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Autobahnmeisterei produziert selbst das Mittel gegen Eis und Schnee – Einsatz auch in Taumittelsprühanlage

Salzsole made in Herford

Herford (WB)

Nach dem Wintereinbruch ist vor dem nächsten: Und weil das so ist, ist die Herforder Autobahnmeisterei auf das nächste Tief bestens vorbereitet.

Moritz Winde

Rein damit: In diesem Kessel wird Salz mit Wasser gemischt. Die fertige Sole soll dann auf den Autobahnen Schnee und Eis tauen lassen. Die Lösung ist wirksamer als pures Streusalz. Foto: Moritz Winde

Im Gegensatz zu vielen anderen Bauhöfen rückt das Team von Betriebsleiter Stefan Meyer Eis und Schnee nicht mit Salz, sondern mit einer speziellen Salzsole auf die Pelle. Praktischerweise kann diese Lösung vor Ort selbst zusammengemischt werden.

Man nehme 22 Prozent Natriumchlorid und mische dieses mit Wasser. „Wir machen im Prinzip also nichts anderes, als wenn Sie zu Hause Kartoffeln kochen – eben nur im größeren Stil und natürlich ohne Kartoffeln“, sagt Stefan Meyer.

Der entscheidende Vorteil dieser Kombination im Gegensatz zu purem Streusalz: Die trübe Lösung kann durch Verwehungen nicht so schnell zur Seite gefegt werden, sondern bleibt dort, wo sie hin soll – auf dem Asphalt. Auf den Straßen kann das Mittel dann seine volle Tau-Wirkung entfalten. Außerdem wird mit diesem Verfahren ein schnellerer Erfolg erreicht – und zwar mit geringeren Salzmengen.

Das Lager war schon mal voller: Stefan Meyer, Chef der Autobahnmeisterei, hat aber bereits Nachschub geordert. Foto: Moritz Winde

Tausende Liter dieser konzentrierten Sole sind in den vergangenen Wochen auf den heimischen Autobahnen gelandet. Sobald etwas verbraucht wird, kann in Windeseile nachproduziert werden. Der Vorratskessel ist mit 60.000 Litern randvoll, jederzeit kann abgezapft werden.

Die Herforder Meisterei an der Vlothoer Straße, die seit kurzem zur Autobahn GmbH gehört, ist für 83 Kilometer zuständig – auf der A30 von Bruchmühlen bis Bad Oeynhausen und auf der A2 von Bielefeld bis Kleinenbremen. Als Tief Tristan die Region ins Schnee-Chaos stürzte, war die 26-köpfige Crew im Dauereinsatz. „Einen solchen Winter haben wir seit zehn Jahren nicht mehr gehabt“, sagt Stefan Meyer, der seit 2012 das Sagen in der Niederlassung in Schwar­zenmoor hat.

Dementsprechend übersichtlich sieht es im Salzlager derzeit aus. Von den ursprünglich mehr als 700 Tonnen Vorrat, sind in diesem Winter schon 500 Tonnen weg. Aber keine Bange: Nachschub sei bestellt, versichert der 54-Jährige.

Los geht‘s: Der Winterdienst war zuletzt im Dauereinsatz. Jetzt müssen die Frostschäden repariert werden. Foto: Moritz Winde

Nicht nur mit den acht Fahrzeugen der Meisterei wird das Feuchtsalz-Gemisch aufgebracht. Einen nicht unerheblichen Teil braucht die Taumittelsprüh­anlage am Bielefelder Berg. Seit 1995 soll die unsichtbare Anlage – lediglich ein Schild weist auf ihre Existenz hin – dabei helfen, die rutschigen Spuren befahrbar zu machen.

Das Prinzip ist simpel: „In der Fahrbahn sind unterirdisch Leitungen verlegt. Düsen verteilen die Salzsole bei Bedarf gleichmäßig“, erklärt Stefan Meyer. Das ist in etwa vergleichbar mit einem löchrigen Gartenschlauch, der fürs Bewässern der Pflanzen im Beet genutzt wird. Dieser Vorgang läuft automatisch. Das System erkennt selbst, wann die Straße glatt ist.

Die Lösung lagert in zwei 20.000 Liter großen Tanks neben der Autobahn, die in unscheinbaren Gebäuden untergebracht sind. Von dort gelangt die Salzsole mit Hilfe von Pumpen an Ort und Stelle.

Doch obwohl am Bielefelder Berg quasi von unten und oben gestreut wird, müssen vor allem Lastwagen bei Reifglätte immer wieder vor der Vier-Prozent-Steigung kapitulieren. So gut die Salzsole auch ist, gegen die Winterkräfte der Natur ist der Mensch mitunter machtlos.

Alles in Ordnung: Straßenwärter Robin Meierebert (26) überprüft die Herstellung der Salzsole. Foto: Moritz Winde
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