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Bezirksregierung Arnsberg bedauert Informationspanne

Stadt muss über Nacht 350 Flüchtlinge aufnehmen

Herford (WB). Die Stadt Herford hat am Wochenende überraschend 350 Flüchtlinge aufnehmen müssen, die zuvor im Übergangslager Unna-Massen untergebracht waren. Ohne Rücksprache mit der Stadtverwaltung hatte die zuständige Bezirksregierung Arnsberg entschieden, dass die Flüchtlinge Häuser der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) beziehen sollen, die bis Februar dieses Jahres noch von Angehörigen der britischen Armee bewohnt waren.

Ralf Meistes

Innerhalb weniger Stunden haben am Freitag Helfer von THW und DRK aus den leer stehenden Wohngebäuden Notunterkünfte für die 350 Flüchtlinge gemacht. Foto: Ralf Meistes

Da sich die britischen Streitkräfte in Herford bis Ende 2015 zurückziehen, sind im Mai vier Wohnhäuser an die Bima übergeben worden. Die Flüchtlinge, die zumeist aus Syrien, Irak und Afghanistan stammen, sollen nach Aussage des Dezernenten Manfred Schürkamp ab der kommenden Woche auf andere Städte und Kommunen in der Region verteilt werden. Die Einrichtung der Notunterkünfte in Herford sei notwendig gewesen, weil die zentralen Sammelunterkünfte des Landes für die Erstaufnahme völlig überfüllt sind.

Bereits am Freitag waren die ersten 95 der insgesamt 350 Flüchtlinge in Herford eingetroffen. Die Stadtverwaltung habe davon erst am Samstagmorgen erfahren, teilte Schürkamp mit, der sich stellvertretend für Bürgermeister Tim Kähler zu der überraschenden Aufnahme äußerte.

Von Nachricht überrumpelt

Kähler war am Freitag nach Belgien gereist, kehrte am Samstag jedoch umgehend nach Herford zurück und machte sich am Sonntag ein Bild von der Lage vor Ort. Die Bezirksregierung Arnsberg hat die vier Gebäude von der Bima bis Mitte November angemietet. Ob bis zu diesem Zeitpunkt die Gebäude auch als Notunterkünfte benötigt werden, vermochte Kähler am Sonntag noch nicht zu sagen.

Verärgert ist Herfords Bürgermeister vor allem über die Organisationspanne seitens der Bezirksregierung Arnsberg. Diese habe sich zwar dafür entschuldigt, die Herforder Stadtverwaltung nicht rechtzeitig in Kenntnis gesetzt zu haben, »das macht es aber auch nicht wirklich besser«, betonte Kähler. Er wolle sich deshalb am Montag beim NRW-Innenministerium beschweren und erwarte nun auch Hilfe vom Land. Zugleich betonte Kähler, Herford werde ein guter Gastgeber sein und jedwede Hilfe anbieten, die benötigt werde: »Die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten haben schlimmes durchgemacht. Wir wollen sie hier willkommen heißen.«

Rasche Hilfe trotz Ärgers

Kähler bedankte sich für die reibungslose Arbeit der Helfer von THW und DRK, die innerhalb von Stunden aus den leerstehenden Wohngebäuden Notunterkünfte gemacht hätten. Noch am Samstag informierte die Stadtverwaltung die unmittelbarer Nachbarschaft per Handzettel über die Flüchtlingsaufnahme.

Zugleich hat das Rathaus eine Hotline eingerichtet, die am Montag in der Zeit von 8 bis 13 Uhr besetzt ist (05221/189-666).

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