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Wellteam-Chef plant Spielplatz-Sanierung in Eigenregie – Stadt ist gesprächsbereit

Schöneberg will Holzschiff retten

Herford (WB). »Wahnsinn« und »Quatsch« nennt Friedrich-Wilhelm Schöneberg die 190.000 Euro, die die Stadt für die Sanierung des Linnenbauerspielplatzes ausgeben will . Der Unternehmer will das Areal auf eigene Faust reparieren und umgestalten – wenn man ihn lässt.

Moritz Winde

Ahoi: Unternehmer Friedrich-Wilhelm Schöneberg und Architekt Gerhard Niemann auf der Linnenbauerplatz-Kogge. Foto: Moritz Winde

Ortstermin an der Holzkogge: Der 75-Jährige blickt sich um und macht seinem Ärger Luft: »Hier herrschen ja katastrophale Zustände. Kein Wunder, dass sich Mütter mit ihren Kindern nicht mehr wohlfühlen«, sagt er und deutet auf eine morsche Planke. Ungehalten über die seiner Ansicht nach mangelnde Pflege tritt er in einen Laubhaufen, der sich am Bug des Bootes auftürmt. Die Blätter seien sicher acht Wochen alt. »Weshalb wird nicht regelmäßig gefegt?«

Wer Schöneberg kennt, weiß, dass er ein ordnungsliebender Mensch ist, der sich über Nachlässigkeiten mächtig aufregen kann. Einmal in Fahrt, legt der Wellteam-Gründer mit Blick auf die angespannte finanzielle Lage der Stadt Herford nach: »Es kann nicht sein, dass wir mit Geld um uns werfen, das wir nicht haben.«

Die 190.000 Euro für die Erneuerung des Schiffes und den Fallschutz sollen im Haushalt 2020 angemeldet werden. Der Stadtrat soll dann darüber voraussichtlich in der Februar-Sitzung entscheiden.

Weitere Sponsoren gesucht

Doch soweit soll es gar nicht erst kommen: Gemeinsam mit Gerhard Niemann – der Architekt hatte die Diskussion ins Rollen gebracht – will Schöneberg die geplanten Schritte der Verwaltung in Sachen Spielplatzsanierung blockieren. »Ich habe unseren Bürgermeister kontaktiert – aber leider keine Rückmeldung erhalten«, bedauert der 75-Jährige.

Die beiden Männer wollen nicht nur das Holzschiff auf eigene und geringere Kosten sowie mit Hilfe weiterer Sponsoren und Unterstützer retten, sondern das Areal auch umgestalten. »Denkbar ist ein Gummifeld mit Markierungen zum Hüpfen sowie mehrere Kletterstangen«, sagt Niemann. In den nächsten Wochen sollen Experten das Gelände überplanen.

Bauamtschef Peter Böhm begrüßt das Engagement grundsätzlich, betont aber auch: »Der Spielplatz bleibt so, wie er ist! Das wurde damals bei einem Wettbewerb festgelegt.« Ansonsten habe er gegen eine Privatinitiative nichts einzuwenden.

Bauamtschef sieht Schiffsreparatur kritisch

Im Gegenteil: »Wir freuen uns erst einmal darüber, wenn jemand die Stadt unterstützen möchte. Allerdings muss ein Spielplatz im öffentlichen Raum weitaus höhere Sicherheitsauflagen erfüllen als im eigenen Garten. Alles muss später vom TÜV abgenommen werden.«

Die Schiffsreparatur sieht Böhm kritisch: »Unsere Fachleute haben sich ja nicht ohne Grund eine Erneuerung ausgedacht. Die Holz-Unterkonstruktion ist morsch und soll durch eine aus Stahl ersetzt werden.« Der Beigeordnete geht davon aus, dass die städtische Maßnahme frühestens in einem Jahr beginnen könnte.

So lange will Friedrich-Wilhelm Schöneberg nicht warten, bis sich am Linnenbauerplatz etwas tut – und beschreibt seine Intention, helfen zu wollen, mit einem Spruch: »Wir können bei schrillem Unrecht schweigen – oder mit den Betrogenen, in diesem Fall sind es die Kinder, auf die Barrikaden steigen. Ich steige auf die Barrikaden.« Der Unternehmer hat vor mehr als 25 Jahren bereits den Tierpark vor dem Aus gerettet. Jetzt möchte er dasselbe mit dem Spielschiff tun.

Achtung: Mehrere Holzplanken sind morsch und müssten ausgetauscht werden. Foto: Moritz Winde
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