Dreh von „Hubert und Staller". Ich habe auch keinen gelernten Text, so dass auch die Vorstellung jedes mal anders ist und ich immer spontan auf das Publikum reagieren kann.

Auf den Pressefotos sind Sie als Rockmusiker zu sehen. Was wäre, wenn Mick Jagger bei Ihnen anrufen würde? Würden Sie den Auftritt im Herforder Stadttheater zugunsten eines Konzertes mit Keith Richards und den Stones absagen?

Von Lüttichau: Auf gar keinen Fall! (lacht). Aber ich hab ja tatsächlich ab und zu auf der Bühne musikalische Gäste, da würde ich mir in dem Fall sofort die Stones nach Herford einladen und würde mit denen das Stadttheater aber sowas von rocken!

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