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Herforder Textilunternehmen appellieren im Namen des Einzelhandels

SPD soll den Sonntag retten

Herford (HK). Die Wemhöner Surface Technologies GmbH & Co. KG hält an ihrem Umsatzziel von mehr als 100 Millionen Euro in diesem Jahr fest – trotz der Einschränkungen durch Corona. Dazu trägt unter anderem das wieder stark angelaufene Geschäft in China bei.

Stephan Rechlin

Eine gute Durchlüftung ermöglicht es Jürgen Müller, Heiner Wemhöner, Sebastian Hartmann und Tim Kähler (von links), das Produktionswerk der Wemhöner Surface Technologies an der Planckstraße im Heidsiek ohne Schutzmaske zu besichtigen. Foto: Stephan Rechlin

Mit dieser Nachricht überraschte Firmenchef Heiner Wemhöner am Samstag den SPD-Landesparteichef und Bundestagsabgeordneten Sebastian Hartmann, der das Unternehmen gemeinsam mit Landrat Jürgen Müller und Herfords Bürgermeister Tim Kähler aufgesucht hatte. So seien die coronabedingten Einschränkungen in den beiden gläsernen Wemhöner-Werken im chinesischen Changzhou inzwischen weitgehend gelockert worden. Durch das teils drastische Durchgreifen des Staates in der ersten Pandemiephase seien die Infektionszahlen dort so gut wie komplett eingedämmt worden, berichtete Wemhöner aus Telefonaten mit seinem chinesischen Geschäftsführer. Größte Umsatzbremse seien die nach wie vor geltenden Reisebeschränkungen: „Das gilt sowohl für unsere chinesischen Standorte als auch hier in Herford.“

Küchenindustrie lebt auf

Die von Wemhöner hergestellten Durchlauf-, Kurztakt- und 3-D-Druckanlagen liefen bei Kunden aus der Möbel- und holzverarbeitenden Industrie mitunter in Dreischichtbetrieben an sieben Tagen in der Woche durch. Komplexe Wartungs- und Reparaturarbeiten seien weder am Telefon noch über Videokonferenzen zu leisten, von Verkaufsgesprächen ganz zu schweigen. Wemhöner: „Doch die Nachfrage ist hoch, vor allem aus der Küchenmöbelindustrie. Während der Corona-Monate haben die Menschen offenbar herausgefunden, was ihnen in ihren Küchen noch so alles fehlt.“ Sorge bereite Wemhöner derzeit vor allem der hoch bewertete Euro-Kurs, der den Verkauf der Maschinen ins Ausland erheblich verteuere. Wemhöner Surface Technologies kommt auf eine 90-prozentige Exportquote.

Kein Jammerton

In Herford traf der SPD-Landeschef durchweg auf Firmen, die mit keiner Note in den durch die Corona-Krise erzeugten Jammerton einstimmten. Hartmann: „Vor allem die Innovationskraft, die Eigenkapitalstärke und die gezielte Fachkräfte-Akquisition sind bei Wemhöner beeindruckend.“ Hartmanns Lob bezieht auch die drei großen industriellen Textilhersteller in Herford ein. Trotz immenser Umsatzeinbußen und harten Konsolidierungsschritten hoben Dr. Stella Ahlers (Ahlers AG), Wolfgang Brinkmann (Bugatti) und Marc Freyberg (Brax) in einem privat gehaltenen Gespräch im Herforder Marta die Entschlossenheit ihrer Unternehmen hervor, aus eigener Kraft aus der Krise zu kommen. Gegenüber ihren Besuchern äußerten sie den dringenden Wunsch, sich für verkaufsoffenen Sonntage in den Innenstädten einzusetzen. Dadurch würden Einzelhandelsgeschäfte eine kleine Chance erhalten, einen Teil ihrer seit März weggebrochenen Einnahmen zu kompensieren.

Ferner wurden die SPD-Amtsinhaber gebeten, eine Gewerbesteuersenkung zu prüfen und die Auswirkungen des Erneuerbaren Energien Gesetzes auf produzierende Unternehmen im Auge zu behalten. Entscheidend sei der Zusammenhalt Europas, des wichtigsten Handelspartners der drei Firmen.

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