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Gärtnermeister Heiner Schwagmeier hat Angst um seine Rosen – schon mehr als 200 Scheiben zerbrochen

Schneelast zu schwer für Gewächshäuser

Herford (WB)

Mit jedem Knacken zuckt Heiner Schwagmeier zusammen: Viele Scheiben seiner Gewächshäuser brechen unter der enormen Schneelast zusammen. Schon jetzt sind mehr als 200 zu Bruch gegangen – und der 55-Jährige kann nur tatenlos zusehen.

Moritz Winde

„Man ist machtlos“: Heiner Schwagmeier hat die nächste gebrochene Scheibe entdeckt. Das vier Millimeter dünne Glas hält den Schneemassen nicht stand. Damit die Blumen keinen Zug bekommen, wird das Loch schnell mit einer Holzplatte geschlossen. Foto: Moritz Winde

Der extreme Wintereinbruch hat den Unternehmer gleich doppelt hart getroffen. Tief Tristan entfaltete nämlich ausgerechnet in der Valentinstag-Woche seine ganze Kraft, eine der verkaufsstärksten Perioden. Etliche Kunden wagten bisher die Fahrt zum regulär geöffneten Hofladen nicht – wohl aus Angst, auf den eisglatten Straßen zu verunglücken oder weil sie angesichts der Schneeberge von der Welt abgeschnitten waren.

Während sich die Herforder Verkehrslage allmählich beruhigt und die Geschäfte zum Tag der Liebe doch noch in Schwung kommen könnten, plagen Heiner Schwagmeier ganz andere Sorgen. „Ich habe Angst um meine Pflanzen“, sagt er. Währenddessen klirrt es erneut. Das nächste Glas ist zersprungen. Die Scheiben sind gerade einmal vier Millimeter dick, dem Druck des unter der Sonne schmelzenden und dadurch immer schwerer werdenden Schnees haben sie nur wenig entgegen zu setzen.

Zwischenzeitlich lag auf den Gewächshäusern eine zwei Meter dicke, weiße Schicht. „Natürlich haben wir Dächer geräumt. Aber das war nur begrenzt von außen möglich“, sagt Heiner Schwagmeier, der den Schaden auf mehrere 10.000 Euro schätzt. Auf einer ein Hektar großen Fläche – das entspricht etwa anderthalb Fußballfeldern – züchtet er Rosen und Tulpen. Und die mögen die Eiseskälte überhaupt nicht.

Deshalb muss der Gärtnerei-Chef mächtig auf der Hut sein. Zerbricht eine der mehr als 10.000 Scheiben, muss das Loch ruckzuck mit Holzplatten geschlossen werden. Die Gefahr, dass die Blumen erfrieren, sei sonst sehr groß. „Wenn Rosen nur wenige Minuten den Minustemperaturen ausgesetzt sind, gehen sie ein“, erklärt Heiner Schwagmeier, der auch nachts immer wieder in seinem Betrieb nach dem Rechten schaut. Aus Sorge um seine Ernte schlafe er schlecht.

Zusätzlich werden die Gewächshäuser ohne Ende beheizt. Erstens, damit der Schnee auf den Dächern so schnell wie möglich schmilzt und zweitens, damit es die Pflanzen angenehm warm haben. Heiner Schwagmeier sagt, Schneebruch habe es immer mal gegeben, „aber in dieser Dimension habe ich es noch nicht erlebt.“

Auf einem Hektar züchtet der Familienbetrieb Blumen in Gewächshäusern und verkauft sie im Hofladen. Foto: Moritz Winde
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