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Bekenntnisschule: Ratsfraktionen äußern sich zum Vorhaben eines privaten Trägervereins

Stadt plant keinen Schulverkauf in Elverdissen

Herford (WB). Die Stadt hat Plänen der Bielefelder Georg-Müller-Schulen vorerst eine Absage erteilt, die ehemalige Hauptschule in Elverdissen zu kaufen und dort eine private Bekenntnisschule zu gründen.

Peter Schelberg

Die Georg-Müller-Schulen haben ihr Kaufinteresse an der ehemaligen Hauptschule in Elverdissen bekundet. Foto: Moritz Winde

»Wir haben dem Trägerverein mitgeteilt, dass wir keinen Verkauf planen«, bestätigt Beigeordneter Dr. Peter Böhm. Die Stadt betreibe derzeit die Quartiersentwicklung, bei der die Einrichtung eines Bürgerzentrums diskutiert werde: »Da können wir nicht gleichzeitig Verkaufsverhandlungen führen.«

Böhm erinnert daran, dass die Hauptschule bis Juli 2022 an den Kreis Herford verpachtet sei – mit Verlängerungsoption für ein weiteres Jahr. Der Beigeordnete schließt allerdings mit Blick auf die aktuelle Ablehnung des Kaufangebots auch nicht aus, »dass man in zwei Jahren neue Überlegungen anstellt«.

CDU: »neue Optionen für Entwicklung des Standortes«

Die CDU-Fraktion freue sich über das Interesse an dem alten Hauptschulgebäude, sagt Fraktionschef Wolfgang Rußkamp: »Es eröffnet neue Optionen im Hinblick auf die Entwicklung des Standortes. Diese Option sollte in den Bürgerdialog mit einbezogen werden, denn es ist das gute Recht der Eltern, bei der Wahl der Schule ihrer Kinder auch eine Bekenntnisschule in Betracht zu ziehen.« Ein Verkauf des Gebäudes stehe allerding erst dann auf der Tagesordnung, wenn der Kreis Herford das Gebäude für seine Schulen nicht mehr nutzt.

Die SPD will sich in ihrer Fraktionssitzung am kommenden Montag mit dem Thema auseinandersetzen, kündigte stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dana Kuntemeier-Wolff an.

Ablehnende Haltung bei den Grünen

Die Grünen lehnen einen Verkauf an einen Träger einer privaten konfessionellen Bekenntnisschule ab. »Zwar sind Bekenntnisschulen in privater Trägerschaft in NRW gesetzlich zugelassen. Die Stadt ist aber nicht verpflichtet, die Gründung einer solchen Schule in ihrem Wirkungsbereich zu ermöglichen«, sagt Sprecherin Angela Schmalhorst.

Zunächst sei der weitere öffentliche Bedarf an der Liegenschaft mit Schulgebäude und Sporthalle zu klären: »Eine Nutzung dieses Grundstücks für städtische bzw. öffentliche Zwecke ist hierbei vorrangig zu berücksichtigen.« Darüber hinaus bestünden gegenüber einer Errichtung von Konfessionsschulen außerhalb des allgemeinen öffentlichen Schulwesens grundsätzliche Bedenken.

FDP steht Verkauf positiv gegenüber

Günther Klempnauer (FDP) bewertet das Übernahmeangebot aus Bielefeld positiv: Mit dem Erlös könnte nach Auffassung der Liberalen ein neues Bürgerzentrum in unmittelbarer Nähe gebaut werden. Den Vorteil eines Verkaufs sieht Klempnauer auch darin, dass die Stadt nicht die Sanierungskosten für die Hauptschule übernehmen müsste: »Das dürfte ein höherer Millionenbetrag sein.«

Eine weitere Privatschule in Herford würde nach Auffassung von Inez Déjà (»Die Linke«) nicht dazu beitragen, »das Miteinander von Kindern aller Bevölkerungsgruppen und somit eine gleichberechtigte soziale Entwicklung zu fördern«.

Abwartend stehen die »Bürger für Herford« dem Vorhaben des Trägervereins gegenüber. »Wir suchen das Gespräch mit den Verantwortlichen«, teilt Fraktionschef Lothar Wienböker mit: »Für uns ist die Förderung und Sicherstellung der Integration aller Herforder unabhängig von Einkommen, Alter, Herkunft, Glauben und politischer Anschauung nicht verhandelbar.«

Trägerverein möchte in Dialog einbezogen werden

Michael Pieper, Geschäftsführer des Trägervereins der Evangelikalen Bekenntnisschule (Georg-Müller-Schule), betont unterdessen: »Uns ist wichtig, dass wir in den Dialog über die künftige Nutzung der Alten Hauptschule einbezogen werden und unser Projekt nicht von vornherein ausgeschlossen wird.« Schließlich sei es eine Lösung, die die Stadt kein Geld kosten würde und bei der eine ortsteilnahe Schule vorgehalten werden könne. Der Verein wolle bei Bedarf gern eine Informationsveranstaltung anbieten.

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