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Übersicht listet sämtliche Empfänger von Agrarsubventionen im Kreis auf

So hilft die EU den Landwirten

Herford (WB). Ohne Subventionen geht es in der Landwirtschaft nicht, auch nicht im Kreis Herford. Aus Transparenzgründen veröffentlicht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) alljährlich, wie viel Geld aus öffentlichen Kassen im Vorjahr den heimischen Betrieben zugute gekommen ist.

Bernd Bexte

Der Obsthof Otte, hier ein Blick in die „Waschanlage“ für Äpfel, ist größter Empfänger von Agrarsubventionen im Kreis Herford. Denn seit Jahren beliefert Otte im Zuge des EU-Schulobstprogramms Bildungseinrichtungen in OWL und im Kreis Osnabrück und wird dafür entsprechend vergütet. Foto: Sophie Hoffmeier

Laut der jetzt vorgelegten Übersicht für 2019 flossen 576 Zuwendungen aus den unterschiedlichen Agrar-Subventionstöpfen der EU in den Kreis Herford. Größter Empfänger war, wie bereits im Vorjahr, der Hiddenhauser Obsthof Otte mit knapp 280.000 Euro. Das hat einen ganz besonderen Grund: Der Löwenanteil (237.000 Euro) entfiel auf das EU-Schulprogramm für Obst, Gemüse und Milch. Bekanntlich beliefert Otte seit Jahren heimische Schulen mit frischem Obst. „Wir versorgen 7000 Schüler in etwa 60 Grund- und Förderschulen in OWL und im Kreis Osnabrück“, sagt Karsten Otte.

Landwirt Egbert Storck aus Enger erhielt 2019 gut 200.000 Subventions-Euro und rangiert damit in der Übersicht auf Platz zwei hinter Otte. Der größte Batzen davon (knapp 178.000 Euro) war eine Investitionsbeihilfe. An die Werreland GbR – einer der größten Betriebe im Kreis Herford mit Sitz auf dem Hof von Laer in Kirchlengern – flossen 193.000 Euro, der Großteil davon (knapp 124.000) waren die sogenannte Basisprämie.

Auch Kommunen profitieren

Die Gutsverwaltung Böckel in Rödinghausen erhielt gut 183.000 Euro, davon waren 105.000 Basisprämie, gut 50.000 eine Greening-Prämie, mit der dem Klima- und Umweltschutz förderliche Bewirtschaftungsmethoden gefördert werden. Aber auch Kommunen profitieren von den EU-Zahlungen. Die größte Summe (170.000 Euro) in diesem Bereich floss nach Rödinghausen für Dorferneuerung und Infrastrukturausbau.

Unter den Empfängern finden sich auch bekannte (ehemalige) Funktionsträger. So erhielt der ehemalige grüne Europaabgeordnete Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf aus Spenge 108.000 Euro. Der größte Posten war eine Zuwendung für den ökologischen Landbau (44.000 Euro). An den Betrieb von Wilhelm Brüggemeier in Enger, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), flossen gut 63.000 Euro, an Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld, knapp 33.000 Euro. Am Ende der Auflistung stehen zahlreichen Kleinempfänger. Die geringste Summe (654) bekam demnach ein Landwirt in Bünde.

Veröffentlichung verpflichtend

Seit 2012 sind alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis Ende Mai jedes Jahres Informationen über die Empfänger von EU-Agrarzahlungen für das zurückliegende Haushaltsjahr, in diesem Fall von Oktober 2018 bis Oktober 2019, im Internet zu veröffentlichen. Außerdem müssen die Behörden seit 2015 neben den juristischen auch die natürlichen Empfänger nennen. Zwischenzeitlich hatte der Europäische Gerichtshof die Nennung der Zahlungen an natürliche Personen ausgesetzt.

Auch wenn er von den Subventionen profitiert, hält Obstbauer Karsten Otte das System für verbesserungsfähig. „Es müsste deutlich mehr in Richtung Artenvielfalt gefördert werden“, sagt der Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.

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