1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Herford
  6. >
  7. Sorge um den Dorfcharakter

  8. >

Stedefreunder äußern Einwände zur geplanten Bebauung – Herford wächst

Sorge um den Dorfcharakter

Herford (WB). Wenn ein Ort mit knapp 1500 Einwohnern um 250 Neubürger wachsen soll, so sorgt dies für Unruhe. Das war am Montag im Ratssaal bei der Bürgerinformation zur geplanten Bebauung in Stedefreund deutlich spürbar. Etwa 60 Anlieger waren gekommen, um sich über den Vorentwurf zu informieren.

Ralf Meistes

»Für mich wäre es am besten, wenn die Straßenführung so bleibt«, sagt Ralf Döpke. Das wird nicht möglich sein, schließlich will die Stadt in Stedefreund ein neues Baugebiet schaffen. »Werden die Pläne umgesetzt, komme ich nicht mehr zu meinem Hof«, sagt Döpke. Foto: Ralf Meistes

»Wir haben eine starke Nachfrage«

»Wir haben eine starke Nachfrage nach Baugebieten. In Elverdissen hatten wir zuletzt für 14 Bauplätze 140 Bewerber«, sagte Beigeordneter Dr. Peter Böhm. Auch deshalb habe die Verwaltung vom Stadtrat den Auftrag erhalten, weitere Baugebiete auszuweisen beziehungsweise Bebauungspläne zu erstellen, die eine Wohnbebauung ermöglichen.

33 Einfamilienhäuser und vier Mehrfamilienhäuser geplant

33 Einfamilienhäuser und vier Mehrfamilienhäuser sollen auf einer Ackerfläche zwischen Stedefreunder Straße, Im Jammertal und Donopweg entstehen. Hinzu kommen Anliegerstraßen, ein Kita-Neubau für drei Gruppen und ein zusätzlicher Spielplatz.

Entwurf liegt bei der Stadt zur Ansicht aus

Stadtplanerin Maike Wöhler musste viele Fragen beantworten. Zugleich machte sie deutlich, dass bislang lediglich ein Vorentwurf vorliege und die Anwohner die Gelegenheit haben, ihre Anregungen und Fragen noch in den Planungsprozess einzubringen. Bis zum 20. März sind die Unterlagen noch in der Verwaltung zugänglich.

Anlieger treffen sich am 7. März

Eine Interessengemeinschaft der Anlieger trifft sich erneut am 7. März um 19 Uhr im Stedefreunder Krug. Einer, der gegen die bisherigen Pläne notfalls klagen möchte, ist Landwirt Ralf Döpke. Er komme mit seinem Mähdrescher nicht mehr zu seinem Hof, sollte die Stadt ihre Pläne eins-zu-eins so umsetzen, wie sie jetzt vorliegen, beklagt Döpke.

Werner Seeger, Vorsitzender des Bauausschusses, will anregen, dass sich die Mitglieder des Ausschusses die Gesamtsituation vor Ort noch einmal anschauen.

Dass die Stadt allerdings neue Baugebiete ausweisen möchte und die Politik diese Fläche auch als geeignet ansieht, wurde im zurückliegenden Bauausschuss bereits deutlich.

Fragen zur Gebäudehöhe

Ein Anwohner regte an, dass man sich über die Höhe der vier Mehrfamilienhäuser noch einmal Gedanken machen sollte. Die würden sich entlang der Stedefreunder Straße nicht wirklich ins Landschaftsbild einfügen. Maike Wöhler wies darauf hin, dass die Stadt auch für Menschen planen müsse, die sich kein Einfamilienhaus, sondern lediglich eine Wohnung leisten können. Vor diesem Hintergrund biete der Bebauungsplan einen guten Mix.

Hinweis auf geschützte Tiere

Hinweisen nach geschützten Tieren wie dem Uhu oder dem Rotmilan werde man nachgehen, versprach die Stadtplanerin. Auf Nachfrage zum Landschaftsschutz verwies Wöhler darauf, dass sich auch der Kreis Herford als Untere Landschaftsschutzbehörde noch mit den Plänen beschäftigten werde.

Sorge um zu viel Verkehr

Mit Sorge sieht Klaus Himmelmann die künftige Verkehrsbelastung. »Schon heute ist die Stedefreunder Straße durch das Industriegebiet stark belastet. Es kann doch nicht sein, dass wir die Verkehrsbelastung hier weiter steigern«, kritisierte er. Zugleich verwies er auf die schwierige Verkehrslage an der Ledeburstraße vor dem Kindergarten. »Da stehen die Autos zum Teil in Zweier-Reihen und der Bus kommt da morgens nicht durch«, sagte Himmelmann.

Engstellen an verschiedenen Straßenzügen hat auch Ernst Herold ausgemacht. »Der Wirtschaftsweg hat eine Breite von 4,50 Metern, der Donopweg von 4,60 Metern. Da ist Begegnungsverkehr kaum möglich.« Die Pläne sehen eine Breite vor, wie es sich auch in anderen Wohngebieten gebe, entgegnete Maike Wöhler. Außerdem wolle man dort Tempo 30, wenn nicht sogar Schritt-Geschwindigkeit festlegen.

Fehlende Infrastruktur

Eine Anwohnerin monierte, dass es schon heute kaum Infrastruktur in Stedefreund gebe. »Und sie wollen hier noch 80 Wohneinheiten bauen«, kritisierte sie. »Dass es in Stedefreund keine Sparkasse und keinen kleinen Laden mehr gibt, hat doch auch mit den Menschen hier zu tun. Wenn man vor Ort nur ein paar Zitronen kauft, kann ein kleiner Laden nicht überleben«, entgegnete Marlies Echterdiek, ehemalige CDU-Ratsfrau. Außerdem führen viele zum Einkaufen auch nach Bielefeld, bemerkte ein anderer Anwohner. Brake liege ja um die Ecke und Schildesche auch nicht weit. Wenn die Straßen ausgebaut werden, dann würden auch Anliegerbeiträge fällig, betonte Dr. Böhm.

Die Debatte über das Baugebiet wird weitergehen. Am 7. März mit Anwohner im Stedefreunder Krug, aber auch in einer der nächsten Bauausschuss-Sitzungen.

Startseite
ANZEIGE