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Windmann Glas aus Herford besorgt und installiert Hygieneschutz in Läden

Sogar beim Plexiglas gibt es Engpässe

Herford (HK). Vorsicht. Volle Deckung. Der Begriff „Spuckschutz“ ist fortan europaweit markenrechtlich geschützt. Jeder, der damit Geschäfte macht, muss einen Anteil davon an eine österreichische Firma abdrücken. Bei den vom Herforder Unternehmen Windmann Glas hergestellten Plexiglaskonstruktionen sprechen wir also lieber von Hygieneschutz.

Stephan Rechlin

Hygieneschutz kann auch elegant sein. Sören Amann, geschäftsführender Inhaber von Windmann Glas, hat die Schutzkonstruktion im Empfang seines Unternehmens in zwei Kunststoffhalter gefügt. In der Mitte gibt es eine schmale Durchreiche. Foto: Stephan Rechlin

Der geschäftsführende Inhaber Sören Amann, Urenkel des Firmengründers Wilhelm Windmann (1879-1952), hält diese Bezeichnung sowieso für präziser: „Das Coronavirus wird ja durch in der Luft verbleibende Aerosole übertragen, also durch unsichtbare Tröpfchen. Davor soll das Plexiglas schützen.“ Seit Ausbruch der Pandemie habe Windmann Dutzende von Supermärkten, Einzelhandelsläden, Arzt- und Kinderarztpraxen, Frisiersalons, Restaurants und Apotheken damit ausgestattet, vor allem im Kreis Herford. Unternehmen, die in Großraumbüros arbeiten lassen, bestellen Trennwände aus Plexiglas bei Windmann. Herfords Bürgermeister und Landrat habe Amann darüber informiert, diese Schutzkonstruktionen auch in Schulen und Kindergärten installieren zu können: „Ich habe aber bisher keine Antwort darauf erhalten.“

Hochtechnologie und Handwerk

Die heiß begehrten Hygieneschutz-Installationen sind für Windmann eher eine Marketing-Maßnahme. Das Kerngeschäft ist die Fertigung von Glas- und Spiegelkomponenten für die Möbelindustrie und den Ladenbau. Dafür ist das Unternehmen an der Brunnenstraße im Gewerbegebiet Waterfuhr bestens mit modern-ster Glasschneide- und Veredelungstechnologie ausgestattet. Die Firma hat sich darüber hinaus über 111 Jahre ihre handwerklichen Wurzeln bewahrt. Darum sind Mitarbeiter heute in der Lage, den Hygieneschutz vor Ort so zuzuschneiden wie es der Kunde wünsche.

Diese Wünsche fallen ganz unterschiedlich aus. Wer mit einem schnellen Ende der Corona-Krise rechnet, spannt einfach eine transparente Folie zwischen zwei Holzblöcke auf seinem Tresen. Amann: „Ich kann das ja verstehen. Es soll nichts kosten, weil die meisten Geschäftsleute derzeit ohnehin schon unter hohem Ko-stendruck stehen.“

Mehr Aufwand erfordern die von Windmann zwischen zwei Halterungen aus Edelstahl gespannten Plexiglas-Scheiben. Oder Scheiben, die in eine zuvor in einen Holztresen gefräste Nut eingepasst werden: „Das sieht schick aus. Es gibt dann allerdings kein Loch, um ein Rezept, eine Krankenkassenkarte, einen Kassenbon oder Wechselgeld durchzureichen.“ Was jedoch auch herstellbar sei, dann aber mit Hilfe der Technologie im Betrieb.

Gute Kontakte

Windmann ist auch deshalb stark gefragt, weil die Firma weiß, wie man an Plexiglas kommt. Amann: „Inzwischen gibt es Engpässe , so wie bei anderen Schutzmaterialien. Die Lieferzeiten sind auf Ende August datiert.“ Wobei Sören Amann Plexiglas nur für die zweitbeste Lösung hält.

Langfristig besser geeignet als Hygieneschutz sei Einscheiben-Sicherheitsglas: „Es ist schnell und gut zu reinigen und sieht hochwertiger aus.“ Für den Fall, dass die Krise doch länger dauere als vermutet.

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