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Kreis Herford schlägt in der Finanzierung der drei Insolvenz- und Schuldnerberatungsstellen einen neuen Kurs ein

Schluss mit den jährlichen Defiziten

Herford (WB)

Ohne die Hilfe des Kreises wäre die Insolvenz- und Schuldnerberatung im Kreis Herford längst pleite. Im Jahr 2018 glich der Kreis das Defizit mit 155.000 Euro aus, ein Jahr darauf mit 134.222 Euro. Für das Jahr 2020 wurden bereits Abschläge auf den zu erwartenden Fehlbetrag überwiesen.

Stephan Rechlin

Der Kreis fasst die Schuldner- und Insolvenzberatung in seiner jährlichen Förderung künftig zusammen. Foto: Jochen Lübke

Insolvente und überschuldete Menschen werden im Kreis Herford von drei Organisationen beraten: der Arbeiterwohlfahrt, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Sozialdienst katholischer Frauen. Die drei Träger steuern jedes Jahr zehn Prozent eigenen Anteil zu den Betriebskosten bei. Vom Land gibt es noch einen Zuschuss zur Insolvenzberatung, der Sparkassenfonds fördert einzelne Projekte. Als Hauptfinanzierer ist der Kreis in jedem Jahr mit gut zwei Millionen Euro dabei.

Um von den ständigen Jahresdefiziten wegzukommen, möchte der Kreis den Fördermodus umstellen. Statt wie bisher einen allgemeinen Betriebskostenzuschuss zu überweisen und ansonsten jede Beratung eines einzelnen Grundsicherungs- oder Sozialhilfeempfängers einzeln abzurechnen, sollen Insolvenz- und Schuldnerberatung künftig gemeinsam veranschlagt werden. Was nicht durch die Zuflüsse aus dem Land, aus eigenen Anteilen und aus dem Sparkassenfonds abgedeckt ist, wird der Kreis ausgleichen – allerdings nur bis zu einer vereinbarten Höhe. Für die drei Schuldner- und Insolvenzberatungen bedeutet das eine Reduzierung ihrer Kosten von bisher 5,55 auf 5,3 Vollzeitstellen. Dafür lässt der Kreis ihnen bis 2022 Zeit. Die Einsparung erscheint dem Kreis vertretbar, da die Beraterquote von einem Mitarbeiter auf 47.000 Einwohner die beste in ganz Ostwestfalen-Lippe ist.

Tatsächlich ist die Finanzierung solcher Beratungsstellen in anderen Kreisen auf höheren Widerstand gestoßen. In Gütersloh etwa lehnte der Kreis sie ab, weil es Insolvenzberatung auch an anderer Stelle gebe. So eine „künstliche Trennung“ lehnt der Kreis Herford dagegen ab: „Die Durchführung einer Insolvenzberatung setzt eine vorangegangene Schuldnerberatung voraus. Es hängt hierbei on den konkreten finanziellen Perspektiven und der psychosozialen Situation der Ratsuchenden ab“, stellt der Kreis in seiner Vorlage an den Sozial- und Gesundheitsausschuss fest.

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