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Klinikum streitet mit Baufirmen und Architekt

Schadensersatzanspruch in Millionenhöhe

Herford (WB). Fast 100 Millionen Euro hat das Klinikum Herford in den vergangenen Jahren investiert. Bauprojekte dieser Größenordnung verlaufen nie reibungslos. Auch nicht in Herford. Das Klinikum liegt mit Bauunternehmen und Architekten im Clinch. Streitwert: knapp unter zehn Millionen Euro.

Ralf Meistes

Fast 49 Millionen Euro hat die Sanierung und Modernisierung des Haupthauses des Klinikums Herford gekostet.

Diese Summe bestätigte Vorstand Rudolf Küster am Freitag auf Anfrage. Allein in der Auseinandersetzung mit einem Architekturbüro, von dem das Klinikum sich 2015 getrennt hat, beträgt der Streitwert etwa 4,5 Millionen Euro. »Es geht um Honorare, aber auch um Schadensersatzansprüche«, betont Küster. Bei Bauprojekten dieser Größenordnung seien gerichtliche Auseinandersetzungen »Standard«, sagt Küster, der seit Mai 2014 beim Klinikum verantwortlich für Bauen, Technik und Informationstechnik ist.

Es geht um Arbeiten, die aus Sicht der Klinikleitung nicht fachgerecht ausgeführt worden sind. Auseinandersetzen müssen sich die Juristen des Klinikums aber auch mit Insolvenzverwaltern, nachdem Firmen, die am Klinikbau beteiligt waren, Insolvenz anmelden mussten.

Defizit für 2017 beträgt 4,5 Millionen Euro

Klar ist bereits heute: Das Klinikum wird nicht in allen Streitfällen Recht bekommen. Wie viel das Klinikum von den knapp zehn Millionen Euro Streitwert tatsächlich erhält, müssen Gerichte entscheiden.

In einer Mitarbeiterversammlung am Donnerstag hatten Rudolf Küster und Vorstandssprecher Stephan Judick über die finanzielle Schieflage beim Klinikum informiert. Das Defizit für 2017 beträgt 4,5 Millionen Euro und auch in den kommenden zwei Jahren wird das Krankenhaus an der Schwarzenmoorstraße rote Zahlen schreiben. Dabei heißt es auf der Homepage des Klinikums: »Das Klinikum muss jährlich Überschüsse erwirtschaften, um sich baulich und medizintechnisch weiter zu entwickeln.« Spätestens 2020, davon ist Judick überzeugt, hat das Krankenhaus das Delta durchschritten.

Belastet wird die Bilanz durch Zinsen und Tilgungen, die das Klinikum nach der regen Bautätigkeit der vergangenen Jahre zu leisten hat. Aber auch im operativen Geschäft sei ein Minus von einer Million Euro erzielt worden. Gemeinsam mit den Mitarbeitern arbeitet der Vorstand derzeit an einer Medizinstrategie. »Wer werden Investitionen und die Medizinstrategie eng aufeinander abstimmen und bestimmte Bereiche gezielt fördern«, betont Judick.

Geburtshilfe soll gestärkt werden

Gestärkt werden soll unter anderem die Geburtshilfe. So soll neben dem Mutter-Kind-Zentrum auch die gynäkologische Versorgung ab dem 1. Juli im modernisierten Haupthaus stattfinden.

Und noch etwas treibt den Vorstand um. Etwa 40 Prozent der Menschen aus dem Kreis Herford werden derzeit in einem Krankenhaus außerhalb des Kreises behandelt. Das bedeutet für Judick: »Wir müssen mehr darauf aufmerksam machen, welche hervorragende Arbeit hier geleistet wird.« Vor diesem Hintergrund sollen auch intensivere Gespräche mit den niedergelassenen Ärzten im Kreis geführt werden.

Und: Der Eingangsbereichs des Haupthauses soll verschönert werden. Denn die jetzige Situation drücke nicht aus, »welche Hochleistungsmedizin hier geboten wird«, so Judick.

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