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BUND erinnert an den „Tag des Regenwurms“ und plädiert für Abkehr von der konventionellen Landwirtschaft

Schwerstarbeiter für gesündere Böden

Herford (WB)

Er ist lang, dünn, ein bisschen glitschig und wird von vielen Menschen daher als eklig betrachtet: der Regenwurm. Welche große Bedeutung diesem Tier aus der Ordnung der Wenigborster trotzdem zukommt, darauf weist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in diesen Tagen hin. Denn im Februar – genauer gesagt am 15. Februar – wird immer der Tag des Regenwurms gefeiert.

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Gesunde Böden, in denen sich so viele Regenwürmer wohlfühlen, sind selten im Kreis Herford, moniert der BUND. Foto: dpa

Als „enorm wichtig für die Böden“ bezeichnet Julie Mettenbrink, die beim BUND ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert, den Regenwurm. Alles, was gerade an der Bodenoberfläche zu finden sei, ziehe der Regenwurm in seine Gänge und zersetze auf diese Weise beispielsweise Laub.

Durch die tiefen Gänge, die der Regenwurm grabe, werde den Pflanzen das Eindringen in den Boden mit ihren Wurzeln erleichtert. Gleichzeitig sorge diese mühevolle Arbeit dafür, dass sich Mikroorganismen im Boden ansiedeln können, was für das Wachstum der Pflanzen sehr wichtig sei.

Neben dem Lockern der Böden sorgten die Tiere außerdem für dessen Durchmischung, weil sie Bestandteile aus tieferen Schichten an die Oberfläche schaffen. Oder kurz zusammengefasst: Der Regenwurm hält die Böden fruchtbar, schützt vor Bodenverdichtung und Verlust an Biodiversität.

Schwierig sei für die Nützlinge jedoch die konventionelle Landwirtschaft, sagt Bernd Meier-Lammering, Vorsitzender des BUND in Herford. Schwere Landmaschinen verdichteten die Äcker. Pestizide und der übermäßige Einsatz von mineralischen Düngern würden den Regenwurm vertreiben. „Wenn die Nitratbelastung im Boden zu hoch ist, wie auf Feldern in Schwarzenmoor und Vlotho, dann wird man die Schlüsselart Regenwurm dort nicht mehr antreffen“, sagt Meier-Lammering.

Wenn dagegen zusammen mit der Natur gearbeitet und die Hilfe von Regenwurm und Mikroorganismen im Boden angenommen würde, könne man zu gesünderen Böden und damit auch mehr Ertrag kommen, meint der Naturschützer.

Ein gutes Beispiel hierfür sei die Permakultur, bei der auf engem Raum viele Pflanzen dicht beieinander gepflanzt würden. Schwere Maschinen lasse dies zwar nicht zu, allerdings würden sich die Pflanzen gegenseitig vor Krankheiten und Schädlingen schützen, wenn sie in der richtigen Mischung nebeneinander gepflanzt würden. Außerdem müssten die Felder nicht so sehr bewässert werden, da der Regenwurm, der sich in diesem Boden pudelwohl fühle, dafür sorge, dass die Pflanzen an das Grundwasser gelangen können.

In dieser Art der Bewirtschaftung des Bodens werde auch die Erosion (Abtrag des fruchtbaren Mutterbodens durch Wind und Wasser) auf ein Minimum reduziert, da das Feld das ganze Jahr über mit Pflanzen dicht bedeckt sei und der Boden Regen und Wind so kaum noch Angriffsfläche biete.

Übrigens: Den einen Regenwurm gibt es gar nicht. Allein in Deutschland sind 47 verschiedene Arten bekannt. Weltweit gibt es mehr als 3000.

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